zurück
Vorstellung des neuen Primars: Kampf den Zivilisationskrankheiten durch körperliches Training
Vorstellung des neuen Primars: Kampf den Zivilisationskrankheiten durch körperliches Training

Vorstellung des neuen Primars: Kampf den Zivilisationskrankheiten durch körperliches Training

Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin der PMU, Institut für Sportmedizin des Landes Salzburg
Vorstellung des neuen Primars: Kampf den Zivilisationskrankheiten durch körperliches Training

Salzburg. Die modernen Industrienationen werden von einer „Epidemie der körperlichen Inaktivität“ durchzogen. Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen, Übergewicht und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) mit deren entsprechenden Spätschäden nehmen rasant zu. Die medikamentöse Therapie hat sich in allen Bereichen verbessert – trotzdem: Es reicht natürlich nicht, sich nur mit Medikamenten zu begnügen ohne gegen die Ursache der Erkrankungen vorzugehen! Sport ist ein effektives, kostengünstiges Therapeutikum gegen diese Zivilisationskrankheiten. Dabei ist es jedoch nicht ausreichend, den Aufzug durch Treppengehen zu ersetzen, vielmehr muss ein aktiver Lebensstil ergriffen werden, der regelmäßigen Ausdauersport in Form von sportlichem Gehen (Walken), Fahrradfahren - gern auch zur Arbeit - Joggen und Schwimmen in den Alltag integriert. Wenn dann noch eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, aber wenig fettreichen Produkten hinzukommt ist der Einstieg in einen vernünftigen Lebensstil erreicht, der der Entstehung von Übergewicht vorbeugt und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen* senkt. „Sport führt sogar bei bedarfsgerechter Anwendung zu einer Reduktion der Dosis oder gar einem Absetzen einzelner Medikamente. Darüber hinaus kommt es zu einer besseren Lebensqualität, geringeren Erkrankungswahrscheinlichkeit und höheren Lebenserwartung“, so Univ.-Prof. DDr. Josef Niebauer, neuer Leiter des Instituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin der PMU und des Instituts für Sportmedizin des Landes Salzburg.

Aufgaben und Ziele des Instituts für Sportmedizin der PMU
Hauptaufgabe des Instituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin der PMU ist die Durchführung internistischer und leistungsdiagnostischer Untersuchungen sowohl bei Nationalkaderangehörigen als auch bei Leistungssportlern und Freizeit- und Gesundheitssportlern. „Durch die Nähe zu den übrigen Abteilungen der Salzburger Landesklinik arbeiten wir besonders eng mit den komplementären Disziplinen zusammen“, erklärt Prof. Niebauer. Im Institut der Universität fanden bereits in der Vergangenheit Sprechstunden für Kindersportmedizin, Orthopädie und Physikalische Medizin statt, was auch weiter hin der Fall sein wird. Eine enge Kooperation besteht jedoch nicht nur mit der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, mit der Universitätsklinik für Physikalische Therapie und Rehabilitation und der Universitätsklinik für Orthopädie, sondern darüber hinaus auch mit der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie und der Universitätsklinik für Kardiologie. Da das Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin der PMU im Herbst ein neues Herz-Ultraschallgerät (mit der Option auch Gefäße und den Bauchraum zu schallen) bekommt, wird das Spektrum dann auch innerhalb des Instituts ergänzt, so dass dem Sportler in Zusammenarbeit mit den anderen Universitätskliniken eine umfassende Betreuung angeboten werden kann.

Ziele des Universitätsinstituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin der PMU:

  • Hochleistungssport: Aufbauend auf der guten Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen wird derzeit an einem Konzept zur Verbesserung der interdisziplinären Betreuung vor allem von Spitzensportlern gearbeitet. Die kurzen Wege und die interdisziplinäre Expertise soll zum Nutzen der Sportler optimiert werden (siehe oben).
  • Breitensport: Auch Breitensportler werden dann noch stärker als bisher von diesem Konzept profitieren.
  • Prävention und Rehabilitation: Dieser Bereich soll sowohl im Bereich Leistungssport als auch bei Risikopatienten bzw. Patienten mit Herzerkrankungen intensiviert werden.

Das Leben muss sich ändern

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die Haupttodesursache Nummer Eins! Unzureichende körperliche Bewegung ist ein wesentlicher Faktor, der dafür verantwortlich ist, dass Übergewicht und Adipositas zunehmen. Hinzu kommt eine Kost, die reich an Energie, aber arm an Nährstoffen ist. Dies wird bedingt durch den Trend zur Aufnahme fettreicher Produkte. Versteckte Kalorien befinden sich auch in zuckerhaltigen Getränken, z. B. Soft-Drinks, Limonaden. Sportliches Gehen, Treppenstufen statt Aufzug und Fahrrad statt Bus, dazu eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse, aber wenig fettreichen Produkten - so einfach kann der Einstieg in einen vernünftigen Lebensstil sein. Es ist jedoch nicht genug ein wenig aktiver zu sein, zusätzlich muss regelmäßiges Ausdauertraining in den Alltag integriert werden, damit der Entstehung von Übergewicht vorgebeugt und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen gesenkt werden kann. Bereits die Jugend neigt dazu dicker und unsportlicher zu werden. Schlechte Ernährung führt dazu, dass bereits bei einem 5-jährigen Kind eine Form der Zuckerkrankheit diagnostiziert wurde (Diabetes mellitus Typ 2**), welche bis vor kurzem nur Erwachsenen vorbehalten blieb. Eine weitere alarmierende Entwicklung kommt hier noch erschwerend hinzu: Rauchende Jugendliche werden immer jünger. 22 Prozent der Burschen und 18 Prozent der Mädchen beginnen laut Österreichischer Krebshilfe im Alter von 15 Jahren regelmäßig zu rauchen und einer Umfrage zu Folge rauchen in Salzburg 67% der 18-Jährigen. „Diese Konstellation, ein Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren, die sich exponentiell auf die Prognose der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen auswirken, werden in Zukunft ein gesundheits-politisches Problem darstellen, welches wir in diesem Ausmaß vorher noch nicht kannten“, sagt Prof. DDr. Josef Niebauer. Besonders effektiv und gleichzeitig mit geringen Kosten für das Gesundheitswesen verbunden sind Lebensstiländerungen wie regelmäßiges körperliches Training, Anpassung der Ernährung und die Beendigung des Rauchens sowie eine Gewichtsreduktion.

Hardfacts - Zivilisationskrankheiten
Risikofaktoren der koronaren Herzerkrankung

Klassische Risikofaktoren der koronaren Herzerkrankung sind Bluthochdruck (Hypertonie), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), hohe Blutfette (Hyperlipidämie) und Nikotinabusus. Hinzugekommen sind in den letzten Jahren als anerkannte Risikofaktoren Bewegungsmangel, Übergewicht (Adipositas) und familiäre koronare Herzerkrankung bei Männern vor dem 55. und bei Frauen vor dem 65. Lebensjahr (Verwandte 1. Grades).
Hypertonie
Das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse steigt kontinuierlich mit der Höhe des arteriellen Blutdruckes. Bereits Blutdruckwerte zwischen 130 und 139 mm Hg systolisch, die noch als hochnormal angesehen werden können, führen zu einer erhöhten Rate kardiovaskulärer Ereignisse. Eine konsequente und adäquate Therapie des arteriellen Hypertonus senkt das kardiovaskuläre Risiko, was in mehreren Studien mit unterschiedlichen therapeutischen Substanzen nachgewiesen werden konnte. Das Therapieziel liegt bei Blutdruckwerten deutlich unter 130/85 mm Hg, anzustreben sind Werte um 120/80 mm Hg, insbesondere bei Diabetikern und herzinsuffizienten Patienten. Lebensstiländerungen mit vornehmlicher Gewichtsnormalisierung, regelmäßiges körperliches Ausdauertraining mit dynamischen Belastungen sowie Limitierung des Alkoholkonsums und eine Reduktion der Kochsalzzufuhr können neben einer strengen medikamentösen Therapie zur Verwirklichung beitragen.

Diabetes mellitus
Diabetes mellitus in Kombination mit koronarer Herzerkrankung stellt eine Hochrisikokonstellation dar, die eine konsequente Behandlung erfordert. Das Hauptziel ist eine normoglykämische Einstellung des Blutzuckers mit HbA1C-Werten um 6,5%. Zudem ist hier auf eine sehr konsequente antihypertensive Einstellung vornehmlich mit ACE-Hemmern auf Grund des nephropotektiven Effektes zu achten und eine konsequente Gewichtsreduktion auf einen Body-Mass-Index von maximal 20 – 25 kg/m² anzustreben. Bei der Prävention des Diabetes mellitus kommt dem regelmäßigen körperlichen Training eine besondere Bedeutung zu, da es dadurch
nicht nur zu einer Steigerung der Insulin-Sensitivität kommt sondern die Manifestation eines Diabetes mellitus deutlich verzögert oder gar verhindert werden kann.

Fettstoffwechselstörungen

Diätetische Maßnahmen zur Korrektur erhöhter Fettstoffwechselwerte sind meist nur von kurzfristigem Erfolg begleitet und werden von den meisten Patienten in der erforderlichen Konsequenz nur über einen beschränkten Zeitraum durchgehalten. Durch die Kombination mit regelmäßiger körperlicher Aktivität wird die Wirkung dieser Maßnahmen verstärkt und ein längerfristiger Erfolg erreicht. Drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche auf mittlerer Belastungsstufe führen zu einer deutlichen Senkung des LDL-Spiegels und einer Anhebung des HDL-Spiegels. Erhöhte Triglyzeride, vor allem aber erhöhte LDL-Cholesterinspiegel bei gleichzeitig verminderten HDL-Cholesterinspiegeln gehen mit einem deutlichen Anstieg des Herzinfarktrisikos einher. Die konsequente lipidsenkende Therapie mittels Lebensstiländerungen und medikamentöser Therapie (hier v.a. Statine) führt zu einer signifikanten Verbesserung der Prognose durch Senkung der Letalität um bis zu 34% und Verringerung der kardiovaskulären Ereignisse um bis zu 30-40%. Außerdem kommt es zu einer deutlichen Verlangsamung der Progression der allgemeinen Atherosklerose .
Folgende Zielwerte sollten erreicht werden:

  • LDL-Cholesterin < 100 mg/dl bzw. <2,6 mmol/l
  • HDL-Cholesterin >40 mg/dl bzw. >1,0 mmol/l
  • Triglyzeride <200 mg/dl bzw. <2,3 mmol/l.

Nikotinabusus***
Nikotinabusus ist ein bekannter Risikofaktor für die koronare Herzerkrankung. Sicher ist, daß der Verzicht auf Rauchen zu einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse um bis zu 50% beitragen kann und dass dies einer der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen im Einzelfall zur Verringerung des koronaren Risikos darstellt.

Übergewicht
Taillenumfang und Body-Mass-Index korrelieren signifikant mit der Inzidenz von Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen und Störungen der Hämostase, was letztlich zu einer erhöhten Inzidenz auch der koronaren Herzerkrankung beiträgt. Patienten mit einem Body-Mass-Index von 27-35 kg/m² sollten daher innerhalb von 6 Monaten eine Gewichtsreduktion von 5-10% erreichen, bei einem Body-Mass-Index >35 kg/m² sollte eine Gewichtsreduktion von mehr als 10% innerhalb von 6 Monaten erreicht werden.

Bewegungsmangel
Im Vergleich zu den traditionellen Risikofaktoren wurde die Bedeutung von körperlicher Aktivität für die primäre und sekundäre Prävention von Zivilisationskrankheiten und deren Spätfolgen nur ungenügend berücksichtigt. Insbesondere bei Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren eine deutliche Abnahme an körperlicher Aktivität, verbunden mit einer gleichzeitigen Zunahme des Übergewichtes und des Nikotinkonsums bemerkbar gemacht. Man muss davon ausgehen, dass diese Häufung von Risikofaktoren in absehbarer Zeit zu einer dramatischen Zunahme kardiovaskulärer Erkrankungen führt. Darüber darf auch die große Anzahl von Koronarsportgruppen nicht hinwegtäuschen, die in den letzten Jahren gegründet wurden, denn nur ein verschwindend kleiner Anteil von Gesunden und Patienten wird durch das Therapiekonzept „Körperliche Aktivität zur Vorbeugung der koronaren Herzkrankheit“ tatsächlich erreicht und ein noch kleiner Teil setzt dieses auch um. Abgesehen von wenigen, gut motivierbaren Patienten ist die große Zahl der Erkrankten, und vor allem auch der Gesunden mit Risikofaktoren für eine regelmäßige Aktivität nicht zu gewinnen. Legt man vergleichbar strenge Maßstäbe an dieses Therapiekonzept, wie z.B. an die medikamentöse Senkung der Fettstoffwechselwerte, so müsste es wegen mangelnder Compliance als nicht effektiv eingestuft werden. Dabei darf es nicht bleiben, da durch körperliches Training all die o.g. Risikofaktoren deutlich beeinflusst werden, was zu einer Verbesserung der Prognose führt. Trotz dieses Wissens berichtet ungefähr ein Drittel der Männer und Frauen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren sowie 38% der Männer und 51% der Frauen älter als 75 Jahre, keine körperliche Aktivität mehr zu haben. Körperliche Aktivität erhöht jedoch das HDLCholesterin, vermindert Übergewichtigkeit sowie systolischen und diastolischen Blutdruck sogar bei Patienten zwischen 60 und 80 Jahren und vermindert die periphere Insulinresistenz, was zu einer Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage beitragen kann. Zusätzlich zu den metabolischen Effekten wird durch regelmäßige körperliche Aktivität auch die Funktion der Gefäße (u.a. Endothelfunktion) verbessert, welcher eine entscheidende Bedeutung bei der Ausbildung der Gefäßverkalkung (Atherosklerose) zukommt. Zwar liegt das Kaliber von Koronararterien bei Personen mit einem besonders hohen Fitness-Grad nicht über dem Durchschnitt anderer gesunder Vergleichspersonen, doch verfügen die Herzkranzgefäße bei Trainierten über eine bessere Fähigkeit sich weit zu stellen. In einer kürzlich publizierten Studie wurde der Versuch unternommen, die gestörte Funktion der Gefäße (Endothelfunktion) bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung durch regelmäßiges Training zu korrigieren. Bei Patienten ohne Diabetes mellitus gelang dies nach 4 Wochen und in einer eigenen Arbeit bei Diabetikern, die bekanntlich eine ausgeprägtere Form der koronaren Herzkrankheit aufweisen, nach 6 Monaten.
In weiteren eigenen Arbeiten konnte darüber hinaus im Tiermodell gezeigt werden, dass trainierende Mäuse weniger Gefäßschäden aufweisen als nicht trainierende Mäuse.

Und auch bei einer großen Untersuchung an der Patienten mit koronarer Herzkrankheit teilnahmen konnten wir zeigen, dass das Voranschreiten der Erkrankung durch eine konsequente Intervention, die sich im wesentlichen auf körperliches Training stützte, aufgehalten und bei einzelnen Patienten sogar teilweise rückgängig gemacht werden kann.

Die prognostische Wirkung von körperlicher Aktivität wurde ebenfalls eindeutig belegt; eine negative, lineare Korrelation zwischen Kalorienverbrauch durch sportliche Aktivität und Mortalität konnte nahezu in allen Studien nachgewiesen werden. Auch Belastungen auf niedrigem oder mittleren Niveau führen zu einer Reduktion des relativen Risikos um bis zu 30%. Um ein hohes Niveau körperlicher Aktivität lebenslang zu erhalten und der Entstehung von Zivilisationserkrankungen ursächlich zu begegnen, sollte bei Kindern und Jugendlichen begonnen werden, einen aktiven und gesundheitsbewussten Lebensstil zu etablieren und zu pflegen. Da die Kinder am ehesten über die Schule zu erreichen sind, sollten gezielt Programme angeboten werden, die zum Ziele haben bei allen Kindern eine durchschnittliche sportliche Aktivität von mindestens 60 Minuten pro Tag zu erreichen. Die Rolle traditioneller Risikofaktoren, wie Rauchen, Hyperlipoproteinämie, Übergewicht und Bluthochdruck haben seit langem Eingang in das Bewusstsein großer Teile der Bevölkerung gefunden, auch wenn sich dies bei zu wenigen Personen in einer entsprechenden Änderung des Verhaltens niedergeschlagen hat. Bei dem Wissen um körperliche Aktivität sieht es noch düsterer aus, wird ihre Bedeutung für die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen von einem Großteil der Bevölkerung aber auch Ärzten als relativ nebensächlich eingestuft und ist deshalb auch nur selten Gesprächsthema zwischen Arzt und Patient.

Viele Patienten mit koronarer Herzerkrankung erleben die ersten Symptome im Alter >50 Jahre; meist haben gerade diese Patienten seit ihrer Schulentlassung, d.h. seit mehr als 30 Jahren, an organisierten
Sportveranstaltung nur noch als Zuschauer teilgenommen. Dieser inaktive Lebensstil hat sich zu einem stabilen Verhaltensmuster verfestigt, das sich nur noch in Ausnahmefällen positiv beeinflussen lässt, von der Mehrheit jedoch aus einer Vielzahl von 'Gründen' abgelehnt wird. Angeführt werden vor allem berufliche Belastungen und Zeitmangel, Mangel an geeigneter Umgebung sowie die völlige Überschätzung der körperlichen Aktivität durch Hausarbeiten, Spazierengehen etc. Dabei wirkt sich körperliches Training nicht nur auf die körperliche Fitness aus, sondern führt auch direkt zu einer positiven Beeinflussung anderer klassischer Risikofaktoren. Regelmäßiges körperliches Training kann die Morbidität und Letalität von Patienten mit koronarer Herzerkrankung senken und deren Lebensqualität erhöhen. Empfohlen wird ein regelmäßiges Ausdauertraining über jeweils 30-60 Minuten 3-7 Mal/Woche bei 60- 70% der maximalen Leistungsfähigkeit und vor allem im ischämiefreien Bereich.

Riskofaktorenmanagement
Regelmäßiges körperliches Training hilft Patienten mit bestehenden Risikofakoren diese zu behandeln aber auch das Erkrankungsrisiko an den Spätfolgen zu verringern. Eine entsprechende Beratung des Patienten hinsichtlich Lebensstilveränderungen wie Gewichtsabnahme, Umstellung der Diät und Nikotinverzicht sowie eine konsequente medikamentöse Therapie der Risikofaktoren Hypertonie, Hyperlipidämie und Diabetes mellitus kann zu einer signifikanten Verbesserung der Überlebensrate unserer Patienten beitragen.

Fazit
Neben der unverzichtbaren medikamentösen Therapie der koronaren Risikofaktoren Hypertonie, Diabetes mellitus und Hyperlipidämie hat sich körperliches Training in den letzten Jahrzehnten ebenfalls als ein effektives Therapeutikum erwiesen, auf welches bei keinem Patienten verzichtet werden sollte. Denn nur Lebensstilveränderungen, die eine
Ernährungsumstellung und regelmäßiges körperliches Training beinhalten greifen an der Ursache der Erkrankung an.

FRAGEN
Wer sollte trainieren, wer nicht?
Training: (Fast) alle! Kein Training, wenn akute Gefährdung besteht. Dazu zählen prinzipiell alle akuten Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen. Diese gehören  erst auskuriert. Desweitern sollten genannt werden:

  • akute Herzmuskelentzündung
  • Dekompensation einer Herzmuskelschwäche < 3 Monate
  • durch Belastung ausgelöste Minderdurchblutung des Herzens.
  • lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen

Erst wenn diese „Probleme behoben sind“ ist an Training zu denken. Dennoch sind diese Erkrankungen meist so
therapierbar, so dass ein körperliches Training relativ gefahrlos durchgeführt werden kann.

Was muss vor Trainingsbeginn beachtet werden?
Sofern Anamnese und körperliche Untersuchung unauffällig sind, sollte eine Ergometrie zur Objektivierung des Gesundheitszustands und der Belastbarkeit erfolgen. Danach werden geeignete Sportarten identifiziert und die Festlegung des Trainingspulses durchgeführt, so dass das Training möglichst gefahrlos durchgeführt werden kann.

Reicht Gartenarbeit und Treppensteigen?
Nein. Wenn gleich es wichtig ist, einen aktiven Lebensstil zu führen und sich im Alltag so viel es geht physisch zu fordern, so ersetzen diese Aktivitäten nicht das körperliche Training.

Was soll trainiert werden: Ausdauertraining vs. Krafttraining?
Favorisiert wird eindeutig das Ausdauertraining (Joggen, Walken, Nordic-Walken, Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf, Inlineskaten), denn nur für Ausdauersportarten ist ein eindeutiger Nutzen im Hinblick auf Verringerung des Erkrankungsrisikos und besserer Prognose nachgewiesen. Dennoch spricht nichts gegen, aber viel für ein Krafttraining im Ausdauerbereich, wenn dadurch die Muskulatur trainiert wird, die zur Verrichtung alltäglicher Routine notwendig ist.

Trainingshäufigkeit und –intensität
Empfohlen wird ein regelmäßiges Ausdauertraining über jeweils 30-60 Minuten 3-7 Mal/Woche bei 60-70% der maximalen Leistungsfähigkeit im ischämiefreien Bereich (auch deshalb vorher Ergometrie).

Training allein vs. Training in der Gruppe
Das ist genau genommen egal. Dennoch wird fast jeder bestätigen, dass man öfter und kurzweiliger trainiert, wenn man Trainingspartner hat, die es ebenfalls ernst mit dem Training meinen. Sollte daran Zweifel bestehen, so ist man alleine besser aufgehoben bzw. muss zusätzlich alleine trainieren. Für die Compliance ist die Gruppenzugehörigkeit ein großes Plus.

Evaluierung der individuellen Leistungsfähigkeit bzw. des Trainingserfolges
Mittels Ergometrie (ggf. mit Laktatmessung) vor Trainingsbeginn und danach in regelmäßigen Abständen, sicher jedoch einmal pro Jahr. Bei Veränderung der Dosis von Herzfrequenzbeeinflussenden Medikamenten (ß-Blocker, Ca-Antagonisten) muss der Trainingspuls mittels Ergometrie erneut bestimmt werden.

Welche realistischen Ziele sollte man sich setzen?
Es ist sowohl für die Intensität als auch für die Häufigkeit des Trainings hilfreich, sich Ziele zu setzen. So kann die Teilnahme an einem 5 km Lauf schon ein großes Ziel für einen ehem. Nicht-Läufer sein. Es kommt bei den Zielen also immer auf die Trainings-Historie und die Leistungsfähigkeit des Einzelnen an. Da es jedoch motiviert, wenn man ein Ziel erreicht hat mit dem Training weiter zu machen, sollte man sich Ziele setzen.

In welchem Alter sollte man mit dem Training aufhören?
Es konnte selbst bei > 80-jährigen Patienten gezeigt werden, dass es durch regelmäßiges Training zu einer Verringerung der Verletzungshäufigkeit durch Stürze kommt, die Patienten geistig agiler sind und insgesamt gesundheitlich davon profitieren. Somit gibt es keine Grenze, die lediglich am Alter festgemacht wird.

*Kardiovaskuläre Erkrankungen sind Erkrankungen des Herz-Kreislaufens wie z.B. Ateriosklerose (Veränderung der Blutgefäße), Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Angina Pectoris (durch Herzenge entsteht eine Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff) und Schlaganfall.
**Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die in Österreich rund 500.000 Menschen betrifft. Experten prognostizieren eine Verdoppelung der Diabeteserkrankung auf 300 Millionen weltweit bis zum Jahr 2025. Der Blutzuckerspiegel ist erhöht und der Körper kann Kohlenhydrate wie Zucker nur ungenügend verwerten. Typ-2-Diabetes wurde früher auch als "nicht insulinabhängiger Diabetes" oder Altersdiabetes bezeichnet, da er in der Regel nur bei älteren Menschen auftritt. Heute findet sich diese Form des Diabetes zunehmend auch bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Fachleute rechnen damit, dass die Zahl der Typ-2- Diabetiker in den nächsten Jahren noch weiter steigt, da die Menschen immer übergewichtiger und älter werden.
***Nikotinabusus ist der Missbrauch von Nikotin zur Befriedigung einer Nikotinabhängigkeit.
Anm.: Da selbst geringe Mengen des Aktiv- aber auch Passivrauchens schädlich ist muss man konstatieren, dass es keinen gesunden Nikotinkonsum gibt und somit Rauchen prinzipiell einen Abusus darstellt.

Für weitere Fragen steht zur Verfügung:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Public Relations und Klinikmarketing, Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43 (0) 662 4482-1007
Mobil: +43 (0) 699 1707 1007
Fax: +43 (0) 662 4482-1009
presse@salk.at, m.weinberger@salk.at

 

Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH | Müllner Hauptstraße 48 | A-5020 Salzburg
Telefon: +43 (0)5 7255-0 | Fax: +43 (0)5 7255-20199 | E-Mail: office@salk.at | © 2013-2016
Letzte Änderung: 29.09.2016 Impressum Datenschutz AGB
x schließen