Die intraoperative Radiotherapie (IORT) ist die direkte Bestrahlung eines Tumors während der Operation. Bisher wurden über 1600 Patientinnen und Patienten in der Salzburger Universitätsklinik für Radiotherapie und Radioonkologie unter der Leitung von Univ.-Prof. Felix Sedlmayer intraoperativ bestrahlt – damit verfügt man in der Salzburger Radiotherapie und Radioonkologie weltweit über die meiste Erfahrung. Morgen startet anlässlich der 10-jährigen Anwendung des IORT Programms ein wissenschaftliches Symposium mit internationalen Experten. Einem Fachpublikum werden bisherige klinische Erfahrungen am Beispiel des Mammakarzinomes und der HNO-Tumore präsentiert. Drei der international wichtigsten IORT Experten Filipe Calvo, Vincenzo Valentini und Frederik Wenz werden über Strahlenbiologie und den klinischen Einsatzgebietenten der IORT berichten.
Primar Univ.-Prof. Dr. Felix Sedlmayer
Vorstand Universitätsklinik für Radiotherapie und Radioonkologie
Univ.-Prof. Dr. Heinrich Magometschnigg
Ärztlicher Direktor Landeskrankenhaus – Universitätsklinikum Salzburg
Besichtigung des IORT-Operationssaals mit:
Primar Univ.-Prof. Dr. Christian Menzel
Vorstand Universitätsklinik für Spezielle Gynäkologie – Brustzentrum Salzburg
SALZBURG. Die intraoperative Radiotherapie (IORT) ist die direkte Bestrahlung eines Tumors durch einen Linearbeschleuniger (LINAC) während der Operation. Bisher wurden über 1600 Patientinnen und Patienten unter der Leitung von Univ.-Prof. Felix Sedlmayer intraoperativ bestrahlt – damit verfügt man in der Salzburger Radiotherapie und Radioonkologie weltweit über die meiste Erfahrung. Bei der Operation des Mammakarzinomes wird mit Hilfe eines Linearbeschleunigers das chirurgisch freigelegte Tumorbett mit einer hohen Einzeldosis bestrahlt. Dies führt einerseits zu geringeren Spätreaktionen und andererseits zu einer sehr hohen Tumorkontrollrate.
In Salzburg liegt die Lokalrezidivrate bei Mammakarzinomen u.a. durch den Einsatz dieses Verfahrens bei unter einem Prozent. Am Salzburger Universitätsklinikum wird dieses Verfahren seit 10 Jahren in bewährter interdisziplinäre Zusammenarbeit mit fünf chirurgisch Universitätskliniken erfolgreich eingesetzt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 224 Patienten und Patientinnen mit IORT behandelt. Daneben zählt die Behandlung von Tumoren im HNO-Bereich zu den häufigsten Einsatzmöglichkeiten, weiters die IORT des Rektum-, Magen- und Pangreaskarzinomes und der Weichteilsarkome. Die UK für Radiotherapie und Radio-Onkologie stellt die strahlentherapeutische Versorgung von Tumorpatienten im Bundesland Salzburg und der angrenzenden Regionen sicher. Das aktuelle Einzugsgebiet umfasst rund 800.000 Einwohner.
10 Jahre IORT in Salzburg
Univ.-Prof. Sedlmayer hat anlässlich der 10-jährigen Anwendung des IORT Programms ein wissenschaftliches Symposium konzipiert. Einem Fachpublikum werden bisherige klinische Erfahrungen am Beispiel des Mammakarzinomes und der HNO-Tumore präsentiert. Drei der international wichtigsten IORT Experten Filipe Calvo, Vincenzo Valentini und Frederik Wenz werden über Strahlenbiologie und den klinischen Einsatzgebietenten der IORT berichten.
IORT mit Elektronen
Bei Tumoroperationen gelingt zwar meistens die Entfernung der sichtbaren Geschwulst, häufig bleiben jedoch mikroskopische Tumorreste im Gewebe zurück (im so genannten Tumorbett). Während eines tumorchirurgischen Eingriffs können diese Areale präzise dargestellt und einmalig mit einer hohen Dosis bestrahlt werden. Univ.-Prof. Dr. Felix Sedlmayer, Vorstand der Universitätsklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität erklärt das Verfahren: „Bei jedem brusterhaltenden Vorgehen muss im Anschluss an die konservative Chirurgie eine Bestrahlung von außen (externe Radiotherapie oder Teletherapie) mit Bestrahlungsdosen um die 50 Gy durchgeführt werden.“ In den meisten strahlentherapeutischen Institutionen wird darüber hinaus ein so genannter „Boost“ verabreicht, der eine kleinvolumige Ergänzungsbestrahlung des Tumorbettes darstellt. Die IORT mit Elektronen als vorweggenommener Boost vor der Ganzbrustbestrahlung wurde bereits 1998 in Salzburg in die therapeutische Routine eines Brustzentrums integriert und in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit der UK für Spezielle Gynäkologie (Vorstand: Univ.-Prof. Dr. Christian Menzel) als Boostmethode der Wahl etabliert. Dabei kommt ein Linearbeschleuniger (Linac) in einem speziell ausgerüsteten Operationsraum, dem so genannten dedicated unit, zum Einsatz .
Weltweit führend
Bislang wurden in Salzburg über 1600 Patientinnen mit dieser Methode behandelt, was das weltweit größte Einzelkollektiv darstellt. Deshalb wurde die UK für Radiotherapie in Salzburg mit der Durchführung einer gepoolten europaweiten Analyse der Langzeitergebnisse solcherart behandelter Patientinnen betraut. Die Ergebnisse sprechen für sich: „Innerhalb der ersten 6 Jahre konnten wir hier in Salzburg eine lokale Tumorkontrolle von 99,4 % erreichen.“ erklärt Prof. Sedlmayer. „Damit hat sich die intraoperative Radiotherapie mit Elektronen gegenüber allen anderen Methoden als überlegen dargestellt“, betont Prof. Sedlmayer.
Hohe Tumorkontrollrate und geringe Spätreaktionen
In Ergänzung zur modernen Teletherapie ist die IORT damit eine ideale Methode zur lokalen Dosissteigerung, die gleichermaßen zu höheren lokalen Tumorkontrollraten beiträgt als auch zu geringeren Spätreaktionen am Normalgewebe führt. Die technische Durchführung erfolgt an einem Linearbeschleuniger mittels Elektronen. An den meisten Zentren ist diese Methode durch den aufwändigen Patiententransfer vom Operationssaal in den Bestrahlungsraum kaum durchführbar geblieben. An der UK für Radiotherapie und Radioonkologie in Salzburg ist dieses Problem dahingehend gelöst worden, daß die IORT in einem speziell ausgerüsteten Operationsraum stattfinden kann (sogenannte dedicated unit), wodurch sich die Dauer der Operation nur unwesentlich verlängert.
Früherkennung und intensive lokale Therapie
Ohne lokale Tumorkontrolle kann keine definitive Heilung gelingen. Der wesentlichste Schlüssel zur Heilung von Mammakarzinomen bleibt die Früherkennung und die intensivierte lokale Therapie bei möglichst kleinen Tumoren. Die strahlenbiologische Forschung der letzten Jahre hat klar gezeigt, dass Mammakarzinome – anders als viele andere Tumoren – in erhöhtem Maße empfindlich auf hohe Einzeldosen sind. Das erklärt zum guten Teil die erstaunlich hohen Tumorkontrollraten nach intraoperativer Radiotherapie des Tumorbetts.
Pionierstätte Salzburg
Salzburg kann in dieser Therapie als Pionierstätte bezeichnet werden – bereits 1998 wurde das Prinzip der direkten Bestrahlung des Tumorbetts beim Mammakarzinom in der Routine aufgegriffen - noch vor dem EIO Mailand, dem in der Therapie von Brusttumoren international wohl renommiertestem Zentrum, in dem mittlerweile ebenfalls in großem Umfang Studien zur IORT des Mammakarzinomes durchgeführt werden. Nach Salzburger Vorbild sind aktuell in Europa über 30 Institutionen in der intraoperativen Bestrahlung des Mammakarzinoms tätig. Mit 6 dieser Institutionen aus Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich wurde eine gemeinsame „gepoolte“ Analyse der Behandlungsergebnisse nach intraoperativer und nachfolgender Ganzbrust-bestrahlung erfasst:
Auf dem richtigen Weg
Über 1.200 Patientinnen mit einer über 5jährigen Nachbeobachtungszeit werden in dieser Analyse nachverfolgt. Prof. Sedlmayer schildert die Ergebnisse: „Dabei zeigt sich, dass nach über 5 Jahren das Lokalrezidivrisiko, also das Risiko in der behandelten Brust wieder einen Tumor zu bekommen, lediglich bei 1,2% liegt – die international ‚üblichen’ Raten liegen bei rund 5%. Sämtliche anderen Institutionen, die IORT betreiben, konnten die Salzburger Erfahrungen mittlerweile ebenfalls nachvollziehen – ein mächtiger Beweis für die Richtigkeit des Wirkprinzipes!“ Diese Daten wurden mittlerweile mehrfach in internationalen medizinischen Top-Journale publiziert, die neueste Auswertung wird anlässlich dieses symposiums von Dr. Gerd Fastner präsentiert werden.
Der aktuellen Stellenwert Salzburgs in der internationalen Gesellschaft für intraoperative Radiotherapie (ISIORT) kann man auch an dem Umstand ermessen, dass der Vorstand der UK für Radiotherapie und Radio-Onkologie Felix Sedlmayer zum Präsidenten der ISIORT Europa gewählt wurde.
Programmübersicht des Salzburger IORT Symposiums
Zur Feier des 10-jährigen Jahrestages der Etablierung der IORT in Salzburg wurde von Univ.-Prof. Dr. Felix Sedlmayer ein wissenschaftliches Symposium konzipiert, bei dem die bisherigen klinischen Erfahrungen einem Fachpublikum primär am Bespiel des Mammakarzinomes, aber auch der HNO-Tumoren präsentiert wird. Darüber hinaus werden mittels Live-OP-Übertragung eine IORT am Beispiel des Mammakarzinomes mitzuverfolgen sein (Operateur: Univ.-Prof. Dr. Christian Menzel).
Zusätzlich konnten weltweit anerkannte IORT-Experten für Grundsatzreferate über die Strahlenbiologie sowie weitere klinischen Einsatzgebiete der IORT gewonnen werden:
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Mag. Mick Weinberger
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ELTERNSCHULE - des Salzburger Universitätsklinikums
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