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Fehl- oder Totgeburt: Abschied am Beginn des Lebens
Fehl- oder Totgeburt: Abschied am Beginn des Lebens

Fehl- oder Totgeburt: Abschied am Beginn des Lebens

Fehl- oder Totgeburt: Abschied am Beginn des Lebens
Die Universitätskliniken Salzburg betreuen und behandeln betroffene Frauen und Paare fürsorglich in medizinischer, psychologischer und seelsorgerischer Hinsicht.

Im Zentrum jeder medizinischer Anstrengung steht es, Menschen von ihren Schmerzen zu befreien, Krankheit zu heilen und  Leid zu lindern. Wenn der Tod am Ende aller Bemühungen unabwendbar ist, beginnt für die Hinterbliebenen die schwere Zeit des Trauerns. Verstirbt ein alter Mensch nach langem Leiden und einem erfüllten Leben, fällt es bei allem Schmerz den Angehörigen meist leichter, mit ihrer Trauer zurechtzukommen. Eltern, die ihr ungeborenes Kind verlieren oder schon bei der Geburt Abschied nehmen müssen, sehen sich einer Situation ausgesetzt, die kaum vorstellbar oder nachfühlbar ist. Deshalb unterstützt die Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Zusammenarbeit mit der Psychosomatischen Ambulanz und der Seelsorge des St.-Johanns-Spitals Betroffene in einer solchen Krisensituation, sowohl bei und nach einer pränatalen Diagnosestellung, während des Klinikaufenthaltes und wenn nötig auch danach auf höchst sensible und einfühlsame Weise.

„Meine Tochter Michaela starb am 12. März 2003 im Alter von 21 Monaten an einer Lungenentzündung in Folge einer sehr seltenen Lungenfehlbildung, die mit dem Down-Syndrom und einem Herzfehler in Zusammenhang gestanden haben dürfte.“ Die Mutter von Michaela Valentine Wimmer kennt die Trauer aus leidvoller Erfahrung, weiß aber auch, dass der Schmerz irgendwann ein Ende hat und das liebevolle Erinnern einsetzt.

Den Tod eines Kindes zu verarbeiten ist unendlich schwer
Wenn ein Baby stirbt, das die Familie kaum kennen lernen konnte, ist das Trauern unendlich schwer. Es gibt kaum gemeinsame Erlebnisse oder Erinnerungen mit dem Kind – die Umwelt reagiert aus Unwissenheit oder Angst vielfach mit Unverständnis. Umso wichtiger ist es, Müttern und Vätern von totgeborenen Kindern umfassende Unterstützung zukommen zu lassen. Mag. Gabriele Maierhofer berichtet, dass in diesen ersten Krisensituationen vor allem der aktuellen Lebenssituation, aber auch wichtigen lebensgeschichtlichen Ereignissen, Erfahrungen mit Krankheit und Tod und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten Beachtung geschenkt werden muss. „Es gibt keine richtige oder falsche Trauerarbeit, sondern nur verschiedene Möglichkeiten, die für jede Mutter und jeden Vater mit deren unterschiedlichen Bedürfnissen, Erfahrungen und Grenzen anders sein können – und dabei werden sie unterstützt und begleitet.“

In Salzburg sind rund 500 Mütter/Eltern pro Jahr von einem Schwangerschaftsverlust betroffen: „Natürlich ist die pränatale Diagnostik ein wichtiges Werkzeug, um Krankheiten des Feten schon im Mutterleib zu erkennen und im Idealfall auch heilen zu können. In manchen Fällen lässt uns das Wissen um den Zustand des ungeborenen Kindes aber machtlos zurück und die Nachricht vom Tod des Babys löst auch bei uns Ärztinnen und Ärzten große Betroffenheit aus“, berichtet Dr. Gerlinde Akmanlar-Hirscher von der Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Salzburg aus eigener klinischer Erfahrung. „Ob wir dann eine Curettage in Vollnarkose durchführen müssen oder das Kind auf natürlichem Weg geboren wird, hängt von der Schwangerschaftsdauer und der Größe des Kindes ab. Die Mütter werden jedenfalls nicht auf der Wochenbettstation untergebracht und wir bemühen uns, die Zeit im Kreissaal so kurz wie möglich zu halten. Jeder Schritt wird mit den Eltern genau besprochen, damit zu dem Schmerz nicht vermeidbare Unsicherheit kommt.“

Eine aktiv erlebte Geburt ist für die Verarbeitung der Gefühle besser als ein Kaiserschnitt
Der Gedanke an eine bevorstehende Geburt ist für viele betroffene Mütter unvorstellbar. Die Angst vor Schmerzen, die bei einem toten Kind nicht durch den ersten Schrei wieder wettgemacht werden, vor Fehlbildungen und dem endgültigen Loslassen betäubt alle anderen Gedanken.
Der Prozess der Geburt kann aber auch die nötige Zeit gewähren, um den Abschied begreifbarer zu machen. „Nach einer Kaiserschnittgeburt, wie sie bei Frühgeborenen notwendig werden kann, wird manchmal das Geschehen wie ein Filmriss empfunden und der postpartale Verlust des Kindes bekommt dadurch eine noch unwirklichere Qualität“, erklärt die Geburtshelferin.
Auch wenn die Eltern bei oder nach der Geburt nicht in der Lage sind, sich vom Kind zu verabschieden, ist die Erinnerung nicht unwiederbringlich verloren, wie Dr. Akmanlar-Hirscher betont: „Im Kreissaal der Universitätsfrauenklinik fertigen die betreuenden Hebammen von jedem Baby ein Foto an, das sich Betroffene auch später noch abholen können. Auf Wunsch kann zusätzlich eine Andenkenkarte mit dem Fußabdruck des verstorbenen Kindes mitgenommen werden. Hebammen und ÄrztInnen unterstützen bei der Geburt und im Wochenbett Eltern dabei, geeignete Rituale für den Abschied zu finden.“

Mag. Elisabeth Sallinger-Leidenfrost von der Krankenhausseelsorge der Salzburger Universitätskliniken hat viele Mütter auf dem langen Weg hin zum Verarbeiten des Erlebten begleitet: „Eltern fragen in dieser Situation nach Möglichkeiten (nochmals) Abschied zu nehmen, wie es in einer Segnungsfeier, bei einer Beerdigung oder bei Gedenkfeiern, wie sie auch jährlich in der Taufkapelle der Frauenklinik stattfinden, geschehen kann.“

Trost und Hilfe in der Klinik, solange die Betroffene es braucht
Die Dauer des Spitalsaufenthaltes nach der Geburt oder dem medizinischen Eingriff wird von der Frau und ihrer körperlichen und seelischen Verfassung bestimmt. Die Klinik bietet für viele Betroffene und deren Angehörige einen geschützten Raum mit raschem Zugriff auf psychologische Hilfe. Auch nach der Entlassung nach Hause steht eine „Selbsthilfegruppe für trauernde Eltern“ mit monatlichen Treffen in der Psychosomatischen Ambulanz als Anlaufstelle zur Verfügung und PsychotherapeutInnen im niedergelassenen Bereich sind mit dem Team in der Klinik im Rahmen der „Initiative zur Begleitung trauernder Eltern“ vernetzt. Vor der Entlassung und auch noch nach einigen Wochen sollte in jedem Fall ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin stattfinden, bei dem alle offenen Fragen in Ruhe geklärt werden und medizinische Befunde (nach)besprochen werden können. Auch der Hausarzt/die Hausärztin sollte zur Unterstützung aufgesucht werden – er/sie kann begleitende Beschwerden wie Schlafstörungen, Infektanfälligkeit u.v.m. behandeln.

Der klinischen Psychologin ist es sehr wichtig, den Kontakt zu Frauen, die Hilfe benötigen, nicht zu verlieren. „Der natürliche Trauerprozess kann nach so einem großen Verlust in eine anhaltende depressive Verstimmung abrutschen, die dann längerer, eventuell auch medikamentöser Behandlung bedarf. Auch in Hinblick auf spätere Schwangerschaften bewährt sich eine sorgfältige ganzheitliche Betreuung, um die Schwangere dann emotional besser gestützt durch kritische Wochen begleiten zu können. Hier wirkt sich die gute Zusammenarbeit zwischen ÄrztInnen und PsychologInnen positiv aus.“

Auch in rechtlicher Hinsicht unterstützt das Team der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Salzburg
Hilfestellung bietet die Universitätsklinik auch bei rechtlichen Fragen nach dem Tod des Kindes – Dr. Akmanlar-Hirscher erklärt wie: „Viele Frauen schmerzt die formale Sprache, mit der der Rechtsstaat und auch manchmal die Medizin den Tod ihres Kindes beschreibt. Darum versuchen wir den Betroffenen die Termini zu erklären und auch schriftlich in einer ,Begleitbroschüre für trauernde Eltern’ darüber zu informieren. “Wird ein Kind lebend geboren und verstirbt nach der Geburt, haben die Mütter das Recht auf 8 bis12 Wochen Mutterschutz. Außerdem besteht eine Bestattungspflicht für die Eltern. Wird das Kind tot geboren oder kommt es zu einer Fehlgeburt, wenn das Kind also in einer frühen Schwangerschaftswoche noch im Mutterleib stirbt, besteht keine Bestattungspflicht und die Mutter hat Anspruch auf entsprechenden Krankenstand, den der Hausarzt nach Empfehlung der Klinik verschreiben und wenn nötig verlängern kann.

Nach der Entlassung beginnt die Trauerarbeit mit Hilfe von Familie, PsychologInnen und Selbsthilfegruppen
Mit der Entlassung aus dem Krankenhaus ist der lange Weg, den Mütter, Väter und auch Geschwister zu gehen haben, aber noch nicht abgeschlossen, vieles hat noch gar nicht begonnen. Die Psychologin Mag. Gabriele Maierhofer spricht aus Erfahrung: „Wenn die erste Benommenheit vorbei ist und die Gefühle wiederkommen, versuchen Mütter das Unbegreifliche zu ergründen und suchen nach Ursachen, die den Tod des Kindes verschuldet haben könnten. Nichts ist so schwer zu ertragen wie die Ungewissheit.“ In dieser Phase können auch Beziehungskonflikte entstehen. Deshalb ist es wichtig alle Gefühle und Phantasien anzusprechen.  Auch dafür kann manchmal professionelle Hilfe nötig werden.

Einen Ort zum Reden hat nach dem Tod ihrer Tochter auch Valentine Wimmer gesucht und Initiative ergriffen: „Im Winter 2003, als wir die schlimmste Trauer um den Verlust von Michaela hinter uns hatten, suchte ich einen Weg, betroffene Mütter und Väter aus dem Raum Salzburg zusammenzubringen und gründete die Gruppe ,Windrad’. Die Erfahrung, wie gut es tut, mit anderen Betroffenen über das Erlebte sprechen zu können, spornte uns dabei an.“

Inzwischen gestaltet die Gruppe halbjährliche Gedenkfeiern, die zu wichtigen Fixpunkten im Jahreskreis der Gruppenmitglieder wurden und bietet monatliche Gruppentreffen an. Das Engagement geht manchmal aber auch über diese festen Termine hinaus: „Manche Frauen besuchen mich zuhause, um Literatur auszuborgen oder weil sie dringend einen Gesprächspartner suchen. Wir haben auch schon Besuche im Krankenhaus gemacht oder bei Bedarf Kontakte zu SeelsorgerInnen oder TherapeutInnen hergestellt. Anderen wieder genügen einige E-Mails oder Telefonate.“

Väter trauern anders
Aber nicht nur die Mutter hat Trauerarbeit zu leisten, auch Väter müssen lernen, mit dem Verlust umzugehen. Sie werden bei der Klinikaufnahme ihrer Partnerin vom betreuenden Team motiviert, sich als Begleitperson mit aufnehmen zu lassen, um die Schwangere zu unterstützen. Aber auch die Begleitung durch eine enge Freundin oder andere nahe Angehörige hat sich bewährt. „Väter und Mütter trauern verschieden – es hat sich gezeigt, dass Männer in dieser schweren Zeit nach dem Verlust ihres Kindes sehr von der Hilfe in Eltern-Selbsthilfegruppen profitieren“, so die Psychologin.

Gedenkstätte für still geborene Kinder am Kommunalfriedhof Salzburg
Eine wichtige Erkenntnis zur Trauerarbeit hat auch Valentine Wimmer aus den Erfahrungen in der Gruppe Windrad gezogen: „Jede Familie hat ihren ganz persönlichen Weg zu trauern. Das kann ,miteinander darüber reden’, Musik hören, Tagebuch oder Gedichte schreiben, trommeln, musizieren, malen und basteln oder das Grab schmücken sein. Wichtig ist, diesen Weg zusammen zu finden und das braucht Zeit.“ Neben der Zeit für Trauer brauchen solche Gefühle auch einen Ort. Einem Ort wie der Gedenkstätte Kindergrabmal am Salzburger Kommunalfriedhof, die auf Initiative von Eltern errichtet wurde, fühlen sich Betroffene mit ihrem besonderen Schicksal nicht so alleine. Sie können dort andere Eltern treffen und vor allem wissen sie, wo ihr verstorbenes Kind bestattet ist. Mehrmals im Jahr werden dort Verabschiedungsfeiern für die Eltern der beigesetzten Kinder veranstaltet. (Link Stadt-salzburg/Kindergrabmal)

Ein eigener Name auch für stillgeborene Kinder
Auch wenn keine Bestattungspflicht besteht, können Eltern ihre verstorbenen Kinder auch in einem eigenen (Familien-)Grab bestatten lassen und so ein kleines eigenes Denkmal setzen. Die Seelsorgerin kennt die Bedürfnisse der Eltern: „Bei Tot- oder Fehlgeburten ist es für viele Eltern sehr befreiend, dem Kind einen eigenen Namen zu geben, bewusst von ihm Abschied zu nehmen und so das kurze Leben zu würdigen und  ihrer Liebe und Trauer einen Ausdruck zu geben.“
Alle Maßnahmen, die die Klinik, die Seelsorge, PsychologInnen und ÄrztInnen oder auch Selbsthilfegruppen wie Windrad anbieten können, sind Hilfestellungen, um ein positiv gestaltetes Weiterleben nach einem so frühen Verlust zu ermöglichen. Lebendige Trauer weist verstorbenen Kindern dann den Platz zu, der ihnen in einer emotional gesunden Familie entspricht.
Valentine Wimmer: „Zu akzeptieren, dass Trauer Zeit braucht, ist schwer, es kann aber Jahre dauern, bis der Gedanke an das Kind, das man nie kennen lernen durfte, nicht mehr schmerzt.“

Rückfragen an:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Public Relations und Klinikmarketing, Pressesprecherin
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