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Erfolgreiche Suizidprävention in Salzburg
Erfolgreiche Suizidprävention in Salzburg

Erfolgreiche Suizidprävention in Salzburg

Erfolgreiche Suizidprävention in Salzburg
In den letzten 40 Jahren haben sich in Salzburg noch nie so wenig Menschen das Leben genommen, wie 2006.
Im Sonderauftrag für Suizidprävention an der CDK werden nicht nur suizidgefährdete Menschen stationär behandelt, das Team um PD Dr. Reinhold Fartacek leistet seit 2000 im Auftrag des Landes Salzburg auch eine bundeslandweite Präventionsarbeit.

SALZBURG. Viele Jahre zählte das BL Salzburg zu den Regionen in Österreich mit der höchsten Suizidrate. Diesem Umstand wurde von der Landesregierung nach entsprechenden Vorarbeiten Rechnung getragen und im Jahr 2000 ein Projekt in Auftrag gegeben, dessen Ziel die Senkung der Suizidrate im BL Salzburg ist. 

Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller
"Salzburg war noch in den 90ern im traurigen Spitzenfeld bei den Selbstmorden. Darauf hat mein Vorgänger LH-Stv. Gerhard Buchleitner im Jahr 2000 reagiert und ein umfangreiches Präventionsprojekt in die Hände von Prim. Dr. Reinhold Fartacek gelegt. Mit viel Aufklärungsarbeit und Engagement konnte die Selbstmordrate kontinuierlich gesenkt werden. Heute blicken wir auf ein erfolgreiches Projekt, das wesentlich dazu beigetragen hat, dass weniger Salzburgerinnen und Salzburger den Suizid gewählt haben. Ein wichtiger anderer Faktor ist die flächendeckende Besetzung von 8 Stellen für Kassenfachärzte für Psychiatrie und Neurologie, die von der Salzburger Gebietskrankenkasse ebenfalls ab dem Jahr 2000 vorgenommen wurde. Die extramurale Versorgung für psychisch Kranke wurde spürbar verbessert und davon haben viele kranke Menschen profitiert.
Mit Finanzmitteln in Höhe von mehr als 550.000 Euro konnten die Suizide deutlich gesenkt werden. Waren es Mitte bis Ende der 90 er Jahre noch mehr als 700 Selbstmorde, so lag diese Zahl in den letzten 5 Jahren unter 580, wobei jedes einzelne Schicksal äußerst tragisch ist. Diese Verminderung um 20% erfüllt die Zielsetzungen des Landesgesundheitsziels "Reduzierung psychischer Erkrankungen" sehr gut. Ich danke Prim. Dr. Fartacek für seine hochprofessionelle Projektleitung und seinem ganzen Team für die hervorragende Arbeit", so Gesundheitsreferentin und Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller.

Suizidraten (SR = Suizide auf 100.000 Einwohner)
Österreich : BL Salzburg

Kommentar: In den letzten 36 Jahren lag die Suizidrate des BL Salzburg meist  deutlich über der Suizidrate Österreichs. Dieses Bild hat sich seit Beginn der kontinuierlichen Präventionsarbeit positiv verändert. Vergleicht man die Perioden 1995 – 2000 (722 Suizide in Salzburg)und  2001 – 2006 (573 Suizide) so finden wir einen Rückgang von 20 Prozent (149 Suizide weniger als im Vergleichszeitraum). 

Suizide BL Salzburg: Absolute Zahlen

Kommentar: Es ist auffällig, dass die Suizidraten in der Nachkriegszeit bis Ende der Sechziger-Jahre auffallend niedrig sind, dann bis Mitte der Achziger-Jahre stark zunehmen, um dann wieder zu sinken. Dazu gibt es Erklärungsansätze aus verschiedenen Blickwinkeln.

Inhaltliche Schwerpunkte der Suizidprävention (zusammengefasst von R. Fartacek):
Bewusstmachung des Themas Suizid und Suizidprävention in der Bevölkerung (Awareness)

  • Öffentlichkeitsarbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen, z.B. Behandlung der Thematik im Rahmen der Erwachsenenbildung, der Aktion „Gesunde Gemeinde“, sowie auf Anfrage unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen.
  • Darstellung des wichtigen Stellenwerts der mitmenschlichen Hilfe noch vor der professionellen Hilfe. Der Mitmensch ist oft ein wesentlicher Vermittler in Richtung der professionellen Hilfe.

Dr. Markus Schwarz: „Das öffentliche Gesundheitswesen befindet sich in einem kontinuierlichen Prozess der Wandlung. Bis vor nicht allzu langer Zeit widmeten sich Krankenhäuser fast ausschließlich der stationären Behandlung von Patienten. Um die Jahrtausendwende setzte man sich auch im KH-Bereich immer mehr mit Gesundheitsförderung und Prävention auseinander. Nachdem das Projekt „Suizidprävention Salzburg“ so erfolgreich gestartet war, wurde es mit 2005 an der CDK übernommen. Damit wurde es möglich, für den Spezialbereich Suizid/Suizidprävention alle wesentlichen Angebote von Prävention bis zur stationären Behandlung aus einer Hand anzubieten. Damit ist es gelungen, in unserem Universitätsklinikum diesen hochspezialisierten Bereich zu etablieren. Die Arbeit erfolgt in gelebter Vernetzung mit Einrichtungen, die wichtige Partner für die Suizidprävention darstellen. Dies führt zu einer konkreten Zusammenarbeit zwischen Klinikum und außerklinischen psychosozialen Einrichtungen.  Ein logischer Schritt bestand auch darin, ein Forschungsprogramm für Suizidprävention im Public Health Institut einzurichten, in dessen Rahmen Präventionsforschung auf breiter Basis erfolgt.

Verbesserung der Versorgung von Risikogruppen

  • Weiterbildung unterschiedlicher Helfer, die mit suizidgefährdeten Menschen in Kontakt treten. Im Rahmen von Weiterbildungsveranstaltungen werden bestehende pychosoziale Einrichtungen im Umgang mit Suizidgefährdeten geschult, insbesonders dem Aspekt der Vernetzung wird dabei Priorität eingeräumt.
  • Förderung der Vernetzung im psychosozialen Bereich.
  • Ausbau und Dezentralisierung der psychiatrischen Versorgung. Im Projektzeitraum wurden im Bundesland Salzburg zehn Planstellen für niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie neu geschaffen, in denen besonders Patienten mit schweren psychischen Störungen langfristig behandelt werden können.

Teils große Weiterbildungsprojekte wurden mit folgenden Zielgruppen durchgeführt:

  • Niedergelassene Ärzte für Allgemeinmedizin, Fachärzte für Psychiatrie
  • Krankenhausärzte
  • Psychotherapeuten
  • Fachhochschule für Sozialarbeit
  • Priester, Diakone, Pastoralassistenten
  • Jugendämter, Jugendzentren, Jugendwohlfahrt
  • Altenbetreuungseinrichtungen
  • Angehörigenvereinigungen, Selbsthilfegruppen, Hinterbliebene nach Suizid.
  • Polizei: 60 Prozent der außerhalb der Stadt Salzburg tätigen Polizisten nahmen teil (Rohrer & Fartacek, 2004).
  • Schüler und Eltern
  • Lehrerfortbildung

Prof. Christoph Stuppäck: Ein Suizid stellt den tragischsten Ausgang einer schweren psychischen Erkrankung dar. Wir wissen, dass sich bis zu 12 Prozent der Menschen, die an einer schweren Depression leiden, sich das Leben nehmen. Auch bei anderen psychischen Erkrankungen wie der Schizophrenie, Substanzabhängigkeit und schweren Persönlichkeitsstörungen besteht ein Risiko hinsichtlich suizidaler Handlungen. Es geht also darum, im Rahmen unserer Forschungen Konzepte zu entwickeln, suizidgefährdete Menschen und ihre Bezugspersonen immer besser zu erreichen und sie für eine unter Umständen lebensrettende Behandlung zu gewinnen. Ich halte es deshalb für eine erfreuliche Entwicklung, dass in den letzten Jahren im SA für Suizidprävention an der Univ. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie alle Handlungsebenen der Suizidprävention etabliert werden konnten. Die vorliegenden Daten bestärken uns darin, diesen erfolgreichen Weg fortzusetzen. In zahlreichen Publikumsveranstaltungen, die Reinhold Fartacek und ich gemeinsam im BL Salzburg durchgeführt haben, konnten wir das wachsende Interesse der Bevölkerung für diesen Bereich erfahren. Es erfüllt uns mit Freude, dass wir den Bereich Suizidprävention in Österreich bisher exklusiv an unserem Universitätsklinikum errichten konnten.  

Primärprävention und regionale Gesundheitsförderungsprojekte

  • Projekt Suizidprävention Großarltal· Enge Zusammenarbeit mit den lokalen Trägern der Prävention (Koordination Dr. R. Greil, M. Rohrmoser)
  • „Antistresstraining“ in allen Volksschulen (Grundschule für sechs- bis zehnjährige Kinder)
  • Von Eltern und Lehrern gewünschte Ausdehnung des Programms auf die Hauptschule in Form des Lebenskompetenzprogramms „Erwachsen werden“
  • Evaluation der primärpräventiven-/gesundheitsfördernden Maßnahmen im Großarltal
  • Kooperation mit den Schulbehörden und den Pädagogischen Hochschulen in Richtung eines flächendeckenden Präventionsprogramms „Körperliche und psychische Gesundheit für junge Menschen“

PD Dr. Reinhold Fartacek: „Das Pilotprojekt im Großarltal ist für die Entwicklung der Prävention in Schulen von enormer Wichtigkeit. Unter der Federführung von  Dr. Martin Plöderl, Klin.- und Gesundheitspsychologe, werden alle im Großarltal gesetzten Maßnahmen sorgfältig evaluiert, um die Schulbehörde mittelfristig beraten zu können, wie es gelingen kann, präventive Maßnahmen in Schulen zu setzen, die von Inhalt und Struktur  her betrachtet eine Chance bieten, flächendeckend eingesetzt zu werden. Das Problem besteht derzeit ja darin, dass Prävention für junge Menschen hauptsächlich von interessierten Schulen mit gut funktionierenden  Kommunikationsstrukturen angeboten werden, man aber von einer Flächendeckung weit entfernt ist.

“Blick in die Zukunft (R. Fartacek)
In den nächsten Jahren erfolgt eine Fokussierung auf folgende Schwerpunkte:
Forschung:

  • Wahl von Suizidmethoden im Zusammenhang mit psychischer Erkrankung, Impulsivität und Aggressivität (Katamnestische Weiterbeobachtung von 300 Patienten).
  • Suizidversuch und Anpassungsstörungen (unter Einbeziehung der psychotraumatologischen Forschung)
  • Verstärkte Berücksichtigung des Gender – Aspektes in der Forschung und Prävention.

Praktische Prävention:

  • Gemeinsam mit dem Regisseur Wolfgang Haberl Produktion eines 30-minütigen Kurz – Spielfilms zur Verwendung in der Schulprävention. Gemeinsam mit den Pädagogischen Hochschulen Erarbeitung eines altersspezifischen Begleitmaterials zum Film für Lehrer, Schüler und Eltern.
  • Produktion einer 90-minütigen Filmdokumentation mit dem Titel „Das verlorene Paradies“ – Regie Mag. Petra Hinterberger für die Zielgruppe Erwachsene unterschiedlichen Alters.

Beide Filme sollen im ersten Halbjahr 2008 fertig gestellt werden. In beiden Filmen wird darauf Bedacht genommen, die Chancen in Richtung Suizidverhütung  aufzuzeigen. Letztlich geht es darum, Klischees wie „für Jemanden, der vorhat, sich das Leben zu nehmen, gibt es keine Hilfe“ oder „jemand, der mit Suizid droht, der tut es nicht´“ in Frage zu stellen.

Suizid: Endgültige Lösung für ein vorübergehendes Problem!

Dieser Satz beschreibt die Tragödie von Menschen, die in ihrer Verzweiflung keinen anderen Ausweg sehen, als sich das Leben zu nehmen. Die Ursache ist fast immer eine schwere psychische Erkrankung, oft im Zusammenhang mit einer als ausweglos wahrgenommenen Lebenskrise. In dieser Situation schwindet die Hoffnung, Alles könnte wieder besser werden.Der Erfolg unserer bisherigen Bemühungen in der Suizidprävention ermutigt uns, mit unserem Team eine positive Entwicklung weiter voranzutreiben.

Literaturhinweis:
Für speziell Interessierte liegt bei der PK ein Buchartikel auf: R. Fartacek, R. Rohrer, A. Nindl, M. Plöderl, U. Aistleitner, M. Moser-Premm, E. Buttler-Schück, D. Lang, M. Nickel (2007): Von der Krisenintervention in der Psychiatrischen Klinik zur bundeslandweiten Suizidprävention in Salzburg. In: F.M. Wurst, R. Vogel, M. Wolfersdorf (Hg.): Theorie und Praxis der Suizidprävention. Roderer-Regensburg, 2007, S. 176-191

 

Rückfragen an:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Public Relations und Klinikmarketing, Pressesprecherin
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