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 „Zurück ins Leben“ – INTERREG-Projekt zur Hilfe bei Sucht im Alter
 „Zurück ins Leben“ – INTERREG-Projekt zur Hilfe bei Sucht im Alter

„Zurück ins Leben“ – INTERREG-Projekt zur Hilfe bei Sucht im Alter

SALZBURG, BAYERN. Die Suchtproblematik wird bei älteren Menschen tabuisiert und kaum thematisiert. Bei Menschen über 60 Jahren ist die Gefahr einer Suchterkrankung sehr hoch. Die demografische Entwicklung der Gesellschaft sowie der über dem Durchschnitt liegende Anteil der über 60-jährigen in der Stadt Salzburg und in den benachbarten Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land weisen deutlich auf die Tragweite der Thematik hin. Auch fehlen bislang spezielle therapeutische Angebote in der österreichischen und deutschen Suchtkrankenhilfe. Dieser Informationsbedarf bildet die Grundlage des EuRegio-Forschungsprojektes „Sucht und Alter“. Ziel des von der EU über INTERREG IV A geförderten Projektes ist die Erarbeitung und Umsetzung eines standardisierten Handbuches sowie die Erstellung überregionaler Schulungen in Form von Seminaren für Pflegekräfte und Ärzte.
Insgesamt 442.406.- Euro werden zur Projektfinanzierung zur Verfügung gestellt. Davon werden 60% vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung und 40% regional von Salzburg und Bayern finanziert. Die SALK beteiligt sich mit 123.976 Euro Eigenmittel an den Projektkosten. Das Projekt ist für drei Jahre konzipiert, wobei nach Beendigung keinerlei Folgekosten entstehen.

Geringe Thematisierung von Sucht im Alter
Bei älteren Menschen wird das Thema Sucht, im Gegensatz zu Jugendlichen und Erwachsenen im mittleren Lebensalter, kaum thematisiert. Gerade durch die demografische Entwicklung, in der der Anteil älterer Menschen in der Gesamtbevölkerung kontinuierlich ansteigt, wird eine zunehmende Beschäftigung mit dem Thema Sucht im Alter jedoch immer wichtiger. Daraus entstehen auch vielfach Probleme, die es früher kaum gab und die durch diese Entwicklung vermehrt auftreten. Bewussteinsbildung steht an erster Stelle. Im Projektgebiet Salzburg-Bayern liegt der Anteil der über 60jährigen deutlich über den Bundesdurchschnitten - so etwa in der Stadt Salzburg aktuell bei 24% und in den beiden Nachbarlandkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land über 28%. Hinzu kommt, dass spezielle therapeutische Angebote im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen von Senioren und Pflegebedürftigen bislang in der deutschen und österreichischen Suchtkrankenhilfe noch weitgehend fehlen.
Der Landkreis Berchtesgadener Land hebt sich aufgrund seiner besonderen Altersstruktur stark von den anderen Landkreisen/der Bevölkerung in Bayern insgesamt ab.
„28,5% unserer Bevölkerung sind über 60 Jahre alt, wir haben eine enorm hohe Heimdichte, viele Menschen aus Deutschland ziehen in ihrem Ruhestand nach Bad Reichenhall bzw. ins Berchtesgadener Land. Die demografische Entwicklung zeigt das zunehmende Altern unserer Gesellschaft auf.“ ergänzt Georg Wetzelsperger, Bezirkstagsabgeordneter Oberbayern.

„Die räumliche Nähe, der hohe Anteil an älteren Menschen sowie die Tatsache, dass ein universitärer Schwerpunkt für Suchtmedizin an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II besteht, ermöglicht uns geradezu ideale Startbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung des Präventionsprojektes „Sucht und Alter“.“ ist der Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II Univ.-Prof. Dr. Friedrich Martin Wurst überzeugt. Zudem wird ein grenzüberschreitend besetztes Gremium mit Vertretern der fachlich zuständigen Stellen (Bayern und Salzburg) und der EuRegio das Projekt begleiten.
„Durch die besondere Grenznähe zu Bayern behandeln wir in der Christian-Doppler-Klinik häufig Patienten aus dem angrenzenden Deutschland. Unsere Zusammenarbeit mit dem Projektpartner der Caritas lässt uns Patientinnen und Patienten auch überregional vorsorgen. Die Bedeutung und Neuartigkeit der Thematik Sucht im Alter ermöglicht uns unseren wissenschaftlichen Weg weiterzuverfolgen.“ so ist Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg überzeugt.

Hohe Suchtproblematik im Alter
Die Suchtproblematik ist im Alter ein häufig auftretendes Thema. Aktuelle Untersuchungen bestätigen die Relevanz der Thematik Alter und Sucht. So geht aus wissenschaftlichen Studien hervor, dass etwa 0,5-3% der über 65jährigen eine Alkoholproblematik im Sinne einer Alkoholabhängigkeit aufweisen. Der Prozentsatz in Altenwohn- und Pflegeeinrichtungen ist mit 7-10 % bedeutend höher. Bei weiteren 5-20% in der Altersgruppe über 65 Jahren liegt schädlicher Gebrauch von Alkohol vor. Darüber hinaus weisen 5-10% der über 60-jährigen einen problematischen Gebrauch psychoaktiver Medikamente bzw. von Schmerzmittel auf. „In unseren Pflegeheimen und Altenbetreuungs-einrichtungen merken wir besonders die Handlungsnotwendigkeit im Bereich der Suchtproblematik im Alter.“ betont Rainer Hoffmann, Geschäftsführer des Caritas Zentrums Bad Reichenhall und Projektpartner der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II im Projekt „Sucht und Alter“.

Negative Auswirkungen und Folgeschäden
In diesem Kontext von besonderer Brisanz ist, dass der Mensch über 60 Jahren durch die physiologischen Veränderungen des Alterungsprozesses weit stärker unter den negativen Auswirkungen regelmäßigen Alkoholkonsums leidet als jüngere Alkoholkonsumenten. Folgen sind unter anderem kumulative Organschädigungen, vermehrte Unfälle und Stürze, psychische Probleme, rascher kognitiver Abbau und zu- oder abnehmende Toleranz für Medikamente.

Präventionsprojekt „Sucht und Alter“
Das Präventionsprojekt „Sucht und Alter“ wird in vier Phasen umgesetzt. Nach einer ersten Ist-Analyse mit einer fundierten wissenschaftlichen Erhebung und der anschließenden Auswertung geht es in der nachfolgenden dritten Phase um die Umsetzung und Planung erster Interventionen und Entwicklung des zukünftigen Therapieprogrammes. Die abschließende vierte und letzte Phase beinhaltet die Sensibilisierung der Thematik in der Öffentlichkeit sowie die Verbreiterung des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns durch spezifische Fachtagungen und wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen. „Wir möchten als Leadpartner im Projekt für Salzburg und unseren Partnern, den Caritas Zentren Bad Reichenhall und Traunstein, ein gut fundiertes Schulungskonzept und Programm bieten. Unsere wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, wie Mag. Isabella Kunz werden das Personal vor Ort schulen - so gewährleisten wir eine bestmögliche Anleitung.“ so Univ.-Prof. Dr. Friedrich Wurst.

Erhebung des IST-Zustandes und Auswertung in Phase 1
In der ersten Phase des Projektes geht es um die Erhebung des Ist-Zustandes. Mittels alterspezifischer, standardisierter Interviews und Fragebögen, objektiven Biomarkern für Substanzkonsum und Einsicht in Critical Incident Reports soll das tatsächliche Ausmaß der Problematik in Altenwohn- und Pflegeeinrichtungen im Raum Salzburg (Stadt und Land), Berchtesgadener Land und Traunstein erhoben werden. Geplant wäre die Befragung von etwa 2000 Patienten sowie weiteren 1000 Ärzten und Pflegekräften in Salzburg und Bayern. Etwa 50-100 Einrichtungen sollen eingeschlossen werden (abhängig von der Bereitschaft der Einrichtungen). Die Einrichtungen werden von den Projektmitarbeitern aus Salzburg und dem Berchtesgadener Land aufgesucht und die Fragebögen gemeinsam mit den Bewohnern, Pflege, Ärzten bearbeitet.
In Phase 2 wird eine statistische Auswertung und eine Interpretation der Daten durchgeführt.

Planung und Entwicklung eines Therapieprogrammes
Je nach Ergebnis und dem daraus resultierenden Bedarf werden Interventionsschritte der Phase 3 geplant und umgesetzt. Mögliche Interventionen am Betroffenen wären Beratung und Schulung mittels „Minimal Interventions“ altersspezifische kognitiv-behaviorale Therapien oder unspezifische Methoden wie Beschäftigungstherapie, etc. Im zweiten Schritt werden diese Interventionen nach einer Laufzeit von einem halben Jahr und einer Teilnehmerzahl von 20 Klienten pro Massnahme evaluiert (Kriterien: Haltequote, Reduktion des schädlichen Konsum, Lebensqualität, etc.). Auf die Evaluierung folgt die Erarbeitung und Implementierung eines standardisierten, kostenfreien Manuals, mit welchem die Nachhaltigkeit des Projekts gewährleistet werden soll. Weiters ist eine spezifische Schulung in Form von Seminaren für Pflegekräfte und Ärzte angedacht.

Information der Öffentlichkeit
In der Projektphase 4 geht es um die Verfassung und Publizierung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten um so die Wahrnehmung der Problematik in der Öffentlichkeit zu schärfen. Abschließend wird eine Fachtagung zum Thema Alter und Sucht für 200 Personen organisiert. „Hierbei sichern wir die wissenschaftliche Veröffentlichung unserer Erkenntnisse, die wir regional vor Ort erheben und so überregional neue Wege für die Bevölkerung in der Behandlung anbieten können.“ hofft Prof. Wurst für die zukünftigen Entwicklungen des Projektes.

EU Förderung und regionale Unterstützung
Für das 3-Jahres Projekt „Sucht und Alter“ werden Gesamtkosten in der Höhe von 442.406,- Euro veranschlagt. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung übernimmt über sein Programm INTERREG IV A Bayern/Österreich 60 % der Kosten – umgerechnet 265.443,- Euro. Dies entspricht der maximal möglichen Förderung der EU. Die restlichen 40% werden regional von Salzburg und Bayern finanziert. Die SALK unterstützt das Projekt mit insgesamt 123.976,- Euro, die Caritas Bad Reichenhall stellt durch eine Kofinanzierung des Bayrischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit insgesamt 52.987 Euro zur Verfügung. Nach der veranschlagten Projektdauer von drei Jahren entstehen keine weiteren Folgekosten.
„Das dreijährige Projekt „Sucht und Alter“ ist durch seine Überregionalität sehr wichtig. Es stärkt die grenznahe Zusammenarbeit und lässt uns über die Grenzen Österreichs und Deutschlands hinaus an der Thematik Sucht im Alter gemeinsam für unsere Bevölkerung arbeiten. Eine Unterstützung war uns aus diesem Grunde sehr wichtig. Der Bezirk Oberbayern unterstützt das Projekt ideel und fachlich, aber auch indirekt durch die Finanzierung der Suchtberatungsstelle.“ betont Bezirkstagsabgeordneter Wetzelsperger, die besondere Bedeutung des INTERREG IV A Projektes.

Der Bezirk Oberbayern ist als Träger der überörtlichen Sozialhilfe zuständig für die Finanzierung der Behandlung von Suchtkranken in Oberbayern. Das Interesse des Bezirks an diesem Projekt gilt daher speziell den Ergebnissen in der Versorgungsforschung.

„Wir erhoffen uns Erkenntnisse über eine Verbesserung der Versorgungsstruktur und die Optimierung der Vernetzung vor allem von bestehenden ambulanten und stationären Angeboten verschiedener Kostenträger und Versorgungssysteme (z.B. Altenhilfe, Suchthilfe, hausärztlicher und klinischer Versorgung).“ so Wetzelsperger weiter.

 

INTERREG – überregionale Zusammenarbeit zwischen Grenzgebieten
INTERREG ist ein Förderprogramm aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zur Unterstützung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die Ziele des Programmes sind u.a. der weitere Abbau von grenzbezogenen Barrierewirkungen, die Erhöhung der Lebensqualität, die verstärkt grenzüberschreitende Zusammenarbeit sowie die Verbesserung der Attraktivität des Grenzraums für die Bevölkerung. „Mit diesem Projekt schaffen wir in unserer EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein Grundlagen, die sich dann von den Erkenntnissen her auch in anderen Grenzregionen weiter verwenden lassen. Dies entspricht auch den Zielsetzungen der Europäischen Union, die mit ihren Fördermitteln Anschubfinanzierung für Pilotprojekte leistet, die dann auch an anderen Stellen weiter aufgegriffen werden können.“, zeigt sich EuRegio-Geschäftsführer Steffen Rubach über den Projektansatz erfreut. Die regionalen Besonderheiten im Hinblick auf die demografische Entwicklung sowie die Konstellation rund um ein zentrales Forschungszentrum wie die Christian-Doppler-Klinik Salzburg waren dabei für die positive Förderentscheidung ganz wesentliche Faktoren.

Bildtext:
Bild 10.jpg.: Das überregionale Team des Projektes „Alter und Sucht“ (v.l.n.r.): Univ.-Prof. Dr. Friedrich Martin Wurst (Vorstand UK für Psychiatrie und Psychotherapie II), Siegfried Lang (Sonderschuldirektor i.R., Projektmitarbeiter „Sucht und Alter“), Diplomsozialpädagogin (FH) Verena Schmidt (Projektmitarbeiterin „Sucht und Alter“), Georg Wetzelsperger (Bezirkstagsabgeordneter Oberbayern), Mag. Isabella Kunz (Psychologin und Projektmitarbeiterin „Sucht und Alter“), Steffen Rubach (Geschäftsführer EuRegio), Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck (stv. Ärztlicher Direktor Christian-Doppler-Klinik, Vorstand UK für Psychiatrie und Psychotherapie I), Rainer Hoffmann (Geschäftsführer Caritas-Zentrum Bad Reichenhall).

Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:

Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck stv. Ärztlicher Direktor der Christian-Doppler-Klinik, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie I

Univ.-Prof. Dr. Friedrich M. Wurst Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II

Steffen Rubach Geschäftsführer der EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein

Rainer Hoffmann Geschäftsführer des Caritas-Zentrums Bad Reichenhall

Georg Wetzelsperger Bezirkstagsabgeordneter Oberbayern

Allgemeine Rückfragen: 
Mag. Mick Weinberger 
Leiterin PR und Klinikmarketing, Pressesprecherin 
Gemeinnützige Salzburger Landesklinik Betriebsges.m.b.H. 
Tel: +43 (0) 662 4482–1007 
Mobil: +43 (0) 664 604141 1007 
presse@salk.at, m.weinberger@salk.at 

 

Pressefotos

Rainer Hoffmann (Geschäftsführer Caritas-Zentrum Bad Reichenhall) v.l.n.r. Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck, Univ.-Prof. Dr. Friedrich Martin Wurst, Rainer Hoffmann, Georg Wetzelsperger v.l.n.r Steffen Rubach, Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck, Univ.-Prof. Dr. Friedrich Martin Wurst, Rainer Hoffmann, Georg Wetzelsperger v.l.n.r Steffen Rubach, Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck, Univ.-Prof. Dr. Friedrich Martin Wurst Steffen Rubach (Geschäftsführer EuRegio) Univ. Prof. Dr. F. Wurst Das überregionale Team des Projektes „Alter und Sucht“ Das überregionale Team des Projektes „Alter und Sucht“ Georg Wetzelsperger (Bezirkstagsabgeordneter Oberbayern) Rainer Hoffmann (Geschäftsführer Caritas-Zentrum Bad Reichenhall) Univ.-Prof. Dr. Christoph Stuppäck (stv. Ärztlicher Direktor Christian-Doppler-Klinik, Vorstand UK für Psychiatrie und Psychotherapie I)

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