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Erfolgsstory - Ich geHÖRE wieder dazu - Cochlea-Implantat-Modell in Salzburg
Erfolgsstory - Ich geHÖRE wieder dazu - Cochlea-Implantat-Modell in Salzburg

Erfolgsstory - Ich geHÖRE wieder dazu - Cochlea-Implantat-Modell in Salzburg

Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten:
Erfolgsstory: Ich geHÖRE wieder dazu – Cochlea-Implantationen in Salzburg

SALZBURG. Die Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten am Landeskrankenhaus Salzburg – Universitäts-klinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität - ist seit vielen Jahren ein Kompetenzzentrum für alle operativen und konservativen Behandlungen im Bereich der Hals-, Nasen- und Ohren-Heilkunde, einschließlich von gut- und bösartigen Tumoren der Schädelbasis und der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie. Darüber hinaus ist die Universitäts-HNO-Klinik neben dem AKH in Wien das größte Zentrum für Cochlea-Implantationen bei gehörlos geborenen bzw. hochgradig schwerhörigen oder ertaubten Kindern und Erwachsenen in Österreich. Im Unterschied zum Hörgerät, welches nur akustische Signale verstärkt, ersetzt das Cochlea-Implantat die Funktion des Innenohres und bietet damit auch nach Ausfall der „Hörschnecke“ völlig tauben Menschen wieder eine Chance zu Hören. "Die Cochlea Implantate sind Wunderwerke der Medizin – hier ersetzt ein Minicomputer erstmals – zumindest teilweise – die Funktion eines Sinnesorganes. Ich sage Danke im Namen all der Betroffenen, für die Sie in die Mauer der Stille eine Bresche schlagen." betont Gesundheitsreferentin Burgstaller. Nur durch die Zusammenarbeit eines eingespielten Teams von Spezialisten der verschiedensten Bereiche ermögliche das Durchbrechen dieser "Schallmauer", so Burgstaller weiter. Gerade für hörbehinderte Kinder bedeute das Cochlea Implantat den Zugang zu einem halbwegs "normalen" Leben, normaler Schule und Ausbildung. "Ihre Arbeit rechnet sich deshalb mehrfach: Gesundheitspolitisch, ökonomisch und sozial, vor allem aber menschlich," ist Landeshauptfrau Burgstaller überzeugt.

Zahlen & Fakten:

  • Jährlich werden ca. 40 Cochlea-Implantationen druchgeführt
  • Bisher wurden rund 470 Cochlea-Implantationen durchgeführt, davon über 300 bei Kindern.
  • Das jüngste Kind war 7 Monate, der älteste Erwachsene 82 Jahre alt.
  • Interdisziplinäres Team: 2 Chirurgen, 1 Pädaudiologen, 1 Klinische  Psychologin, 1 klinischer Sprachwissenschaftler, 3 Logopädinnen;
  • Kosten: je Implantatsystem 20.000 Euro plus Diagnostik, Operation und Nachbetreuung von etwa 20.000 – 30.000 Euro = insgesamt je Kind ca. 40.000 – 50.000 Euro
  • Boston Consulting Group –Studie (2002) stellt fest, dass die Cochlea Implantation (CI) eine der ökonomisch wie medizinisch effektivsten ärztlichen Therapiemaßnahmen darstellt.

Zusammen mit Univ.- Doz. Dr. Gerhard Oberascher führt Univ.-Prof. Dr. Klaus Albegger jährlich rund 40 derartige Eingriffe in Salzburg, durch, davon etwa 25% beidseitig. Es wurden nicht nur Kinder und Erwachsene aus Salzburg, sondern auch aus den angrenzenden Bundesländern einschliesslich Bayern und anderen europäischen Ländern mit Cochlea-Implantaten versorgt. Bisher wurden insgesamt mehr als 470 Cochlea-Implantationen durchgeführt, davon über 300 bei Kindern. Das jüngste Kind war 7 Monate, der älteste Erwachsene 82 Jahre alt.
Zu den Anfangszeiten der Cochlea-Implantationen nahm Salzburg gewiss eine Vorreiterrolle ein. In enger Zusammenarbeit mit dem europäischen Pionier auf diesem Gebiete, Prof. Dr. Dr. h.c .Ernst Lenhardt von der Medizinischen Hochschule Hannover, dem größten Cochlea-Implantationszentrum der Welt, begann die Salzburger HNO-Uniklinik nach ca. 2.-jähriger Vorbereitung und dem Aufbau eines dafür notwendigen, interdisziplinärenTeams von Spezialisten, welches neben den Chirurgen auch einen Pädaudiologen (Mag. Alois Mayr), eine klinische  Psychologin (Dr. Maria Huber), einen klinischen Sprachwissenschaftler (Mag. Martin Leyrer) und Logopädinnen (Dipl. Logop. Mag. Renate Gusner-Pfeiffer, Dipl. Logop. Monika Sommerbauer, Dipl. Logop. Liljana Jankowitsch)  umfasst, im Jahre 1992 mit der Durchführung solcher Eingriffe. Was vor etwa 20 Jahren als medizinische Sensation begann, ist mittlerweile – zumindest rein operativ gesehen – zu einem Routine-Eingriff geworden. Die Funktion der Cochlea-Implantate, die bei taub geborenen Kindern bzw. auch bei Erwachsenen nach plötzlicher Ertaubung eingesetzt werden, besteht im Wesentlichen darin, den Hörnerv direkt zu stimulieren und damit die Sinneszellen in der menschlichen Schnecke (Cochlea), die normalerweise für das Hören verantwortlich sind und bei Ertaubung hochgradig geschädigt sind, zu ersetzen.

Neue Wege der intersdisziplinären Forschung der PMU in Salzburg
Mit der Universität Salzburg, insbesondere mit den Fachbereichen Linguistik und Anglistik, bestehen enge interdisziplinäre Forschungsaktivitäten, die sich in erster Linie mit der Entwicklung des Hörens und des Sprechens sowie dem Leseerwerb bei taub geborenen Kindern nach einer Cochlea-Implantation befassen. Aus dieser Kooperation sind in den letzten fünf Jahren eine Reihe von  Diplomarbeiten und Dissertationen entstanden. Weitere Forschungsaktivitäten betreffen die Entwicklung minimalinvasiver Operationsmethoden, neuer Elektroden bei Cochlea Implantaten und bessere Strategien zur Codierung der Sprache.Über die Hör-Sprachentwicklung hinaus wurden von der klinischen Psychologin Dr. Maria Huber, weltweit erste Studien zur gesund-heitsbezogenen Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit einem Cochlear-Implant durchgeführt. Eine von der Paracelsus Medizinische Privatunversität (PMU) unterstützte laufende Studie beschäftigt sich mit der Schul- u. Berufsbildung  sowie der Arbeitssituation von Jugendlichen und Erwachsenen in ganz Österreich, die in Salzburg implantiert wurden.Dies zeigt, dass die PMU versucht neue Wege zu gehen, nämlich einerseits eine bewusste interdisziplinäre Zusammenarbeit (HNO, Pädiatrie, Elektronik,Technik, Pädaudiologie, Linguistik, Entwicklungspsychologie, Logopädie, Pädagogik, Akustik u.a.), und andererseits nach einer bestimmten operativen Intervention (z.B. Cochlear-Implantation) das Bemühen um eine ganzheitliche Erfassung und Begleitung der körperlichen, intellektuellen, kognitiven und psycho-sozialen Entwicklung gehörlos geborener Kinder auf ihrem weiteren schulischen und beruflichen Lebensweg.

Kosten-Nutzen-Analyse
Cochlear-Implantationen sind relativ teure medizinische Maßnahmen: Ein Implantatsystem kostet etwa 20.000 Euro, dazu kommen medizinischen Kosten einschließlich Diagnostik, Operation und Nachbetreuung von etwa 20.000 – 30.000 Euro, so dass mit etwa 40.000 – 50.000 Euro pro Kind gerechnet werden muss.
„Bekanntlich sind der medizinischer Fortschritt und die demographischen Veränderungen wesentliche Ursachen dafür, dass die Ressourcen zur Erhaltung der Gesundheit immer knapper werden. Ziel der Gesundheitsökonomie ist es daher, medizinische Maßnahmen in ihrer Kostenstruktur, Effektivität und Effizienz und somit nach ihrer Wirtschaftlichkeit zu beurteilen, um damit bei zunehmender Verknappung der Ressourcen im Gesundheitswesen Kosten zu sparen, um notwendige Leistungen auch weiterhin anbieten zu können“ betont Dr. Max Laimböck, SALK Geschäftsführer.
Dazu sind Gesundheitsökonomische Analysen notwendig, die medizinische, epidemiologische und ökonomische Informationen zusammenführen, anhand derer Kosten und Nutzen verschiedener medizinischer Maßnahmen miteinander verglichen werden können.
In der heute weitgehend üblichen Kosten-Nutzwertanalyse (Cost-utility-analysis = COA) wird der Ressourcenverbrauch monetär, der Nutzen in qualitätsadjustierten Lebensjahren (Quality-Adjusted-Life-Years – QUALY) gemessen: mit dem modernen Konzept der QUALY wird die Kombination aus Lebenserwartung und Lebensqualität als qualitative Einschätzung ermöglicht.
Zur Ermittlung der qualitätsadjustierten Lebensjahre wird die Lebensdauer, die in einzelnen Gesundheitszuständen verbracht wird, mit den korrespondierenden Lebensqualitäts-Codes gewichtet und anschließend die Summe gebildet.

In einer 2002 veröffentlichten Studie der renomierten „ Boston Consulting Group“ in Zusammenarbeit mit dem weltgrößten Cochlea Implantzentum in Hannover wurde nach den oben genannte Kriterien eindeutig festgestellt, dass die Cochlea-Implantation (CI) eine der ökonomisch wie medizinisch effektivsten ärztlichen Therapiemaßnahmen darstellt:
Die klar definierte Intervention mit dem elektronischen Ersatz eines ausgefallenes Sinnesorgans im Innenohr bietet die Voraussetzung für eine erfolgreiche Hör- und Sprachrehabilitation und damit für eine soziale und berufliche Integration in die Gesellschaft. Sie ermöglicht für den Großteil der Kinder den Besuch einer normalen Schule und eine weitgehend normale berufliche Ausbildung. Die Cochlea-Implantation ist also nicht nur vom großen Vorteil für den betroffenen individuellen Patienten, z. B. auch für das Kind und seine Eltern, sondern ist darüber hinaus auch gesamtökonomisch günstig für das Gesundheitswesen.
Das Problem ist, dass diese gesamtwirtschaftliche Sichtweise aufgrund von besonderen Kostenregelungen, wie z. B. durch die sog. “Deckelung von Leistungen“ in Österreich, für das einzelne Spital oft nicht zutrifft, so dass es oft zu diesbezüglichen Leistungseinschränkungen kommt.

Das CI-Zentrum Salzburg - unsere Salzburger Erfahrungen
„Aufgrund unserer in Salzburg durchgeführten Studien wissen wir heute in Übereinstimmung mit internationaler Erfahrungen, dass, wenn wir taub geborene Kinder in den beiden ersten Lebensjahren implantieren, diese - sofern keine weitere Behinderungen bestehen - in der Regel einen fast normalen Lebens- und Bildungsweg nehmen können. Einige studieren sogar, manche davon haben das Studium wie Jus oder Architektur bereits abgeschlossen“, freut sich Univ.-Prof. Dr. Klaus Albegger.
Grundsätzlich ist eine möglichst frühe Versorgung, also schon im ersten Lebensjahr anzustreben, um die kritische Phase der zentralen Hörbahn-reifung und der damit gekoppelten Sprachentwicklung auszunützen.
Voraussetzung für eine frühe Cochlea-Implantation im ersten Lebensjahr ist aber eine Früherfassung von hörgestörten Kindern, die in Salzburg durch das sog. universelle Neugeborenen- Hörscreening etabliert wurde. Bekanntlich wird bei allen in Salzburg geborenen Kindern, kurz nach der Geburt durch die Messung von otoakustischen Emissionen festgestellt, ob eine Hörstörung vorliegt oder nicht.

Eine Cochlea-Implant-Versorgung von kleinen Kindern bedeutet aber nicht, dass damit alle Probleme hörbehinderter Kinder eliminiert werden und somit die Behinderung gänzlich überwunden werden kann. Es wird den Kindern aber mit einem Cochlea-Implantat leichter fallen, Schwierigkeiten, die durch eine Hörbehinderung bedingt sind, zu meistern. Das bedeutet anzuerkennen, dass das Cochlea-Implantat eine hochtechnisierte Hörhilfe ist, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es stellt für die taub geborenen Kinder eine Chance dar, sich um eine wesentliche Sinnesmodalität zu bereichern und funktionelle Reifungsprozesse anzustoßen. Dies ermöglicht das Aktivieren neuronaler Verknüpfungen für die Entwicklung der besonderen auditiven Wahrnehm-ungsfähigkeit lautsprachlicher Signale und deren kognitiver Verarbeitung. Damit wird die Mauer der Stille unterbrochen, die das hochgradig hörgeschädigte Kind von den vielfältigen und für die allgemeine Entwicklung so bedeutsamen akustischen Erscheinungen seiner Umwelt trennt.
Das Hören ist ein sehr komplexer Vorgang, für den die Ohren nur den „Rohstoff“ liefern: Die Hörleistung beruht also nicht nur auf dem positiven Input durch das Ohr, sondern auch auf der Fertigkeit, diese Eindrücke, auch in Kombination mit anderen Sinnen, in den Prozess des Erkennens und Verstehens einzubeziehen.
Was ein Mensch mit Höreindrücken, die ihm zugänglich sind, für auditive Leistungen zu erbringen vermag, ist nicht allein abhängig von der Leistung seiner Ohren. An dem Prozess, den wir Hören nennen, sind viele kognitive Funktionen beteiligt, die zu beeinflussen und zu gestalten eine wesentliche pädagogische Aufgabe, vor allem der audio-verbalen Früherziehung, ist.

Information, Aufklärung, Anleitung und Betreuung der Eltern sowie die Zusammenarbeit mit den Betreuern vor Ort (Hörfrühförderer, Logopäden-Innen, PädagogenInnen) sind entscheidende Punkte in der Kooperation der Cochlea Implant- Zentren. Die Nachsorge muss neben der Hör-/Spracherziehung des Kindes auch besonders darauf abzielen, seine individuellen Besonderheiten und Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Durch die Möglichkeit der Cochlea-Implantation können wir Eltern von taub geborenen Kindern nicht nur Mut machen, sondern ihnen auch die Gewissheit geben, dass mit der Diagnose einer hochgradigen Schwerhörigkeit nicht alle Türen für die Entwicklung ihrer Kinder verschlossen sind. Vielmehr machen wir uns mit ihnen gemeinsam auf den Weg, um mit ihnen neue Perspektiven zu finden: Das bedeutet, den Eltern die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten ihres Kindes, vor allem auch seine Stärken, sichtbar zu machen. Eine wesentliche Voraussetzung ist sicher eine konsequente Hör- /Spracherzielung.

Was vor wenigen Jahren noch für völlig unmöglich gehalten wurde, nämlich der erstmalige (teilweise) Ersatz eines Sinnesorgans durch einen „Minicomputer“ ist durch die bisher geleistete Arbeit aller Beteiligten in führenden Zentren weltweit, aber auch im Salzburger Cochlear-Implant Zentrum, Realität geworden.

Die Cochlea-Implantation bei Kindern hat unsere Vorstellungen auf vielen Gebieten verändert und neu geprägt. Es wurde jedoch gleichzeitig auch deutlich, dass modernste Elektronik und chirurgisches Können allein nicht ausreichen, dieser komplexen Aufgaben, nämlich der Entwicklung von hörbehinderten Kindern, gerecht zu werden.

Nur durch den integrierenden Einsatz aller Beteiligten wie HNO-Ärzte, Kinderärzte, Pädaudiologen, Psychologen Logopäden, Sprachwissenschaft-ler, Pädagogen, Akustiker, Elektroniker,Techniker  u.a. ist es möglich, dieser komplexen Aufgabe gerecht zu werden. Ohne eine gemeinsames integrierendes Rehabilitationskonzept muss eine Cochle-Implant-Versorgung bei Kindern scheitern. Deshalb sind begleitende therapeutische medizinischen Maßnahmen, (Früh-) Förderung, Erziehung, Bildung und sowie vor allem das Engagement der Eltern für den Erfolg einer CI- Versorgung bei Kindern ausschlaggebend.

 

Rückfragen an:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Public Relations und Klinikmarketing, Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43 (0) 662 4482-1007
Mobil: +43 (0) 699 1707 1007
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Bilder

Albegger mit Implantat Albegger, LHF Burgstaller LHF Burgstaller mit Hörgerät Cochlear Kinder Laimböck Albegger mit Patienten Schernhammer

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