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Mehr Lebensqualität durch medizinische Versorgung in Gebärdensprache - 10 Jahre Gehörlosenambulanz
Mehr Lebensqualität durch medizinische Versorgung in Gebärdensprache - 10 Jahre Gehörlosenambulanz

Mehr Lebensqualität durch medizinische Versorgung in Gebärdensprache - 10 Jahre Gehörlosenambulanz

Allgemeinmedizinische, barrierefreie Betreuung für gehörlose oder schwerhörige Menschen gibt Betroffenen Sicherheit.

Nicht hören zu können, bedeutet nicht nur ein Leben in Stille zu führen, sondern auch in alltäglichen – für hörende Menschen selbstverständlichen – Dingen wie etwa einem Arztbesuch immer auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein. Für Betroffene ist es deshalb eine enorme Hilfe, wenn ÄrztInnen in der Gebärdensprache mit ihnen kommunizieren können. "Mit der Einrichtung der Gehörlosenambulanz vor zehn Jahren nahm das Landeskrankenhaus Salzburg als zweites Spital österreichweit eine Vorreiterrolle ein und legte den heute rund 600 gehörlosen oder schwerhörigen PatientInnen im Land Salzburg eine Brücke zu optimaler allgemeinmedizinischer Betreuung", betont Sozial- und Gesundheitsreferentin Erika Scharer. Das Jubiläum wird jetzt gebührend gefeiert.

Allein den gewöhnlichen Alltag zu meistern, stellt gehörlose Menschen oft vor große kommunikative Herausforderungen. Im Krankheitsfall ist dies oft noch gravierender. Wie verständigt man sich beispielsweise mit einem Arzt, der die Gebärdensprache nicht beherrscht?
"Gerade im Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist es jedoch besonders wichtig, dass das Gespräch miteinander funktioniert", betont Sozial- und Gesundheitsreferentin Erika Scharer, "um die richtigen Diagnosen zu stellen, Schmerzen zu lindern und Krankheiten zu verhindern. Mit der Gehörlosenambulanz der SALK ermöglicht das Land Salzburg einen barrierefreien Ambulanzbesuch für gehörlose Menschen", so Scharer. In der Gehörlosenambulanz der SALK werden Gehörlose kompetent und sehr einfühlsam in ihrer eigenen Sprache behandelt und betreut.

Vor 1999 mussten gehörlose PatientInnen für einen Arztbesuch entweder in den oberösterreichischen Zentralraum fahren, wo sich die damals einzige Gehörlosenambulanz befand oder zu einem Termin bei niedergelassenen ÄrztInnen in Salzburg einen/eine Dolmetscher/in mitnehmen. „Erfreulicherweise können wir unseren gehörlosen PatientInnen und Patienten heute wohnortnah und viermal in der Woche alle allgemeinmedizinischen und psychotherapeutischen Leistungen sowie eine Begleitung zu Fachärztinnen und -ärzten mit anschließender Befundbesprechung anbieten“, sagt Dr.in Tanja Brunner, Leiterin der Gehörlosenambulanz am Landeskrankenhaus Salzburg und Gehörlosen-Hausärztin. Das fünfköpfige interdisziplinäre Team – bestehend aus der medizinischen Leiterin, einer Psychotherapeutin, zwei diplomierten Krankenschwestern und einer diplomierten Gebärdensprachdolmetscherin – beherrscht die Gebärdensprache, die seit 2005 auch offiziell als Muttersprache anerkannt ist. Jahrelange Erfahrung und Know-how der Gehörlosenkultur ermöglichen den Mitarbeiterinnen ein hohes Maß an Empathie. „Wir können auf soziale, durch die Gehörlosigkeit bedingte Probleme viel besser eingehen“, erklärt die Expertin, „auch können wir heikle Themen im Gesundheitsbereich im Vier-Augen-Gespräch führen und somit das nötige Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient aufbauen, ohne dass ein fremder Mensch dabei sitzt, der immer erst alles Gesagte übersetzen muss.“

Das medizinische Behandlungsspektrum der Gehörlosenambulanz reicht von der Therapie akuter und chronischer Erkrankungen über Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen bis hin zu OP-Aufklärungen und kleinen chirurgischen Eingriffen. Das Angebot umfasst zudem Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen sowie Ernährungsberatungen, Bewegungsprogramme und spezielle Behandlungsformen wie Akupunktur oder neuraltherapeutische Anwendungen. „Sehr gut werden auch unsere Bildungsabende zu speziellen medizinischen Themen angenommen“, freut sich Dr.in Brunner, die auch für pflegebedürftige gehörlose Patienten Hausbesuche macht. Weiteres, großes medizinisches Feld der Gehörlosenambulanz ist die psychosoziale Betreuung der PatientInnen. Christine Schwarz, diplomierte Psychotherapeutin, bietet den Betroffenen kompetente Unterstützung in verschiedenen Lebensphasen: “Das kann Erziehungsberatung für gehörlose Eltern oder für hörende Eltern gehörloser Kinder als auch einmal paartherapeutische Hilfe sein“, sagt sie und weist darauf hin, dass auch Themen wie Stressmanagement, Burnout oder psychosomatische Beschwerden immer häufiger stattfinden: „Psychosoziale Beschwerden spielen bei vielen Gehörlosen eine große Rolle, da sie oft von der Gesellschaft noch stigmatisiert werden und in vielen Belangen Kompetenz abgesprochen bekommen. Das heißt, sie müssen gestärkt sein, um sich im Alltag der großen, hörenden Gemeinschaft behaupten zu können.“

Immer wieder diskutiert wird auch die Frage, warum die Gebärdensprache im Zeitalter des Cochlea-Implantates (Mini-Computer, der die Funktion des Innenohres ersetzt und somit auch völlig tauben Menschen das Hören ermöglicht) einen doch noch so hohen Stellenwert hat. Dr.in Brunner erklärt die Hintergründe: „Man muss bedenken, dass ein Implantat nur eine Hilfe ist und ein technisches Gerät bleibt, dass kaputt gehen kann, keine vollen Batterien mehr hat oder die Betroffenen müssen es beim Schwimmen herausnehmen und hören dann absolut nichts. Beherrscht ein gehörloser Mensch aber seine Muttersprache, die Gebärdensprache, ist er oder sie immer in der Lage, zu kommunizieren.“ Die Expertin betont zudem, wie vorteilhaft es für gehörlose Kinder ist, zweisprachig aufzuwachsen: „Durch das frühzeitige Schaffen eines Gebärdenwortschatzes wird auch das Erlernen der Lautsprache leichter. Nicht zuletzt ist die Gebärdensprache außerdem für die Zugehörigkeit zur Gehörlosengemeinschaft ganz wichtig und wird es immer bleiben.“ Der kontinuierliche Anstieg der ambulanten Frequenzen auf fast 1.900 im vergangenen Jahr bestärkt und bestätigt sie und ihr Team in ihrem Engagement und medizinischen Tun.

Leistungskennzahlen

 

2007

2008

Anzahl Ambulanzpatienten (Frequenzen)

1.593

1.869

Festakt „10 Jahre Gehörlosenambulanz“
Datum: 08. Mai 2009
Ort: Hörsaal II Medizin
Zeit: 15 Uhr

Bildrechte: SALK/Wild&Team
Abdruck honorarfrei

Bild 1-3: Aufnahmen in der Gehörlosenambulanz
Bild 3: Dr. Tanja Brunner, Leiterin der Gehörlosenambulanz im Landeskrankenhaus


 
Rückfragen an: Mag. Mick Weinberger
Leiterin PR und Klinikmarketing, Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH
Tel.: +43 (0)5 7255-20012
Mobil: 0664/604141 1007
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Pressebilder

Aufnahme in der Gehörlosenambulanz Aufnahme in der Gehörlosenambulanz Dr. Tanja Brunner, Leiterin der Gehörlosenambulanz im Landeskrankenhaus
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