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Geburt im Herz-OP
Geburt im Herz-OP

Medizinische Spitzenleistung am LKH Salzburg

SALZBURG. Am Ende einer völlig unauffälligen ersten Schwangerschaft (40. SSW) verspürte eine 28-jährige Salzburgerin, einen Tag vor dem errechneten Geburtstermin, einen plötzlichen Schmerz im Brust- und Halsbereich verbunden mit deutlichem Unwohlsein. Sie informiert ihre Hebamme Martina Heindl, die ihr riet zur Kontrolle ins Diakonissen-Krankenhaus Salzburg zu fahren. Der dortige  Kardiologe Dr. Bernhard Graf stellte eine massiv erweiterte Hauptschlagader und einen lebensbedrohlichen Einriss der Gefäßinnenhaut fest. In einer Notoperation  eines interdisziplinären Teams der Universitätsklinik für Herzchirurgie des LKH Salzburg konnten Mutter und Kind gerettet werden. Herzchirurgievorstand Univ.-Prof. Dr. Felix Unger erklärt: „Schon unter ‚normalen’ Umständen handelt es sich hierbei um ein schweres Krankheitsbild mit hoher Sterblichkeit. Eine zusätzliche Schwangerschaft in diesem Stadium gefährdet Mutter und Kind noch mehr. Die Leistung des Teams ist herausragend und mir ist aus meiner langjährigen Erfahrung noch kein derartiger Fall mit positivem Ausgang bekannt. Hier zeigt sich erneut, dass Salzburg als Universitätsklinikum hervorragende Arbeit leistet!“

Geburt im Herz-OP

Beim Abhören der Schwangeren nahm der Internist Dr. Bernhard Graf vom Diakonissen-Krankenhaus Salzburg ein ungewöhnliches Geräusch über dem Herzen wahr. Bei der anschließenden Ultraschalluntersuchung zeigte sich das Ausmaß des Problems: Neben der akuten Dissektion der Hauptschlagader (Aorta) vermute der Kardiologe einen angeborenen und bisher unentdeckten Herzklappenfehler.
Unverzüglich wurde die Patientin mit dem Notarzt ins LKH Salzburg auf die kardiologische Intensivstation verlegt. Dort erwartete sie bereits ein interdisziplinäres Team aus Kardiologen, Herzchirurgen, Gynäkologen, Hebammen, Kinder- und Neugeborenenärzte sowie Anästhesisten, Schwestern und Pflegern. Nach Sicherung der Diagnose wurde im herzchirurgischen Operationssaal unter der Leitung des 51-jährigen Herzchirurgen OA Dr. Matthias Overbeck mit dem Kaiserschnitt und der Herzoperation begonnen, da sich mit jeder Minute das Risiko, dass die Herzschlagader platzt, stieg. In diesem Fall wäre eine Rettung sowohl der Mutter als auch des Kindes nur unter schwierigsten Umständen möglich.

Unter sorgfältigster Blutdruck- und Herzechokontrolle der Mutter sowie CTG-Überwachung des Kindes wurden zu Beginn die Schläuche für die Herz-Lungen-Maschiene in der Leiste angeschlossen. „Dabei handelt es sich um eine wichtige Absicherung der Mutter. Die Maschine kann im Notfall sofort die Funktionen des Kreislaufs übernehmen“, erklärt OA Overbeck. Erst dann wurde die Patientin von Dr. Armande Kinn in Narkose versetzt, damit das Kind wenig belastet wird. Innerhalb von acht Minuten brachte der gynäkologische Oberarzt Dr. Tobias Jäger ein gesundes, 3480 Gramm schweres Mädchen zur Welt. Die anwesenden Kinderärzte und Schwestern versorgten das Kind.

OA Dr. Overbeck und Assistentin Dr. Michaela Resetar ersetzten nach dem Kaiserschnitt in einer vierstündigen Operation die Aortenklappe und die zerstörte Hauptschlagader durch eine biologische Klappe und eine Kunststoffprothese. Um 1:30 Uhr wurde die Patientin stabil auf die anästhesiologische Intensivstation verlegt. Am Morgen des Nationalfeiertags wachte sie um 11:00 Uhr aus der Narkose auf. Knapp 24 Stunden nach dem Brunch konnte sie ihre völlig gesunde Tochter in die Arme schließen.


Medizinische Hintergrundinformation:
Herzchirurg OA Dr. Matthias Overbeck erklärt den medizinischen Sachverhalt: Als Aortendissektion beziehungsweise Aneurysma dissecans aortae wird in der Medizin eine Aufspaltung der Wandschichten der Hauptschlagader (Aorta), meist verursacht durch einen Einriss der inneren Gefäßwand (Tunica intima) mit nachfolgender Einblutung zwischen die Schichten, bezeichnet. Sie verursacht in aller Regel plötzliche, heftige Schmerzen und ist unmittelbar lebensbedrohlich, weil sie zu einem Aufplatzen der Hauptschlagader (Aortenruptur) und zu akuten Durchblutungsstörungen verschiedener Organe führen kann. Während sie noch vor 30 Jahren meist tödlich endete, hat heute die Mehrzahl der Betroffenen bessere Überlebenschancen. Dies ist hauptsächlich auf eine möglichst rasch eingeleitete Operation in der Herzchirurgie zurückzuführen. Dem Erkennen und unverzüglicher Diagnostik kommt deshalb bei dieser Krankheit die entscheidende Bedeutung zu.

Die Kombination einer Schwangerschaft mit einer Typ A Aortendissektion ist sehr selten. Es gibt nur eine sehr geringe Anzahl (ca. 5-10 Fälle) von medizinischen Berichten in der Weltliteratur über eine erfolgreiche Behandlung von Mutter und Kind. Erfolgsentscheidend ist neben dem Alter der Mutter und des Kindes die professionelle interdisziplinäre Zusammenarbeit und Verfügbarkeit von sehr erfahrenen Spezialisten der beteiligten Fachgebiete. Besonders hervorzuheben ist in diesem Fall, dass der erstbehandelnde Arzt die richtige Diagnose stellte, denn insbesondere Schwangere können viele Besonderheiten aufweisen, sodass die angegebenen Beschwerden häufig missgedeutet werden können. Die Sterblichkeit in der Literatur beträgt rund 50 bis 60 Prozent und steigt mit jeder Stunde des Zuwartens mit Beginn der Beschwerden um zwei Prozent.

Nur durch die rasche Erstbehandlung der Hebamme und des Kardiologen sowie die nachfolgend perfekt ineinandergreifende rasche Teamarbeit der Krankenhausärzte und der übrigen Mitarbeiter der SALK konnten in diesem Fall zwei Menschenleben gerettet werden. Allen Mitarbeitern ist für ihren Einsatz und ihre Professionalität zu danken.

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Mag. Mick Weinberger
Leiterin PR und Klinikmarketing, Pressesprecherin
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