zurück
Wintersportstatistik 2010/2011 der Uniklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie sowie der Uniklinik für Kinderchirurgie
Wintersportstatistik 2010/2011 der Uniklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie sowie der Uniklinik für Kinderchirurgie

Wintersportstatistik - Mehr Kinder aber weniger Erwachsene verletzt

Zahl der verunfallten Kinder um fast 100 Prozent gestiegen – Weniger verunfallte Erwachsene

 
SALZBURG. Wenn die Kondition nachlässt, steigt das Risiko für eine Verletzung. Das ist in der Regel um die Mittagszeit und am Ende des Schitags der Fall. Beim letzten Schwung kommt es zum Sturz und schon ist es passiert. Der Schitag endet im Krankenhaus. In der vergangenen Saison 2010/2011 wurden 384 Winter-sportlerInnen an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie versorgt. Im Vergleich zu den Jahren davor, ist das ein Rückgang. Am häufigsten verletzten sich die SportlerInnen beim Schifahren, 59,6 Prozent der Verunfallten waren Männer. Die Behandlung erfolgte in 84,5 Prozent der Fälle ambulant. Von den stationär aufgenommenen PatientInnen wurden 31 Prozent operativ, 16 Prozent konservativ versorgt. Die meisten Verletzten sind, wie schon in den vergangenen Jahren, unter 30 Jahre alt. Jedoch sind es auch in der vergangenen Saison vor allem die über 60-jährigen, die schwerste Verletzungen davon trugen. Wenig erfreulich ist, dass sich die Zahl der verunfallten Kinder gegenüber der Vorsaison beinahe verdoppelt hat. 2009/2010 wurden an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde 39 PatientInnen nach Wintersportunfällen versorgt. In der Saison 2010/2011 waren es 58. Der Anstieg war vor allem bei den SchifahrerInnen enorm. Seit 1993 erhebt die Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie zweimal jährlich die Daten von Winter- und Sommersportverletzten.
 
Für 384 WintersportlerInnen endete der Tag in der vergangenen Saison an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der Salzburger Landeskliniken. „259 davon verletzten sich beim Schifahren. Das sind rund 67,4 Prozent. 71 verunglückten beim Snowboarden, 14 wurden nach einem Eislaufunfall eingeliefert, 22 verletzten sich beim Rodeln und 18 Personen verunfallten beim Langlaufen“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch, Vorstand der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie. Wie schon in den Jahren zuvor passieren die meisten Unfälle (heuer knapp 86 Prozent) auf Schipisten.


Unter-30-Jährige und Männer verunfallen öfter – Knieverletzungen am häufigsten
„44,2 Prozent der Verletzten sind jünger als 30. Der prozentuell höchste Anteil an Schwer- und Schwerstverletzten findet sich allerdings bei den über 60-Jährigen“, sagt Resch. Durchschnittlich waren die Verletzten 40,4 Jahre (Männer) und 41,4 Jahre (Frauen) alt. Männer verunfallen häufiger als Frauen. Am häufigsten sind Knie (24,4 Prozent), Hand beziehungsweise Handgelenk (17,3) und Schulter (15,7) betroffen.

„Die Zahl der übergewichtigen Patientinnen und Patienten hat erfreulicherweise wieder abgenommen“, sagt Dr. Clemens Hübner, Oberarzt an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie. „Unter den verletzen Schifahrerinnen und -fahrern, waren 27,5 Prozent mit einem BMI über 25 übergewichtig. In der Saison 2008/2009 waren es mehr als 40 Prozent. Bei den Snowboarderinnen und -boardern erreichten nur mehr 4,8 Prozent einen BMI von über 25 im Vergleich zu 19,2 Prozent in der Saison 08/09“, so Hübner.

Sowohl beim Schifahren als auch beim Snowboarden führt der „Sturz im Schwung“ die Liste der häufigsten Unfallarten an. An zweiter Stelle kommt bei den SchifahrerInnen der Sturz während des Geradeausfahrens mit 15,2 Prozent, bei den SnowboarderInnen der Sprung (26,7 Prozent).

Ermüdung führt am häufigsten zu Unfällen – größtes Risiko kurz vor Mittag und bei der letzten Abfahrt
Je länger der Sporttag, desto mehr lässt die Kondition und Konzentration nach. Das ist meist um die Mittagszeit beziehungsweise am Abend der Fall. „Die meisten verletzen sich zwischen elf und zwölf beziehungsweise von 15 bis 16 Uhr“, sagt Hübner. Auch die Pistenverhältnisse haben einen großen Einfluss auf die Unfallhäufigkeit. So wurde den SchifahrerInnen in der vergangenen Saison vor allem Pulverschnee und Eis zum Verhängnis. Für SnowboarderInnen sind nach vereisten Schipisten Kunstschnee und Harsch am gefährlichsten.

Zahl der verletzten Kinder nahm stark zu – Erfreulicherweise immer mehr HelmträgerInnen
Im Bundesland Salzburg verletzen sich jährlich rund 1.700 Kinder und Jugendliche beim Schifahren (70 Prozent) und Snowboarden. Die Hälfte der Verunglückten sind zwischen zehn und 14 Jahren alt. Die häufigste Unfallursache ist der Einzelsturz. „Erfreulich ist, dass die Helmtragequote in dieser Altersgruppe bei mehr als 80 Prozent liegt. So haben die schweren Kopfverletzungen bei Schiunfällen von Kindern in den vergangenen Jahren immer mehr abgenommen“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Günther Schimpl, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie der PMU. Dennoch braucht jedes fünfte Kind mehr als sechs Wochen medizinische Betreuung.

Alarmierend ist lauft Schimpl die Zunahme von verunfallten Kindern in der vergangenen Wintersaison. „Es wurden 58 Kinder stationär aufgenommen, die einen Unfall bei der Ausübung einer Wintersportart hatten. Das ist eine Steigerung um beinahe 100 Prozent im Vergleich zur Vorsaison. Im Zeitraum Jänner bis Februar 2011 verzeichneten wir so viele Schiunfälle, wie in der ganzen Wintersaison 09/10.“ Die häufigste Verletzung war ein Schädelhirntrauma bei 24 Kindern, gefolgt von Unterschenkelfrakturen (16 Mal), Unterarmbrüchen (fünf Mal) und Oberschenkelfrakturen (drei Mal).

Grund für die Unfälle ist häufig überschätztes Können und nachlassende Kondition. „Darum ereignen sich auch mehr als 60 Prozent der Verletzungen am Nachmittag“, sagt Schimpl. Kinder sollten darum im Schiurlaub nicht überfordert werden. Längere Pausen und Alternativen zum Schifahren verringern das Unfallrisiko. „Ich empfehle außerdem, dass Kinder erst mit vier oder fünf Jahren Schifahren lernen und bereits da auf die richtig Ausrüstung mit vollwertigen Schier, den richtigen Schuh und einen guten Helm gesetzt wird“, so Schimpl.

Im Vergleich zum Schi- und Snowboardfahren passieren beim Rodeln zwar weniger Unfälle, die Unfallfolgen sind jedoch gravierender. Auch ist in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Unfälle zu erkennen. „Jede zweite Verletzung beim Rodeln ist eine schwere Verletzung. Jede dritte Verletzung betrifft den Kopf und das Gesicht“, erklärt Schimpl. Besonders gefährdet sind Kinder im Vor- und Volkschulalter, da sie ihr Können und Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen können. Die Zehn- bis 14-Jährigen erleiden jedoch aufgrund der rasanteren Fahrt wesentlich schwerere Verletzungen. Nur drei Prozent der Kinder und Jugendlichen tragen beim Rodeln einen Helm. „Viele schwere Verletzungen könnten vermieden werden, wenn auch hier ein Schi- oder Fahrradhelm getragen würde“, so Schimpl.

Helme und Protektoren sowie körperliche Fitness beugen schweren Verletzungen vor
„Verletzungen am Kopf stehen mit 10,7 Prozent an fünfter Stelle bei Wintersportunfällen“, sagt Prim. Univ. Prof. DDr. Anton Wicker, Vorstand der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation. „Es sind in erster Linie Kopfverletzungen, die sehr ernste Konsequenzen haben“, weiß Wicker aus der Praxis. Bei Kindern wird vermehrt auf den Kopfschutz geachtet, bei Erwachsenen fehle dieses Bewusstsein zum Großteil noch. Gerade bei SnowboarderInnen rät Wicker zusätzlich zu Rückenprotektoren und Gelenksschonern. „Verletzungen an den Handgelenken können so leicht verhindert werden“, sagt Wicker.

Das Bewusstsein, den Kopf beim Wintersport mit einem Helm zu schützen, steigt. 61,6 Prozent der verletzen Erwachsenen SchifahrerInnen gaben an, einen Helm getragen zu haben. 6,4 Prozent verwendeten zusätzlich Rückenprotektoren. Bei den SnowboarderInnen trugen 63,4 Prozent Helm oder Rückenprotektor beziehungsweise beides. 7,3 Prozent trugen nur Handgelenksschützer.

Generell gilt: Je besser die körperliche Fitness und die Ausrüstung der WintersportlerInnen, desto weniger Risiko stellen äußere Gegebenheiten wie Pistenverhältnisse dar und desto geringer ist das Verletzungs- und Unfallrisiko. Ein schöner Wintersporttag endet so wesentlich seltener in der Klinik. 

Ansprechpartner:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch  Vorstand Universitätsklinik f. Unfallchirurgie und Sporttraumatologie
OA Dr. Clemens Hübner   Oberarzt, Universitätsklinik f. Unfallchirurgie und Sporttraumatologie
Prim. Univ.-Prof. Dr. Günther Schimpl Vorstand der Universitätsklinik für
Kinder- und Jugendchirurgie der PMU
Prim. Univ.-Prof. DDr. Mag. Anton Wicker Vorstand der Universitätsklinik für
Physikalische Medizin und Rehabilitation

Fragen an:
 
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Unternehmenskommunikation und Marketing
SALK Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger
Landesklinik Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43 (0)5 7255-20012
0676 899 72 1007
m.weinberger@salk.at; presse@salk.at

Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH | Müllner Hauptstraße 48 | A-5020 Salzburg
Telefon: +43 (0)5 7255-0 | Fax: +43 (0)5 7255-20199 | E-Mail: office@salk.at | © 2013-2016
Letzte Änderung: 01.12.2016 Impressum Datenschutz AGB
x schließen