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Sommersportstatistik 2011
Sommersportstatistik 2011

Kinder verletzen sich oft am Kopf Fußball bleibt gefährliche Sportart

Fast jedes zweite Kind, das nach einem Unfall beim Radfahren stationär aufgenommen wird, hat eine Kopfverletzung. Aktuell trugen 83 Prozent von diesen Kindern keinen Helm. Wasserrutschen und Trampoline stellen ebenfalls ein erhebliches Gefahrenpotenzial dar. Bei den Erwachsenen bleibt „König Fußball“ die Sportart, bei der die meisten Unfälle und Verletzungen passieren. Mehr als zwei Drittel der ambulant oder stationär behandelten Verletzten spielte Fußball.

Als Gesprächspartner standen zur Verfügung:

Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch Vorstand Universitätsklinik für Unfallchirurgie und  Sporttraumatologie
OA Dr. Clemens Hübner Oberarzt, Universitätsklinik für Unfallchirurgie und  Sporttraumatologie
OA Dr. Jan Bauer interimistischer Leiter Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie
Prim. Univ.-Prof. Mag. DDr. Anton Wicker

Vorstand Uniklinik für Physikalische Medizin



SALZBURG. Seit 31. Mai 2011 gilt für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren die Helmpflicht beim Fahrradfahren. Diese gesetzliche Vorschrift zum Schutz der jungen Radler hat seinen guten Grund. Laut der jüngsten Statistik der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie sind im laufenden Jahr zwölf Kinder nach Fahrradunfällen stationär behandelt worden. Zehn dieser Kinder oder 83 Prozent hatten keinen Helm getragen. „Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Steigerung von rund 30 Prozent und zeigt wie wichtig es ist, den Helm aufzusetzen“, sagt OA Dr. Jan Bauer, interimistischer Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie.

Bei den Erwachsenen bleibt ein Trend ungebrochen. „Fußball ist weiterhin eine Sportart mit sehr hoher Verletzungsgefahr. Zwei von drei Sportunfällen mit Verletzung ereignen sich beim Fußball“, sagt Primar Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch, Leiter der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie. Mit dem Fußball haben es noch Radfahren und Volleyball auf das Podest der Sportarten geschafft, die am häufigsten zu Verletzungen führen.

Männer nehmen mehr Risiko

Männer dürften wesentlich mehr Risiko beim Sport in Kauf nehmen als Frauen. Ansonsten wäre es nicht zu erklären, dass noch immer 90 Prozent der Sportverletzungen Männer betreffen. „Die Männer verletzen sich auch früher als Frauen. Der Durchschnitt, der bei uns behandelt wird, ist 27,6 Jahre alt. Während die Frauen im Schnitt fast 30 sind, wenn sie nach einem Sportunfall zu uns zur Behandlung kommen“, sagt Dr. Clemens Hübner, Oberarzt an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie.

Insgesamt spielt der jugendliche „Leichtsinn“ offenbar noch immer eine gewisse Rolle, sind doch fast drei Viertel aller behandelten Sportler unter 30 Jahre alt. 25 Prozent können zur Altersgruppe der zwischen 31 und 60 Jahre gezählt werden. Die Generation 60+ macht nur 2,7 Prozent bei den Sportverletzungen aus.

Die Mehrheit kommt mit leichten Blessuren davon

1.023 Sportlerinnen und Sportler wurden 2011 (2010: 1089) von den Spezialisten für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie behandelt. 757 oder 74 Prozent kamen mit leichten Blessuren davon. Mittlere bis schwere Verletzungen zogen sich immerhin knapp 25 Prozent der Betroffenen zu. „Genau 100 Patientinnen und Patienten (9,8%) mussten wir stationär aufnehmen. Die Zahl der Schwerstverletzten ist im Vorjahr zum Glück stark zurückgegangen. Hatten wir 2010 noch 31 Schwerstverletzte, waren es im Vorjahr ‚nur‘ 17“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch.

Weiterhin die „Hotspots“ bei den Verletzungen bleiben die unteren Extremitäten. Im Vorjahr betrafen 56,4 Prozent der Verletzungen diese Körperregionen. „Das heißt, dass das Kniegelenke und die Sprunggelenke am häufigsten betroffen sind“, analysiert OA Hübner. Ellbogen, Handgelenk und Hand sind mit 17,7 Prozent Häufigkeit in der Statistik vertreten. Unter zehn Prozent liegen Schultern und Oberarme, Hüfte und Oberschenkel, Kopf und Gesicht sowie Brustkorb und Becken. „Mehr als 90 Prozent der Sportler konnte allerdings nach ambulanter Behandlung wieder nach Hause gehen“, sagt Dr. Hübner. 

Fußballer erleiden Knie- und Sprunggelenksverletzungen

„Seit 1997 führen wir diese Statistik, mit der wir der Sportindustrie wichtige Erkenntnisse liefern. Aber seit einigen Jahren zeigt sich in einem Bereich das gleich Bild. Fußball bleibt weiterhin eine Sportart mit einer hohen Verletzungsrisiko“, sagt Univ.-Prof. Dr. Resch. Die Fußballer, egal ob männlich und immer mehr auch weiblich, machten 2011 genau 67,8 Prozent der zu behandelnden Sportverletzungen aus. Seit 2007 liegt Fußball mit mehr als 60 Prozent aller Verletzungen unangefochten an der Spitze in der Sommersportstatistik der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie.

Mountainbike die gefährlichste Form des Radfahrens

Ebenfalls immer ganz vorne dabei ist Radfahren. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass Radfahren weiterhin die beliebteste Freizeitsportart von Herrn und Frau Österreicher ist. Besonders beliebt, das Radfahren abseits der Straßen, im Gelände oder auf Schotterstraßen. Kein Wunder, dass deshalb Mountainbiken die eindeutig gefährlichste Form des Radfahrens ist. Mehr als jeder zweite Radunfall von Erwachsenen, der eine Verletzung nach sich zieht, passiert mit einem Mountainbike. Rund ein Drittel der Patienten nach Radunfällen war auf einem Citybike unterwegs. Relativ sicher dagegen scheinen Rennräder, die sich mit nicht einmal sieben Prozent in dieser Statistik niederschlagen. „Interessant ist hier vor allem der Umstand, dass zwar mehr als jeder zweite Unfall mit einem Mountainbike passiert, gleichzeitig aber auch 52 Prozent der Unfälle sich auf normalen Asphaltstraßen abspielen“, sagt OA Dr. Hübner.

Helmträger weiter im Vormarsch

Erfreulich aus Sicht der Mediziner und auch der Sportindustrie ist, dass auch immer mehr Erwachsene beim Radfahren zum Helm greifen. 2011 trugen 83,3 Prozent der Radsportler einen Kopfschutz. 2009 waren es noch 61,8 Prozent, 2010 bereits 77,8 Prozent. „Erfreulich ist auch, dass mittlerweile beinahe 38 Prozent derjenigen, die das Fahrrad für den Weg in die Arbeit oder zum Einkaufen verwenden, ihren Kopf schützen“, sagt Dr. Hübner.

Helmpflicht für Kinder war überfällig

Seit 31. Mai 2011 herrscht für Kinder unter zwölf Jahren Helmpflicht. „Da für Kinder das Radfahren eine erhebliche koordinative und motorische Belastung darstellt, war diese Helmpflicht überfällig“, sagt OA Dr. Jan Bauer, interimistischer Leiter der Universitätsklinik für Kinder und Jugendchirurgie. Wie wichtig diese gesetzliche Bestimmung wirklich ist, zeigen die aktuellen Zahlen der Abteilung. Kopfverletzungen sind die mit Abstand häufigsten Blessuren, die Kinder nach Unfällen mit ihrem Fahrrad davon tragen. Im laufenden Jahr 2012 wurden zwölf Kinder stationär aufgenommen, nachdem sie mit ihrem Fahrrad einen Unfall hatten. Zehn von diesen zwölf hatten keinen Helm auf, dabei handelte es sich um 6 Großkinder bzw. Jugendliche (d.h. über 12 Jahre). Im Vorjahr waren insgesamt 53 Kinder, die im Krankenhaus bleiben mussten. Davon hatten 62 Prozent beim Radfahren auf den Kopfschutz verzichtet.

Wie kann man Kinder schützen?

Kinderchirurg Oberarzt Dr. Jan Bauer ist durch seine Erfahrung auch Präventionsexperte für Unfälle bei Kindern und erklärt: „Alle Kinder und Jugendlichen sollten beim Radfahren einen Helm tragen. Bei 80 Prozent aller Fahrradunfälle wird der Kopf in Mitleidenschaft gezogen. Helme können den Schweregrad der Kopfverletzung um ¾ reduzieren.“
Helmtragen beginnt schon beim Baby im Fahrradanhänger. Der Helm gehört ebenso zum Laufrad und zum Roller. Er gehört zu allen Sportarten, bei denen Schnelligkeit und Höhe zu Sturzunfällen mit Kopfverletzungen führen können. Auch  Eltern sollen als Vorbild einen Radfahrhelm tragen. Wenn es einmal zum Sturz kommt, dann können feine Haarrisse im Helmmaterial die Dämpfung mindern – deshalb soll der Helm dann durch einen neuen ersetzt werden.

Wasserrutschen als Unfallherde

Auch im Schwimmbad passieren immer wieder Unfälle, bei denen Kinder schwere Verletzungen davontragen. Meist sind die Kinder, die beim Spaß im Freibad verunglücken alleine unterwegs. Und auch hier ist wieder der Kopf die am meisten gefährdete Körperregion. Im Vorjahr betragen 39 Prozent der Verletzungen nach einem Badeunfall Kopf und Gesicht. Das mittlere Alter der Verletzten liegt bei 10 Jahren. Weniger gefährlich ist das eigentliche Schwimmen oder Tauchen im Schwimmbad. Große Gefahrenherde stellen hingegen die Aktivitäten rund um das Becken und die Wasserrutschen dar. Jeder fünfte Unfall passiert auf der Wasserrutsche. Dort ziehen sich die Kinder die Verletzungen durch Kollisionen mit anderen Badegästen im Mündungsbereich der Rutsche (40 %) zu. Bei 30% der Unfälle ist ein Sturz infolge des Aus- bzw. Abrutschens die Ursache.

Präventionstipps für ein unbeschwertes Badevergnügen

Eltern sollten bei der Entscheidung, ein Kind alleine ins Schwimmbad gehen zu lassen folgendes beachten: Kann es sicher schwimmen und im Wasser auch bei unvorhergesehenen Situationen in der richtigen Weise reagieren? Wie selbständig, erfahren und zuverlässig ist es? Kinder müssen genau wissen, was erlaubt bzw. verboten ist, sie müssen häufiger an die wichtigsten Verhaltensregeln erinnert werden.

  • Kinder sollten bereits im Vorschulalter schwimmen lernen.
  • Nichtschwimmer gehören ins Nichtschwimmerbecken.
  • Beim ersten Besuch in einem Bad sollten Kinder mit den Örtlichkeiten vertraut gemacht, über Gefahrenquellen informiert und über Baderegeln aufgeklärt werden.
  • Eltern sollen Ihre  Kinder immer im Auge behalten. Unabhängig davon, ob Kinder mit oder ohne Hilfsmittel (z.B. Schwimmflügel) ins Wasser gehen: Eltern und Erziehungsberechtigte haben immer die Pflicht zur aktiven und konsequenten Aufsicht (trotz Badaufsicht).
  • Bei der Nutzung von  Wasserrutschen sind die Sicherheitshinweise und -Regeln zu beachten, wie z. B den Sicherheitsabstand zum Vordermann halten, den Mündungsbereich nach dem rutschen sofort verlassen.
  • Vor der Nutzung der Sprunganlagen immer sicherstellen, dass die Wasserfläche darunter frei ist.
  • Kinder sollen am Beckenrand (wo es meist rutschig ist) nicht laufen!

Trampolin ja, aber alleine und mit Sicherheitsnetz

Grundsätzlich ist das Trampolinspringen eine nahezu ideale Kindersportart.
Es trägt sehr viel zur Koordination, zur Kräftigung,  zum Körpergefühl von Kindern bei. „Dabei sollten aber unbedingt die wichtigsten Sicherheitsregeln eingehalten werden. Zu aller erst zählt dazu, dass nicht mehrere Kinder auf einem Trampolin gleichzeitig springen sollten“, sagt Jan Bauer.
In 77 Prozent der Unfälle, die eine Verletzung nach sich ziehen, sind zwei oder mehrere Personen am Trampolin.

  • Am meisten gefährdet sind dabei die zwei- bis sechsjährige Kinder. In zwei Drittel der Fälle ist ein zweites Kind, das wesentlich älter und schwerer ist, zum Zeitpunkt des Unfalls auf dem Trampolin. Das heißt, dass das ältere Kind das Trampolin durch das Springen in Bewegung setzt und das kleinere, leichtere Kind unkontrolliert durch die Gegend geschleudert wird.
  • Die Fehleinschätzung der Körperkontrolle und der motorischen Fähigkeiten vor allem jüngeren Kindern bedingen unkontrollierte Stürze am Trampolin.
  • Eine zu lange Sprungdauer, die auf Grund mangelnder Kondition zu einer raschen Ermüdung führt, steigert auch das Verletzungsrisiko.
  • Falsch aufgestellte Trampolinen (harter Untergrund, gefährliche Gegenstände in der Nähe des Trampolins) und fehlende Schutznetze führen zu Abstürzen und meist schweren Verletzungen. 


Fragen an:
 
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Unternehmenskommunikation und Marketing
SALK-Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger
Landesklinik Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43/662/4482-1007
Mobil +43(0)676 89972 1007
m.weinberger@salk.at; presse@salk.at

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v.l.n.r. Prim. Univ.-Prof. Mag. DDr. Anton Wicker, OA Dr. Jan Bauer,  OA Dr. Clemens Hübner v.l.n.r. Prim. Univ.-Prof. Mag. DDr. Anton Wicker, OA Dr. Jan Bauer,  OA Dr. Clemens Hübner OA Dr. Clemens Hübner, Oberarzt, Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie OA Dr. Jan Bauer, interimistischer Leiter  Universitätsklinik für Kinder-  und Jugendchirurgie Prim. Univ.-Prof. Mag. DDr. Anton Wicker, Vorstand Uniklinik für Physikalische Medizin
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