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Neurotrauma

Patienten nach einem Neurotrauma bedürfen häufig einer intensivmedizinischen Behandlung. Die Verletzung kann den Schädel mit Gehirn, die Wirbelsäule mit Rückenmark oder beides betreffen

Schädelhirntrauma (SHT):
Die Häufigkeit des SHT ist mit 200 auf 100.000 in der Bevölkerung gegeben. Es stellt die häufigste Todesursache von Kindern und Erwachsenen bis 45 Jahren dar und ist auch der häufigste Grund             für dauerhafte Invalidität. 30 bis 60% der Patienten haben zusätzliche Begleitverletzungen und etwa 35 % überleben nicht. Für die Prognose sind neben der Verletzungsschwere das Alter, der Komagrad/-dauer und Begleiterkrankungen entscheidend.
Es werden Brüche von Blutungen, Hirnschwellungen und Scherverletzungen des Gehirns unterschieden, weiters, je nach Intaktheit der harten Hirnhaut (Dura), offene von geschlossenen Traumen.
Nach einer eventuellen neurochirurgischen Versorgung (s.u.) findet auf der neurochirurgischen Intensivstation eine exakte apparative Überwachung der Vitalparameter und eine engmaschige klinische Kontrolle statt. Im Vordergrund steht hierbei eine optimale Sauerstoffversorgung und Durchblutung des Hirns. Gegebenenfalls ist eine Intubation, mechanische Beatmung und Kreislaufstabilisierung nötig. In diesem Fall wird der Patient in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Anhand einer kontinuierlichen Hirndruckmessung werden die weitere Kreislaufstabilisierung, Elektrolytsubstitution, Beatmung und Sedierungstiefe moduliert.

Neben einer routinemäßigen bildgebenden Verlaufskontrolle greifen wir im Bedarfsfall auf alle zur Verfügung stehenden Untersuchungstechniken zu. In diesem Zusammenhang scheint erwähnenswert, dass selbstverständlich alle Fachdisziplinen nach Bedarf konsiliarisch in die Behandlung mit eingeschlossen werden können.
Erforderliche Operationen werden jederzeit durchgeführt. Typische Eingriffe sind das Einbringen von Drainagen, offenes Entleeren von Blutungen und Entlastungscraniotomien, wo durch das Entfernen des Knochendeckels Platz zur Hirnentfaltung geschaffen wird. Knochenbrüche mit Duraverletzung werden meist primär versorgt.
Schädelbrüche werden in Kalotten- (Konvexität) oder Basisbrüche eingeteilt. Bekannte Komplikationen sind Infektionen vor allem offener Brüche, epileptische Anfälle, Hirnnervenschädigungen und Fistelbildung durch austretendes Hirnwasser.
Traumatische Blutungen werden nach ihrer Lokalisation unterschieden in Epidural-, Subdural- und Intracerebralblutung.

Epiduralblutung:
Sie liegt dem Namen entsprechend auf der harten Hirnhaut direkt unter dem Knochen und betrifft   1-3 % aller Schädelhirntraumen. Eine direkte Hirnschädigung liegt nicht vor, allerdings entstehen neurologische Defizite durch eine raumfordernde Wirkung ab einer Dicke von 5mm. In 85 % ist die Blutungsquelle arteriell, in 10 % der Fälle blutet es aus den Spalten der Schädelfraktur. Selten sind venöse Blutungen. Bei rechtzeitiger operativer Versorgung ist die Prognose gut.




Zeichnerische Darstellung eines Epiduralhämatoms
(aus F.H.Netter, The Ciba Collection, Colorpress, New York)

          
Subduralhämatom:
Diese Blutung liegt zwischen der harten und den weichen Hirnhäuten. Ein akuter Verlauf wird von einem chronischen unterschieden. Die akute Form kommt in 10 % der Schädelhirntraumen vor. Als Blutungsquelle gelten eingerissene Brückenvenen oder kortikale Gefäße. Meist bestehen auch Begleitverletzungen des Hirngewebes, sodass die Prognose nicht immer günstig ist. Das chronische Subduralhämatom ist unter anderem als Folge einer meist Bagatellverletzung zu sehen und soll bloß der Vollständigkeit halber hier erwähnt werden.
Kontusionsblutung / Intracerebralhämatom:
Sind Blutungen aus Prellungsherden im Hirngewebe meist hirnrindennah. Prädilektionsstellen sind das Stirn- und Schläfenhirn. Die Klinik ist von der Lage und Größe abhängig. Operative Strategien richten sich auf die Reduktion einer raumfordernden Wirkung durch Hämatomausräumung oder Entlastungscraniotomie. Die Prognose ist vom Verletzungsausmaß abhängig, da nur eine Defektheilung möglich ist.
Spinales Trauma:
Knöcherne Verletzungen der Wirbelsäule mit oder ohne Beeinträchtigung der Stabilität müssen von Rückenmarks- oder Nervenwurzelverletzungen unterschieden werden. Die nervale Schädigung ist irreparabel, da keine Regenerationsmöglichkeit besteht. Die operativen Möglichkeiten bestehen in Entleerungen von Blutungen, Stabilisierungs- und Entlastungsmaßnahmen und Bergung von Knochenfragmenten.

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