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Sommersportstatistik - Häufigste Verletzungen beim Kicken, Radfahren und bei Kampfsportarten
Sommersportstatistik - Häufigste Verletzungen beim Kicken, Radfahren und bei Kampfsportarten

Sommersportstatistik - Häufigste Verletzungen beim Kicken, Radfahren und bei Kampfsportarten

Sommer, Sonne – raus in die freie Natur zum Sporteln! Für 1.487 Menschen endete dieses Motto im vergangenen Sommer an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der Salzburger Landeskliniken. Dort mussten sie nach einem Sportunfall behandelt werden.

Als Gesprächspartner standen zur Verfügung

 

 Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch  Vorstand Universitätsklinik für Unfallchirurgie und  Sporttraumatologie der PMU
 OA Dr. Clemens Hübner  Oberarzt, Universitätsklinik für Unfallchirurgie und  Sporttraumatologie der PMU
 Günther Jooss  Intersport Eybl, Salzburg

Männer sind die typischen Patienten

Die Männer dominieren die Statistik der Sportunfälle in Salzburg. Fußball, Radfahren, Kampfsport, Volleyball und Basketball sind ihre beliebtesten Sportarten. 1.307 Männer mussten nach Sportunfällen ärztlich versorgt werden. Der Anteil der Frauen ist gegenüber dem Jahr zuvor deutlich zurückgegangen. Betrug er bei der Sommersportstatistik 2007 noch 17,9 Prozent, so liegt er aktuell nur mehr bei 12,1 Prozent. Wenn sich Frauen verletzen, dann meistens beim Volleyball, Radfahren, Fußballspielen oder beim Ausüben einer Kampfsportart. „Unsere typischen Sommersportpatienten sind aber Männer“, sagt Unfallchirurg Hübner, der die Sommersportstatistik aufbereitet hat. Die verletzten Männer sind im Durchschnitt 27,8 Jahre alt und damit etwas älter als die Frauen (26,3 Jahre). Rund drei Viertel der Verletzten (73,7 Prozent) sind jünger als 30. 23,9 Prozent sind zwischen 31 und 60 Jahre alt, 2,4 Prozent sind älter als 60.

Bei der Hälfte der Unfälle sind Knie- und Sprunggelenke betroffen

74,1 Prozent aller Sportverletzungen sind vom Grad her als leicht einzustufen. Das bedeutet, dass der Patient arbeitsfähig ist, nur ambulant behandelt wird, nicht mehr als zwei Kontrollen braucht und sich nichts gebrochen hat. 8,4 Prozent der Verletzungen sind mittleren und 16,6 Prozent schweren Grades. Patientinnen und Patienten mit schweren Verletzungen können nicht zur Arbeiten gehen, werden stationär im Krankenhaus aufgenommen, haben einen Bruch oder eine Gelenksluxation erlitten, müssen operiert werden und danach öfter als vier Mal zur Kontrolle. Schwerste Verletzungen wurden insgesamt 13 (oder 0,9 Prozent) festgestellt.

Für die Statistik werden auch die verletzten Körperregionen erfasst. Mehr als die Hälfte aller Sportverletzungen betrifft die Gelenke der unteren Extremitäten. „Das heißt, dass Kniegelenke und Sprunggelenke am häufigsten betroffen sind“, analysiert Hübner. Ellbogen, Handgelenk und Hand müssen ebenfalls oft behandelt werden. Genauso wie Schultern und Oberarme. Bei immerhin 6,4 Prozent aller Sportunfälle tragen die Sportlerinnen und Sportler Verletzungen am Kopf oder im Gesicht davon. Bei den meisten Verletzungen (90,3 Prozent) genügt eine ambulante Versorgung. Der Rest muss zur weiteren Therapie stationär aufgenommen werden.

In der Sommersportstatistik wird auch der Body-Maß-Index (BMI) der verletzten Sportlerinnen und Sportler erfasst. Ergebnis: Ein zu niedriger oder zu hoher BMI zeigten häufiger schwere Verletzungen als ein normaler BMI.

Positiv: 72,7 Prozent der sportlichen Radfahrerinnen und Radfahrer tragen Helme

Radfahren liegt auf Platz zwei der unfallträchtigen Sportarten. Positiv: Bereits 72,7 Prozent der sportlichen Radfahrerinnen und Radfahrer tragen einen Helm. Im Gegensatz dazu nehmen nur 16,7 Prozent einen Kopfschutz, wenn sie schnell einmal einkaufen oder ins Büro fahren. Die Mediziner sind sich einig: Der Großteil der Kopfverletzungen wären mit einem richtig sitzenden Fahrradhelm vermeidbar gewesen.

Kampfsport: Drei von vier Unfällen passieren im Training

Von den 105 Verletzten in der Abteilung Kampfsport waren 78 Prozent als leicht, 12,2 Prozent als mittel und 9,8 Prozent als schwer einzustufen. Bei den betroffenen Körperteilen liegt der Bereich Unterschenkel/Fuß vor dem Brustkorb und dem Bereich Hüfte/Oberschenkel. 75 Prozent aller Kampfsport-Unfälle passieren im Training, 13,9 Prozent im Wettkampf und 11,1 Prozent in der Freizeit.

Schlachtfeld Fußballplatz

Insgesamt 940 verletzte Fußballerinnen und Fußballer mussten von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie im vergangenen Sommer versorgt werden. Das waren 63,2 Prozent aller Sportverletzten überhaupt. Der überwiegende Teil der verletzten Kicker waren Männer (96,5 Prozent), aber auch 33 Frauen (3,5 Prozent) erlitten einen Unfall am Fußballplatz.

Sprunghafte Zunahme bei Trampolin-Unfällen

Trampolinspringen erfreut sich in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit. „Das Trampolin ist ein anspruchsvolles Sportgerät, das eine ausgereifte motorische Koordination und ein gutes Gleichgewichtsgefühl verlangt“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr Günther Schimpl, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. „So positiv diese Form der Bewegung für Kinder auch ist, hier kann das schwerelose Schweben in der Luft zum harten Aufschlag am Randgestänge des Trampolins oder am Boden führen und schwere Verletzungen verursachen.“ An der Kinder- und Jugendchirurgie wurde im Jahr 2008 ein enormer Anstieg von Verletzungen beim Trampolinspringen beobachtet. Zwischen April und September 2008 mussten 112 Patientinnen und Patienten behandelt werden, das ist ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Jahr 2006. Auch in den Frühlingsmonaten 2009 sind die Unfallzahlen signifikant nach oben geschnellt. 17 Patientinnen und Patienten mussten stationär und 68 ambulant behandelt werden. Mehr als 90 Prozent der Unfälle beim Trampolinspringen ereignen sich im privaten Bereich, der Rest in Freizeit- und Funparks.

65 Prozent der Patientinnen und Patienten verletzen sich beim Aufkommen auf der Sprungfläche des Trampolins, 35 Prozent ziehen sich ihre Verletzung beim Aufprall auf dem Rahmen des Trampolins oder beim Sturz vom Sportgerät zu. Zum Zeitpunkt eines Unfalls springen zu 77 Prozent mehrere Kinder unterschiedlichen Alters am Trampolin. Nur in 53 Prozent der Unfälle ist ein Netz zur Absturzsicherung angebracht. Die häufigsten Verletzungen: Verstauchungen der Gelenke (65 Prozent), Knochenbrüche (25 Prozent) sowie Abschürfungen oder Rissquetschwunden (10 Prozent). Die untere Extremität (62 Prozent) ist am meisten gefährdet, gefolgt von der oberen Extremität (23 Prozent).

Mangelnde Technik ist für jeden zweiten Fahrradunfall verantwortlich

Auch Radfahren erweist sich für Kinder als besonders gefährlich. 36 Prozent der Verletzungen betreffen den Kopf – von diesen sind zwölf Prozent als schwer einzustufen. Für jeden zweiten Unfall ist mangelnde Fahrtechnik verantwortlich. Das Durchschnittsalter eines Unfallkindes beträgt zehn Jahre. Bemerkenswert: Immer öfter passieren schwere Radunfälle in Funparks, nicht selten auf Sprungschanzen, die für Skateboarder vorgesehen sind.

Immer mehr im Trend liegen Einräder. „Beim Fahren mit dem Einrad ist es extrem wichtig und zugleich schwierig, die Balance zu halten“, sagt Schimpl. „Ist man unkonzentriert oder macht man Fahrfehler, kommt es meistens zum Sturz.“ Am häufigsten landen Einradfahrer auf ihren Händen oder Handgelenken, am zweithäufigsten auf den Knien, gefolgt vom Ellbogen. Schimpl empfiehlt allen Einradfahrern, das richtige Fallen zu üben. Denn grundsätzlich sei dieses Sportgerät sehr gut geeignet für Kinder. „Wer das Fahren auf dem Einrad beherrscht, trainiert seine Balancefähigkeit, die Motorik und fast alle Muskelgruppen.“

Vier Minuten unter Wasser führen zu irreversiblen Schäden

Ertrinken ist die weltweit vierthäufigste Todesursache für Kinder. Allein in Österreich ertrinken pro Jahr acht Kinder. Mehr als 60 Prozent der Betroffenen sind jünger als vier Jahre und zu 90 Prozent zum Zeitpunkt des Unfalls alleine. „Vier Minuten, in denen sich ein Kinder unter Wasser befindet, können bereits zu irreversiblen Gehirnschäden führen“, sagt Schimpl. „Längere Zeiträume führen zum Tod.“ Vorausgesetzt, dass die Kinder schwimmen können, stellen die Aktivitäten im Schwimmbad ein geringeres Risiko dar. Weitaus unfallträchtiger gestalten sich die Aktivitäten rund um das Becken. Die größte Gefahr geht von Wasserrutschen aus. Auf ihnen passiert jeder fünfte Unfall. 40 Prozent der Unfälle auf Wasserrutschen geschehen durch Kollisionen im Mündungsbereich.


 

Bildrechte: SALK / Wild&Team

Abdruck honorarfrei

Bild 1:
Primar der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der PMU, Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch, ist stolz, dass sein Team auch in diesem Jahr viele Daten und Fakten zum Verletzungsmuster der Patientinnen und Patienten in mühseliger Kleinarbeit zusammengetragen hat.

Bild 2:
Unfallchirurg Oberarzt Dr. Clemens Hübner: „Fast zwei Drittel der Aktiven (63,2 Prozent) verletzten sich beim Fußballspielen. Auf den unrühmlichen zweiten Platz der unfallträchtigsten Sportarten schaffte es 2008 Radfahren, gefolgt von Kampfsport wie z.B. Ringen, Judo, Karate oder Boxen. Verletzungen gab es auch beim Volleyball, Basketball, Skaten, Tennis, Reiten, American Football und Laufen.“

Bild 3:
Intersport Eybl Mitarbeiter Günther Jooss erklärt, dass gerade Radhelme einen wichtigen Schutz für die häufigen Kopfverletzungen bei Radlstürzen  bieten.“

Bild 4:
Die Schulterverletzung ist eine klassische Kampfsportartverletzung. Krsikapa Predrag wurde zog sich eine Schulterverletzung bei der Ausübung seiner Kampfsportart MMA (Mixed Martial Arts) zu. DGKS Christina Schrattenecker legt ihm einen Schulterverband an.

Bild 5:
Turnusarzt Dr. Clemens Nawara und DGKP Suvad Vukalic beim gipsen einer Beinverletzung.

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Bilder

Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch Oberarzt Dr. Clemens Hübner Intersport Eybl Mitarbeiter Günther Jooss DGKS Christina Schrattenecker legt ihm einen Schulterverband an Dr. Clemens Nawara und DGKP Suvad Vukalic beim gipsen einer Beinverletzung
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