zurück
Sommersportstatistik 2006: Hohe Verletzungsgefahr bei Hobbyfussballern
Sommersportstatistik 2006: Hohe Verletzungsgefahr bei Hobbyfussballern

Sommersportstatistik 2006: Hohe Verletzungsgefahr bei Hobbyfussballern

Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der PMU
Sommersportstatistik: Hohes Verletzungsrisiko bei Hobbyfußballern

Salzburg. In der Saison 2005 wurden 1.995 Patienten nach einem Sportunfall in der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in Salzburg behandelt. Männer sind besonders gefährdet für Sportverletzungen – 8 von 10 Männern verletzen sich beim Sport. Die häufigsten Unfälle waren bei den gängigen Trendsportarten zu verzeichnen, jedoch nahezu jede zweite Sportverletzung ereignete sich beim Fußball. Diese Zahlen beweisen, dass nicht nur im WM- Jahr 2006 König Fußball sein Zepter fest in der Hand hält. Fußball ist eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der begeisterten Hobbysportler. Nicht nur bei 54,8% der Männer ist Fußball die Nummer eins, sondern auch bei 16,9% der Frauen, und rangiert dabei auf Platz 2 der beliebtesten Sommersportarten.  Doch gerade ungeübte Hobbykicker sind beim Fußball spielen einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Besonders die Gelenke der unteren Extremitäten, wie z.B. das Kniegelenk und Sprunggelenk sind gefährdet. Dabei fallen knapp 50% aller Sportverletzungen von Sommersportlern auf diese unteren Regionen des Körpers. Auch die Zahl an schweren Verletzungen erhöhte sich im Jahr 2005 im Vergleich zu 2004.

Allein 29,7% der Unfallopfer erlitten schwere Verletzungen, wobei sich die schwersten Verletzungmuster beim Klettern, Bergsteigen und Paragleiten ereigneten. „Nur durch ausreichende Kondition, Training, einen gewichts-bewussten Lebensstil und eine optimale Schutzausrüstung z.B. mit Helm und Gelenkschützer, lassen sich derart schwere Sportverletzungen weitgehend vermeiden.“ betont Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch, Vorstand der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sport-traumatologie und selbst begeisterter Hobbysportler.Seit vielen Jahren dokumentieren die Fachärzte für Unfallchirurgie- und Sporttraumatologie der Salzburger Landeskliniken Verletzungsmuster und -ursachen im Sommersport. Kombiniert mit den Daten der Sportartikelindustrie lassen sich interessante Trends über das Sportverhalten und die Gefährlichkeit der einzelnen Disziplinen erkennen.

Fußball: 44% aller Sportunfälle beim beliebten Ballsport
Besonders der beliebteste Ballsport Fußball birgt ein hohes Verletzungsrisiko. Bei 44,4% der behandelten Patienten wurde als Verletzungsursache Fußball festgestellt, während sich die Zahl der Verletzungen beim ebenfalls sehr beliebten Sport „Radfahren“ im Vergleich zu 2004 etwas verringern konnte.  Besonders häufig fanden sich die Verletzungen dabei bei den Männern mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren. Getragene Schutzbekleidung verringert zwar die Schwere der Verletzung, jedoch trugen ein Drittel der Unfallopfer Schienbein und/oder Knieschützer.

Typischerweise waren besonders Fuß- und Kniegelenke betroffen – davon vor allem Band- und Meniskusverletzungen am Knie sowie Knöchelfrakturen. Einmal mehr zeigt sich auch, dass es nicht die schlecht trainierten Fußballer sind, die einem besonders hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt sind. Mehr als 80% der Verletzten hatten einen guten und mittelmäßigen Trainingszustand. Die Schwere der Unfälle waren mit 70% im Bereich der leichten oder mittelschweren Verletzungen zu verzeichnen, wobei die meisten Patienten ambulant behandelt werden konnten (95,7%). Neben König Fußball, konnte auch 2005 Radfahren einen zweiten Platz im Beliebtheits-Ranking der Top-10 Sportarten erreichen. Mit 23,4% der Fahrradverletzten ist jedoch die Straße nach wie vor ein „gefährliches Pflaster“ für Rad- und Rollschuhfahrer. Dabei ist nicht das Radfahren selbst die Gefahrenquelle – immer mehr Radbegeisterte verletzen sich abseits der Straße, z.B. in sperrigem Gelände und auf stark befahrenen Radwegen. Mit insgesamt 54 Verletzten ist die Zahl der Skate-Unfälle im Vergleich zum Vorjahr zwar etwas gestiegen, aber durch vermehrten Schutz der Inline-Skater und Skateboarder relativ gering. Das Sicherheitsbewusstsein lässt bei Radfahrern jedoch noch sehr zu wünschen übrig. Der Schutzhelm erfreut sich bei Radfahrern nach wie vor wenig Beliebtheit.  Dabei wäre es angesichts der großen Zahl an Verletzten so wichtig, dass  Schutz zur Selbstverständlichkeit wird. Besonders wenn man bedenkt, „dass ein Sturz vom Fahrrad bereits ausreicht, um einen Schädelbruch mit fatalen Folgen zu erleiden“, so Dr. Clemens Hübner, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie.

Ballsport, Kampfsport und Laufen als Trendportarten 2005.
Während das Sicherheitsbewusstsein bei den Inline-Skatern eine erfreuliche Trendwende nach oben zeigt, nehmen Verletzungen in den „neuen“ Trendsportarten deutlich zu.Fußball bekommt auch durch andere Ballsportarten Konkurrenz. So avancierte Basketball neben Volleyball zur neuen Trendsportart, die besonders bei den unter 30-Jährigen eine deutliche Zunahme in der Beliebtheitsskala zeigt. Dies wird jedoch auch in der Unfallstatistik sichtbar: Mit 9,3% aller Sportunfälle rangiert Ballsport (ohne Miteinbeziehung der Verletzungen durch Fußball) auf Platz 3 der Sportunfälle.  Eine weitere Sportart, der für einen auffälligen Anstieg in der Unfallstatistik der Trendsportarten 2005 sorgt ist der ´Kampfsport´. Kampfsport setzt nicht nur den Einsatz von Kraft voraus, sondern erfordert auch die Kontrolle und den Einklang mit seinem Körper. Dies zu Lernen ist besonders für ungeübte Anfänger sehr schwierig. Denn intelligenter Krafteinsatz und Konzentration will gelernt sein. So ereignen sich immer wieder Verletzungen, die sich durch wachsende Beliebtheit diverser Kampfsportarten auch in der Zahl der zu behandelnden PatientInnen niederschlägt.
Auch der Trendsport ´Laufen´ trägt besonders für ungeübte ein hohes Verletzungsrisiko in sich. Besonders die Phase vor Beginn des Laufens ist sehr wichtig. Richtiges Aufwärmen zu Beginn verringert die Gefahr einer Verletzung bereits erheblich.

Der junge Erwachsene als typischer Sportpatient
Im Jahr 2005 versorgten die Mediziner der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in den Salzburger Landeskliniken im vergangenen Jahr 1995 PatientInnen, davon waren 1670 Patienten Männer und lediglich 325 Frauen, mit einem Altersdurchschnitt bei den Männern von 28,5 Jahren und bei Frauen von 31,5 Jahren. Dies beweist einmal mehr den Trend, der männlich dominierten Geschlechterverteilung bei Sportunfällen, der bereits 2004 zu verzeichnen war. Der typische Sportpatient ist der junge Erwachsene. Kinder bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahr werden in der Regel nicht an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie, sondern an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelt. Als mögliche Ursache für die vielen Verletzungen bei den bis 30-jährigen, könnten auch die bevorzugten Sportarten sein. Während sich bei den über 30-Jährigen Sportarten, wie Wandern, Radfahren, Tennis, Bergsteigen und Schwimmen großer Beliebtheit erfreuen, sind es bei den unter 30-Jährigen besonders verletzungsträchtige Sportarten, wie Fußball, Kampfsport, Volleyball, Basketball und Turnen, die für die große Patientenanzahl verantwortlich ist. Erfreulicherweise konnte im Vergleich zu 2004 eine Verringerung der Verletzungen bei den über 60-jährigen PatientInnen verzeichnet werden. Lag der Prozentanteil der Verletzungen bei über 60-Jahren 2004 noch bei 10%, wurden im Jahr 2005 lediglich 3,7% in der Universitätsklinik behandelt.

Mehr als die Hälfte aller Sportunfälle ereignen sich zwischen 16.00 und 20.00 Uhr
Bezüglich des Unfallzeitpunktes konnte auch wie in den Vorjahren ein Verletzungsgipfel in den frühen Nachmittags- und frühen Abendstunden verzeichnet werden. Besonders die Zeit von 16.00 Uhr und 20.00 Uhr gilt als besonders verletzungsgefährlich. Mehr als die Hälfte der Unfälle ereignen sich in den frühen Nachmittags- und Abendstunden. Von den insgesamt 1995 Sportunfall-Patienten 2005 konnten 1763 ambulant behandelt werden, lediglich 232 Patienten mussten stationär aufgenommen werden. Davon konnte bei 56% der stationär aufgenommenen PatientInnen ein operativer Eingriff nicht verhindert werden.

Vorsorge ist besser als Nachsorge: Kondition, Übergewicht und Schutzausrüstung
Auch im Jahr 2005 ist die Anzahl der Sportler, die sich für den Schutz ihres Körpers durch spezielle Ausrüstung entschieden haben leicht gestiegen. Insgesamt 37% der PatientInnen die in der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie behandelt wurden, trugen eine Schutzausrüstung. „Viele der von uns behandelten Sportverletzungen und Unfälle ließen sich mit geeignetem Schutz vermeiden.“ so Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch. Denn die Zahl der PatientInnen die keinen Schutz trugen ist hoch – 63% verzichteten auf Schutzmaßnahmen bei ihrer sportlichen Betätigung. Doch nicht allein die Verwendung von Schutzbekleidung reicht aus, um sich und seinen Körper vor Verletzungen zu schützen. Entsprechende Trainingsmaßnahmen und Konditionsaufbau tragen zusätzlich erheblich zu einer Senkung des Unfallrisikos bei. Dazu gehört auch eine wahrheitsgetreue Selbsteinschätzung. Von allen Befragten schätzten rund 35% ihre sportliche Kondition als Sehr gut und Gut ein, 44% als Mittelmäßig und 15% als schlecht ein. Lediglich 6% machten keine Angabe. Handlungsbedarf besteht vor allem im Aufbau der Kondition.
Es zeigte sich, dass bei den Gruppen mit mittlerer und schlechter Kondition der prozentuelle Anteil an mittleren und schweren Verletzungen erhöht war. Bei der Gruppe mit sehr guter Kondition dominierten hingegen die leichten Verletzungen. Auffällig ist zudem auch ein Zusammenhang zwischen Gewicht und Schwere der Verletzung. Vergleicht man den Body Mass Index (kurz: BMI) der verletzen Sportler mit der Schwere ihrer Verletzungen, so zeigt sich dass das Risiko einer schweren Verletzung mit steigendem BMI zunimmt.

 

Rückfragen an:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Public Relations und Klinikmarketing, Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43 (0) 662 4482-1007
Mobil: +43 (0) 699 1707 1007

Fax: +43 (0) 662 4482-1009
presse@salk.at, m.weinberger@salk.at

 

Bilder

Erstbehandlung Sport Statistik Fussball Verteilung

Download

Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH | Müllner Hauptstraße 48 | A-5020 Salzburg
Telefon: +43 (0)5 7255-0 | Fax: +43 (0)5 7255-20199 | E-Mail: office@salk.at | © 2013-2016
Letzte Änderung: 29.09.2016 Impressum Datenschutz AGB
x schließen