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Pilotprojekt Frauenförderung für Ärztinnen
Pilotprojekt Frauenförderung für Ärztinnen

Anteil der Ärztinnen in den Kliniken

Mit Baby forschen
Pilotprojekt an der Universitätsklinik für Innere Medizin III/Onkologie soll Maßnahmen für Ärztinnen mit Kleinkindern testen, die während der Karenzzeit zu klinischer-, wissenschaftlicher- und Team-Präsenz führen.

Bei der „Vereinbarkeit von Familie & Beruf“ haben es Ärztinnen besonders schwer, weil sie in Karenzzeiten die Kontinuität wissenschaftlicher Präsenz und ihre Präsenz in Forschung, Ausbildung, Lehre- und im Team verlieren. Landesrätin Cornelia Schmidjell bringt es auf den Punkt: „Frauen und im Speziellen Ärztinnen können nicht, wenn sie durch Mutterschaft Karenzzeiten in Anspruch nehmen, mit der Dynamik der Entwicklung eines hoch professionalisierten, leistungsorientieren Geschehens in der Medizin mithalten, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die durchschnittliche Berufsunterbrechung bei Frauen beträgt 2,9 Jahre. Wir dürfen hochqualifizierte Fachärztinnen in dieser Zeit nicht „verlieren“. Es müssen daher alle Anstrengungen unternommen werden, Ärztinnen mit Spezialausbildung oder in Spezialausbildung begriffene Ärztinnen im Betrieb zu halten. Zudem muss die berufliche Attraktivität für Frauen und damit deren wissenschaftliche und klinische Karrieremöglichkeit stringent gefördert werden. Damit schaffen wir einen mehrfachen Nutzen: Frauenförderung, betriebliche Vorteile und vor allem die Sicherung der spitzenmedizinischen Versorgung für die Zukunft.“

Ärztemangel europaweit spürbar
Onkologische Erkrankungen werden immer häufiger – dafür benötigt man mehr onkologische Experten. Das Fach „Onkologie“ wird immer ausbildungsintensiver und immer mehr Frauen drängen in dieses Fach. Der gleichzeitige europaweit spürbare Ärztemangel drängt förmlich dazu, dass einmal „gewonnene“ und gut ausgebildete Onkologinnen und Hämatologinnen dann im Falle von Elternzeit/Karenzzeit nicht „verloren“ gehen dürfen. An der Universitätsklinik für Innere Medizin III/Onkologie im Salzburger Universitätsklinikum bemüht man sich nun auch während der Karenzzeit um die über viele Jahre ausgebildeten Onkologen und Hämatologinnen und versucht sie so an der Klinik zu „halten“ und deren wissenschaftliche und klinische Karrieremöglichkeit zu fördern.

Onkologie wird „weiblich“
An der Universitätsklinik für Innere Medizin III/Onkologie arbeiten insgesamt 29 AssistenzärztInne und FachärztInnen (absolut). 62% sind weiblich (18 Ärztinnen), 2/3 der Habilitierten sind Frauen. Die Zahlen sprechen für sich – der Frauenanteil unter den Onkologen steigt, dies kann man auch weltweit beobachten. Und das zeichnet sich bereits bei der Ärzteausbildung ab. Das Fach „Onkologie“ zieht schon zu Beginn der Ärzteausbildung viele Ärztinnen an.

14 Jahre Ausbildung ist Minimum
Zuerst 6 Jahre Medizinstudium, danach 6 Jahre Facharztausbildung zur Internistin darunter 1 Jahr Onkologie und zusätzlich noch zwei weitere Jahre Onkologie und Hämatologie – erst dann ist man fertige Onkologin und Hämatologin bzw. Onkologe und Hämatologe. Durch die raschen wissenschaftlichen und klinischen Forschungsfortschritte in der Onkologie und Hämatologie wird in Kürze nun die Spezialausbildung wird weiter angehoben werden. Dabei ist die Ausbildungszeit für Onkologinnen schon jetzt sehr intensiv. Die in die Ausbildung hervorragend ausgebildeter Onkologinnen und Hämatologinnen gesetzten Investitionen entsprechen daher extrem hohen Ressourcen an Aus- und Fortbildung sowie damit erzielter Erfahrung und Kompetenz.

Forschen mit Baby
Univ.-Prof. Dr. Richard Greil betont: „Es gibt in meiner Universitätsklinik dringenden Handlungsbedarf gut ausgebildete Ärztinnen auch während der Karenzzeit wissenschaftlich und klinisch zu fördern. In dieser Zeit sollen die Ärztinnen weiterhin wissenschaftlich und klinisch arbeiten können, ihr nationale und internationales Standing erhalten und auch über eLearning in der Aus- und Weiterbildung gefördert werden.“ Dafür wurden nun zwei halbe SekundarärztInnenstellen ausgeschrieben, die die Fluktuationszeiten ausgleichen. Damit wurde gleichzeitig das Pilotprojekt „Frauenförderung an der UK f. Innere Medizin III/Onkologie“ gestartet, um eine wissenschaftsspezifische Frauenförderung zu realisieren. Begleitend werden die Auswirkungen dieser Maßnahmen im Hinblick auf Lebenszufriedenheit, Stress, Burn-out Symptomatik und Fluktuation einerseits der Karenz gehenden Ärztinnen, als auch der zurückbleibenden Teams (Ärzte&Pflege) und andererseits die Patientenzufriedenheit evaluiert.

Karenzierung in Zeiten des Ärztemangels
Karenzierungen aus familiären und anderen Gründen führen in der Realität zu sehr starken Schwankungen der tatsächlich vor Ort vorhandenen ärztlichen Mitarbeiterinnen. Generell nimmt die Anzahl der Bewerber/pro Stelle bei der Inneren Medizin ab. Derzeit stehen nur 2 BewerberInnen pro 5 Stellen gegenüber. Und das obwohl die UK f. Medizin III/Onkologie in Salzburg ausgezeichnete nationale und internationale Referenzen in Hinblick auf die Breite der Ausbildung, deren Entwicklungsmöglichkeiten und Wissenschaftsaktivitäten vorweisen kann. Personalchefin Mag. Waltraud Weissengruber erklärt: „Die Ausschreibung von Karenzstellen, die Nichtvorhersagbarkeit der Dauer und des mittel- bis langfristigen Ausmaßes der Karenzierung führen dazu, dass Karenzarztstellen besonders in einer Zeit zunehmenden Ärztemangels, praktisch nicht besetzbar sind. In dieser Zeit muss oftmals die gesamte Arbeitslast inklusive der Nachtdienste vom übrigen Team übernommen werden. Der Leistungsdruck und die Gefahr von Überlastung steigen dann natürlich auch.“

Zwei Sekundararztstellen schaffen Abhilfe
Als erster Lösungsansatz werden innerhalb des Pilotprojekts „Frauenförderung für Ärztinnen“ in den SALK zwei halbe SekundarärztInnenstellen zum bestehenden Team besetzt. Auf diese Weise können Schwankungen der Besetzungen aus Lebenszeitkarenzgründen reduziert werden bzw. aufgehoben werden. Außerdem besteht das Angebot gezielter Präsenzverstärkung von Ärztinnen in der Karenzzeit z.B. im Sinne der Förderung von Kongressvorträgen, Betreuung junger wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen, Telelearning mit Anerkennung der wissenschaftlichen und medizinischen Fortbildungen durch die Ärztekammer.

Problem in der ÄK-Ordnung der Ausbildung
Die Zeitverzögerung in der Ausbildung führt zu Verschiebung der Ausbildungsmöglichkeiten für junge Mitarbeiter auf Grund der 1:1 Regelung zwischen Fachärzten und Assistenzärzten und damit bei jungen Mitarbeiterinnen zur Unmöglichkeit diese auf Ausbildungsstellen zu setzen, bzw. die Facharztausbildung zu vollenden und damit zur weiteren Ausbildung junger Mitarbeiter beizutragen. Die Frauenreferentin der Ärztekammer Salzburg, Dr. Christine Haider betont dazu: „ Hier müssen wir dringend etwas am Ausbildungsrecht verändern. Die bisherige Regelung benachteiligt klar Ärztinnen gegenüber deren männlichen Kollegen in ihre Ausbildungszeit. Diese Verlangsamung der Ausbildung im Rahmen von Teilzeitkarenz verringert das Nachwachsen von OberärztInnen und FachärztInnen und damit die Möglichkeit, das ohnedies schon spärliche Nachwuchspotenzial auszuschöpfen.“

Umsetzung des SALK Frauenförderplans
Mag. Romana Rotschopf, Gleichbehandlungs- und Frauenbeauftragte des Landes betont die Ziele des Frauenförderplans in den SALK: „Die SALK hat bereits 56,3% Frauen in leitenden Positionen wie in der Pflege, bei MTDs und in den Schlüsselpositionen in der Verwaltung. Mit der Geschäftsführung wurden bis 2013 konkrete Ziele und Maßnahmen vereinbart, um gerade den Frauenanteil bei den medizinischen Führungspositionen mit 45% sicher zu stellen. Bei Ärztinnen brauchen wir verstärkte Maßnahmen, besonders im Bereich Nachwuchskräfteförderung und im Karrierecoaching. Vor allem bei Ausschreibungen müssen explizit Frauen zur Bewerbung aufgefordert werden. Genau diese Erfahrung zeigte kürzlich, dass es nicht immer reicht, wenn sich qualifizierte Frauen bewerben. Für den Erfolg braucht es auch eine Veränderung in der Unternehmenskultur. Und das beginnt bei den Führungskräften, wie z.B. mit diesem Projekt.“

Malcolm Gladwell hat in seinem Buch „Tipping Point – Wie kleine Dinge Großes bewirken können“ gezeigt, dass es oft einer kritischen Masse bedarf, damit Veränderungen Schwung bekommen. Gladwell zeigt, dass Menschen in ihrem Handeln sehr stark von den Umgebungsbedingungen der jeweiligen Situation beeinflusst werden. Eine verbindliche Frauenquote für Unternehmen ab einer gewissen Größe würde vielleicht diese Reaktionen nach sich ziehen. 33% wären nach Gladwell so ein Schwellwert.

Maßnahmen für Frauenförderung in den SALK
Personalchefin Mag. Waltraud Weissengruber zeigt auf, welche Maßnahmen die SALK für die Frauenförderung in den Salzburger Landeskliniken bereits realisiert hat:

  • Frauenanteil in leitenden Positionen in den SALK ist 56,3%.
  • Bei Ausschreibungen von Führungspositionen werden gezielt und proaktiv Frauen aufgefordert sich zu bewerben (seit 2011: 2 Primarärztinnen).
  • SALK hat 41 Expertinnen für Gleichbehandlungsfragen bestellt.
  • 1.404 Teilzeitbeschäftigte, davon knapp 93% Frauen – Ausarbeitung flexibler Arbeitszeitmodelle.
  • Angebot von 185 kostengünstigen arbeitszeitangepassten Kinderbetreuungsplätzen in der Krabbelstube, Kindergarten und Hort (Öffnungszeiten: 6:00-19:00 Uhr /         zu 73,-Euro/Monat OHNE Ferien/Ganzjährig).
  • Babysitterbörse wurde ins Leben gerufen (Schülerinnen BIZ stellen sich privat zur Verfügung).
  • Einrichtung des „GREMIUMS FÜR FRAUENFRAGEN“ an der SALK.
  • „CHANCENGLEICHHEIT“ wurde explizit in den Unternehmensgrundsätzen verankert.

Familienfreundliche Personalpolitik
Familienfreundlichkeit und Mitarbeiterorientierung sind in vielen Großbetrieben auch heute noch Fremdworte – anders in den SALK-Salzburger Landesklinken. Mit der Zertifizierung des Bundesministeriums für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz wurde die SALK schon 2007 als „Familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet
In den SALK gibt es viele familienfreundliche Maßnahmen, die in vielen anderen Betrieben noch lange nicht selbstverständlich sind – wie etwa die Betriebskindergärten in der Christian-Doppler-Klinik und im Landeskrankenhaus mit 188 Betreuungsplätze für Kinder von 1-10 Jahren oder die vielen Teilzeitmodelle für Eltern
Auch in den Bereichen Arbeitszeiten, Arbeitseinsatzplanung, Arbeitsinhalte und –abläufe gibt es viele Maßnahmen die familienfreundlich gestaltet sind. Im Zuge der Personalentwicklung wird ganz spezifisch auf die Bedürfnisse jener eingegangen, die Familie und Beruf möglichst optimal miteinander verbinden müssen oder wollen. Es gibt zahlreiche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten auch für Teilzeitkräfte. Im nächsten Schritt werden Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Familienfreundlichkeit festgelegt.

Die Abteilungskennzahlen der UK f. Innere Medizin III/Onkologie (2009/2010)

Die Abteilungskennzahlen der UK f. Innere Medizin III/Onkologie (2009/2010)  

Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:

Mag. Cornelia Schmidjell  Landesrätin für Gesundheit und Soziales
Mag. Romana Rotschopf  Gleichbehandlungs- und Frauenbeauftragte des Landes
Mag. Waltraud Weissengruber Leiterin Servicebereich Personal & Recht
Dr. Christine Haider   Frauenreferentin ÄK Salzburg
Univ.-Prof. Dr. Richard Greil  UK für Innere Medizin III/Onkologie

Bildrechte SALK/Wild&Team; Abdruck honorarfrei




Rückfragen an: 
Mag. Mick Weinberger
Leiterin PR und Klinikmarketing, Pressesprecherin
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