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29. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie
29. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie

29. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Komasaufen, Drogendelikte, Schlägereien: der Ruf der „heutigen Jugend“ ist denkbar schlecht. Eltern resignieren, Therapeuten verzweifeln und die Jugendämter sind überlastet. Das Zusammenleben wird immer schwieriger. Hinzu kommen noch andere Probleme wie Depressionen, Selbstverletzungen, Traumaerfahrungen und vieles mehr. Die medizinischen Möglichkeiten sind in diesen Fällen gering. Als erfolgreich erweist sich jedoch die „Multisystematische Therapie“, die die Familie und das soziale Umfeld mit einbezieht.

Aggressive, impulsive und destruktive Verhaltensweisen gehören zu Entwicklung von Kindern- und Jugendlichen. „Was sich im Laufe der Jahre scheinbar verändert hat, ist die gesellschaftliche Wahrnehmung, die zurzeit besonders sensibel erscheint“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Christian-Doppler-Klinik Universitätsklinikum Salzburg und Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ÖGKJP). Raufereien am Schulhof erreichen rasch die Grenze des allgemein Verträglichen. Manifestieren sich Aggressivität und Dissozialität als Störungsbild, wird das Zusammenleben mit jenen Jugendlichen zu einer negativen Herausforderung. Dieses Störungsbild tritt zumeist in Kombination mit anderen Schwierigkeiten auf, Depression, selbstverletzendes Verhalten, Traumaerfahrung und vieles mehr.

Multisystemische Therapie
In der Behandlung dieser Störungsbilder sind die medizinischen Möglichkeiten sehr gering, die psychotherapeutischen besser, am allerbesten sind jene therapeutische Verfahren, die Familie, die soziale Umwelt, die Therapeuten in einem speziellen therapeutischen Setting mit einbeziehen. Eine Form dieser Therapien, die „Multisystemische Therapie“-  ist in Österreich zur Zeit nur an wenigen Orten vertreten.

Aufholbedarf in Österreich
Dem gegenüber steht das Fachgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie, welches für die medizinische Begleitung dieser Jugendlichen zuständig ist. Allerdings ist die Versorgungssituation dieses Fachgebietes in Österreich noch weit nicht auf internationalem Niveau. Es stehen hier nur 50% der Sollbetten im Akutbettenbereich, es fehlen niedergelassene Fachärzte, es fehlen ausreichende Ambulatorien und Rehabilitationszentren. Es fehlen auch in vielen Bereichen spezifische Therapiezentren für spezielle Störungsbilder, wie z.B. Autismus und mehr.

Heim als Lösung?
Eine Möglichkeit mit diesen Jugendlichen umzugehen ist, sie in Wohngemeinschaften oder Heimen der Jugendwohlfahrt aufzunehmen und dort mit Hilfe der sozialpädagogischen Möglichkeiten in Kombination mit medizinischen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Möglichkeiten entsprechend zu resozialisieren. Dass allerdings auch diese Heimlösung oft nicht die idealste ist, zeigt die Statistik. In über 90 Prozent der untersuchten Heime wurde von psychischer und körperlicher Gewalt berichtet, in 47 Prozent von sexueller Gewalt.

Um die in der Versorgung bestehenden Defizite im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Familie, Schule und Jugendhilfe ändern zu können ergeben sich für die „Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie“ folgende Forderungen, die die Früherkennung dieser Verhaltensweisen zur Folgen haben und somit gleichzeitig zu einer Verbesserung der Lebenssituation der jungen Menschen und deren Umfeld nach sich ziehen sollen.

  1. Ein adäquater Umgang von LehrerInnen, KindergärtnerInnen, SozialpädagogInnen mit impulsiven und temperamentvollen Verhaltensweisen, um hier frühzeitigen Stigmatisierungen vorzubeugen.
  2. Insbesondere ist auch auf aggressive Mädchen früher ein Auge zu richten, denn diese werden häufig übersehen und sollten rechtzeitig in entsprechende therapeutische Settings kommen.
  3. Aufbau ausreichender therapeutischer Möglichkeiten, insbesondere der „Multisystemischen Therapie“
  4. Ausbau der Kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung

Ansprechpartner:
Univ.- Prof. Dr. Ernst Berger
, ehem. Vorstand der Abt. für Kinder- und Jugendpsychiatrie Rosenhügel
Prim. Dr. Katharina-Anna Purtscher-Penz, Primaria der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sigmund Freud Klinikum, Graz  und Präsidentin der Österr. Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Univ.- Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Salzburg, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Tagungspräsident der 29. Jahrestagung der ÖGKJP in Salzburg "Bad of mad ? or...?"


Fragen an:
 
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Unternehmenskommunikation und Marketing
SALK Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger
Landesklinik Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43 (0)5 7255-20012
Mobil: 0043 (0)676 89972 1007
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