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Wintersportverletzungsstatistik 2005/2006
Wintersportverletzungsstatistik 2005/2006

Wintersportverletzungsstatistik 2005/2006

Wintersportstatistik 2005/2006
- der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie,
- der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie
- und der Universitätsklinik für Physikalische Medizin.

Fehleinschätzung und fehlende Schutzkleidung sorgten 2005/06 für zahlreiche Pistenverletzungen

Salzburg. Auch wenn sich der kalte Winter mit seinen verschneiten Landschaften in weiten Teilen des Landes erst sehr zaghaft bemerkbar macht, so wird er dennoch in dieser Saison wieder zahlreiche Wintersportfreudige auf die Pisten und gespurten Loipen locken. Allerdings gehen Experten auch in diesem Jahr davon aus, dass für so manch motivierten Wintersportler das Skivergnügen und der Spaß im Schnee mit einem Besuch in den Unfallabteilungen der Spitäler enden wird. Zu wenig Training, Übergewicht und fehlende Schutzkleidung sind nur drei der zahlreichen Faktoren, die immer wieder zu teils schweren Verletzungen führen. In der Wintersaison 2005/06 stieg die Zahl der verunglückten Hobbysportler sowie Kinder und Jugendliche, die in der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sportraumatologie und in der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelt werden mussten, erheblich. Seit Jahren dokumentieren die Unfallchirurgen in den Salzburger Landeskliniken die Verletzungsmuster und –
ursachen im Wintersport. Erstmals liegen jetzt auch Zahlen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie vor. Kombiniert mit den Daten der Sportartikelindustrie lassen sich interessante Aussagen über das Sportverhalten und die Gefährlichkeit der einzelnen Disziplinen tätigen.

Genau 640 Wintersportler mussten in der Saison 2005/06 an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der Salzburger Landeskliniken behandelt werden, wie die Statistik der Klinik zeigt. „Mussten im Vorjahr rund 120 Personen weniger behandelt werden, ist die Zahl der Patienten heuer leider wieder etwas gestiegen. Die Häufigkeit an Verletzungen zeigt, dass viele Wintersportler ihr Können noch immer sehr unvorsichtig unter Beweis stellen. Viele Unfälle wären mit der richtigen Schutzkleidung und der richtigen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten mit Sicherheit zu vermeiden gewesen“, betont Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch, Vorstand der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie.

Verletzungshäufigkeit – Skifahrer und Snowboarder immer noch Nummer 1

Der mit Abstand größte Teil der Wintersportverletzungen – fast 90 % – ist in der vergangenen Saison auf Unfälle beim Skifahren oder Snowboarden zurückzuführen. Vergleichweise niedriger ist das allgemeine Verletzungsrisiko beim Rodeln. Nur etwa 6 % der zu behandelnden Verletzungen war auf diese Sportart zurück zu führen. Dennoch waren es mit 40 Personen fast doppelt so viele, wie in der Vorsaison. Auch die Intensität der Verletzungen hat in dieser Sportart im Vorjahr einen neuen Rekord verzeichnet. Etwa 26 % erlitten im vergangenen Winter bei der Kollision mit den Pistenbegrenzungen und Banden schwere Verletzungen. Weniger gefährlich leben dagegen die Langläufer. Auf den Loipen verunglückten in der vergangenen Saison lediglich elf Personen, wovon nur zwei Patienten stationär behandelt werden mussten. Und auch die Eislaufbegeisterten fielen in der Statistik eher mit geringen Verletzungen auf. „Natürlich sind die Skifahrer und Snowboarder schon aufgrund ihrer großen Anzahl in unserer Statistik führend. Nach wie vor gehen die Männer im Sport mehr Risiko ein und müssen diese Überschätzung ihres Könnens vermehrt mit schweren Verletzungen bezahlen. 60 % der verunglückten Pistenstürmer waren im vergangenen Jahr männlich und knapp 21 % der Behandelten trugen schwere Verletzungen davon“, resümiert Resch. Doch obwohl die Männer auch in diesem Jahr bei der Häufigkeit und Intensität der Unfallverletzungen die Nase vorn haben, zeigt sich mit 37,5 % schweren und rund 3 % der schwersten Verletzungen auch eine steigende Tendenz an Unfallverletzungen beim weiblichen Geschlecht.

Wintersportrisiko – Kinder unterschätzen Geschwindigkeit und Pistenschwierigkeit

Zu denken geben sollte außerdem der hohe Anteil von Wintersportverletzungen im Kindesalter. Mit etwa 70 % sind auch hier Ski- oder Snowboardunfällen die häufigste Verletzungsursache. „In der vergangenen Saison mussten wir 51 junge Wintersportler stationär aufnehmen und 228 Kinder ambulant behandeln“, weiß Univ.-Prof. Dr. Günther Schimpl, „davon konnten 206 Behandlungen auf Ski- und Snowboardverletzungen zurück geführt werden. Kinder unterschätzen leider generell ihre Geschwindigkeit und auch ihr eigenes Können“, so Prim. Univ. Prof. Dr. Günther Schimpl, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Am häufigsten müssen neben Prellungen, Zerrungen und Bandrisse am Knie-, Hand- und Schultergelenk, auch viele Brüche von Armen und Beinen in der Kinder- und Jugendchirurgie behandelt werden, die die Folge von Stürzen oder Kollisionen mit anderen Pistensportlern sind. Auch im Eislaufsport ist das Verletzungsrisiko bei den jungen Patienten ungleich größer als bei den Erwachsenen. „Die Kinder fallen je nach Fahrvermögen in den Anfangsstadien vorwiegend nach hinten und verletzten sich so am Kopf oder in späterer Folge, wenn sie an Fahrkönnen zulegen, beim Sturz nach vorne die Knie und Hände“, so der Experte. 27 Fälle von Verletzungen an den Extremitäten, Gehirnerschütterungen sowie Prellungen waren die Folge solcher Stürze. Eltern sollten deshalb beim Erlernen der Sportart aktive Hilfeleistung geben und auch die Ausrüstung ihrer Kinder regelmäßig kontrollieren.

Übergewicht und fehlende Fitness werden zunehmend zum Problem

Pistenverhältnisse und persönlicher Trainingszustand haben großen Einfluss auf Art und Schwere der Verletzungen. So verunglückten 2005/06 über 45 % im Pulver- oder Nassschnee, richtig ernst wurde es für die Gestürzten meist bei eisigen Verhältnissen. Die Mehrheit der Stürze auf Eis zogen schwere Verletzungen nach sich. Ein großes Risiko stellt die teilweise schlechte körperliche Fitness der Wintersportler dar: „Übergewichtige und Untrainierte tragen ein hohes Verletzungsrisiko. In der vergangenen Saison litten fast 37 % der behandelten Alpinskifahrer an Übergewicht und das wirkt sich natürlich auch auf die Art der Verletzungen aus. Rutschen Skifahrer auf dem Eis aus, ziehen sie sich durch die Last des eigenen Körpergewichtes vermehrt Verletzungen an Schulter, Rumpf oder Kopf zu“, erklärt OA. Dr. Clemens Hübner. Auch die Snowboarder holen bei diesem traurigen Wettrennen auf. Immerhin 10,7 % der verletzten Boarder kämpften mit zu vielen Kilos.

Unfallhäufigkeit steigt am Nachmittag

Gerade um die Mittagszeit und zwischen 15 und 16 Uhr steigt die Gefahr für Skifahrer und Snowboader, sich durch Stürze Verletzungen zuzuziehen. Dies hängt von zwei Komponenten ab: Zum einen von der Frequenz auf den Pisten zum anderen auch von der zunehmenden Ermüdung. Auch der Konsum von Alkohol und mangelnde Konzentration wirken sich auf der Piste eher negativ aus. Generell sollte wie im Straßenverkehr gelten: „Don’t drink and drive!“

Wintersport mit Köpfchen bedeutet fahren mit Helm

Gleich geblieben ist leider auch das geringe Bewusstsein für eine angemessene Schutzbekleidung. Obwohl die Kopfverletzungen in der letzten Saison nicht wesentlich gestiegen sind, raten die Spezialisten dennoch zu einer stärkeren Verwendung eines Helmes. „Es sind in erster Linie Kopfverletzungen, die im Regelfall sehr ernste Konsequenzen haben. Leider fahren immer noch fast 92 % der Skifahrer und fast 91 % der Snowboarder ohne Helm“, weiß Dr. Clemens Hübner. Überraschend ist, dass die Wirbelsäulenverletzungen bei Snowboardern, trotz dem plus an getragenen Rückenprotektoren, gleich geblieben sind. Das zeigt die Statistik: „Etwa 12 % der Snowboader benutzen mittlerweile spezielle Rückenprotektoren als Wirbelsäulenschutz“, so Prim. Univ.-Prof. DDr. Anton Wicker, Vorstand der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation. Weniger erfreulich sind die Zahlen bei den Handgelenksverletzungen: Waren es in der Saison 2004/05 nur etwa 5 % der Snowboarder, die sich mit so einer Verletzung auseinander setzen mussten, so wurde heuer ein Anstieg auf 14,3 % verzeichnet. „Diese Verletzungen könnten gut durch das Tragen passender Gelenksschoner verhindert werden“, betont Prof. Wicker. Knie- und Schulterverletzungen waren auch in der Saison 2005/06 mit 19,5 % und 16,9 % die absoluten Spitzenreiter bei den Boarder-Verletzungen.
Ebenfalls anhaltend ist die Geschlechterverteilung bei den Snowboardern. Zwar ist der Frauenanteil unter den Snowboadern im Vergleich zur vorhergehenden Saison wieder auf knapp 30 % gestiegen, tendenziell ist aber ein leichter Rückgang der snowboardenden Frauen zu verzeichnen. In der vergangenen Saison lagen die Damen sowohl im Bereich der leichten, der mittleren als auch der schwerwiegenden Verletzungen noch vor ihren männlichen Kollegen.

Präventionsstrategie – Vorrauschauendes Fahren und gute Vorbereitung

Viele dieser Verletzungen können schon im Vorfeld vermieden werden, wie auch Prim. Univ. Prof. Dr. G. Schimpl abschließend betont, „Eltern und Kindern sollten sich vernünftig auf die bevorstehende Wintersaison vorbereiten und auch die Winterausrüstung rechtzeitig überprüfen lassen.“ Helme, Protektoren und Gelenkschützer vermindern das Risiko von folgenschweren Verletzungen. Bei aller Pistenfreude muss außerdem für Jung und Alt ein wichtiger Grundsatz gelten: Pausen sind unumgänglich. Denn Überforderung und Erschöpfung erhöhen die Unfallgefahr und können so das winterliche Vergnügen – mit einer Abfahrt in die Notfallambulanz – oft vorzeitig beenden.

 

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Mag. Mick Weinberger
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