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Wintersportstatistik 2006/2007
Wintersportstatistik 2006/2007

Wintersportstatistik 2006/2007

Wintersportstatistik 2006/2007
 - der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie,
 - der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie 
 - und der Universitätsklinik für Physikalische Medizin u. Rehabilitation.

SALZBURG. 448 PatientInnen und Patienten wurden in der Wintersaison 2006/2007 nach Verletzungen beim Wintersport an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie versorgt. Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelte zusätzlich 255 Kinder nach Wintersportunfällen. Mehr als ein Drittel der erwachsenen PatientInnen war übergewichtig. Die meisten waren auch zu wenig trainiert. Bei Kindern waren unterschätzte Geschwindigkeit und überschätztes Können die häufigsten Ursachen für Stürze und Verletzungen.
In Summe hat die Zahl der Pistenunfälle in der Wintersaison 2006/2007 im Vergleich zur vorangegangenen Saison abgenommen. Der Grund dafür dürfte jedoch im milden Winter mit wenig Schnee liegen. Die Unfallchirurgen der Salzburger Landeskliniken und der Universitätsklinik für Kinder und Jugendchirurgie dokumentieren schon seit Jahren die Verletzungsmuster und -ursachen im Wintersport. Die Zahlen zeigen deutlich, dass sich sowohl Kinder als auch Erwachsene mit mehr als 70 Prozent am häufigsten beim Schifahren verletzen.

Weniger Pistenunfälle durch milden Winter – schwere Verletzungen nahmen 2006/2007 jedoch zu

Für 448 Personen endete in der Saison 2006/07 ein Wintersporttag an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie der Salzburger Landeskliniken. „Im Vergleich zum Vorjahr mussten zwar fast 200 Personen weniger behandelt werden. Grund dafür dürfte jedoch nicht mehr Sicherheit im Wintersport, sondern der milde Winter gewesen sein“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch, Vorstand der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie. „Fast drei Viertel aller behandelten Personen (323), war mit Schiern unterwegs. 70 Personen verunglückten mit dem Snowboard, 41 beim Eislaufen, zehn verletzten sich beim Rodeln und lediglich vier beim Langlaufen.“ Die Zahlen zeigen, dass der mit Abstand größte Teil der Wintersportverletzungen – fast 90 Prozent – beim Schifahren oder Snowboarden passiert.

Männer verletzen sich beim Wintersporthäufiger und schwerer als Frauen

Mehr als 65 Prozent aller behandelten Patienten waren Männer. Davon kam wiederum mehr als die Hälfte kam mit leichten Verletzungen davon. Im Vergleich zu den insgesamt 155 verletzten Frauen, zogen sich die Männer jedoch auch die meisten schwersten Verletzungen zu. „Die unter-30-Jährigen verunfallten deutlich am häufigsten. Der prozentuell höchste Anteil der Schwer- und Schwerstverletzten fand sich allerdings in der Altersgruppe der 46- bis 60-Jährigen“, sagt Resch.

Schulter, Knie und Hand bzw. Handgelenk sind am häufigsten verletzt. „Auffällig ist, dass 34 Prozent aller Patientinnen und Patienten übergewichtig waren. Der durchschnittliche Body-Maß-Index lag bei 24,5“, sagt Dr. Clemens Hübner, Oberarzt an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie. Mit 42 Prozent führt der „Sturz im Schwung“ die Liste der häufigsten Unfallarten an. Die Kollision mit anderen Pistenbenützern oder Gegenständen liegt mit 28 Prozent auf Platz zwei.

Auch bei den verletzten Snowboarderinnen und Snowboardern waren 10,5 Prozent übergewichtig. Fast alle Verletzten waren unter 30 Jahre alt. „Bei den Snowboardern sind doppelt so viele Männer wie Frauen verletzt. Handgelenk, Schulter, Wirbelsäule und Kopf sind die am meisten betroffenen Körperregionen“, sagt OA Hübner.

Am Nachmittag lässt Konzentration nach - durch Müdigkeit steigt Unfallrisiko

Die Statistik zeigt auch deutlich, dass mit sinkender Aufmerksamkeit und steigender Müdigkeit kurz vor Mittag und am späten Nachmittag auch die Anzahl der Unfälle steigt. „Die meisten verletzen sich zwischen elf und zwölf bzw. von 15 bis 16 Uhr“, sagt Hübner. Als zusätzliches Risiko kommt Alkohol dazu. Der Glühwein in der Hütte oder das Stamperl nach dem Essen lässt die Konzentration und die Reaktion abnehmen. Wie im Straßenverkehr sollte auch auf der Piste gelten: „Don’t drink and drive.“

Die Pistenverhältnisse haben ebenfalls großen Einfluss auf das Unfallrisiko. So wurden in der vergangenen Saison den SchifahrerInnen vor allem Kunst- bzw. nasser Schnee zum Verhängnis. Generell gilt jedoch: Je besser die körperliche Fitness der WintersportlerInnen, desto weniger Risiko stellen äußere Gegebenheiten wie Pistenverhältnisse dar.

Wer Köpfchen hat, schützt sichbei jeder Art von Wintersport mit Helm

Obwohl das Bewusstsein, auch beim Wintersport den Kopf mit einem Helm zu schützen, zugenommen hat, stellen Kopfverletzungen noch immer einen erheblichen Anteil in der Statistik. „Bei 11,7 Prozent aller Wintersportverletzungen der vergangenen Saison, war der Kopf betroffen“, sagt Prim. Univ. Prof. DDr. Anton Wicker, Vorstand der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation. „Es sind in erster Linie Kopfverletzungen, die sehr ernste Konsequenzen haben“, spricht Wicker aus der Praxis. Bei Kindern wird vermehrt auf den Kopfschutz geachtet, bei Erwachsenen fehlt dieses Bewusstsein zum Großteil noch. Gerade bei SnowboarderInnen rät Wicker zusätzlich zu Rückenprotektoren und Gelenksschonern: „Handgelenksverletzungen bei Snowboardern können durch das Tragen passender Gelenksschoner leicht verhindert werden.“

Wintersport – Kinder unterschätzen RisikoWeniger aber schwerere Unfälle auf harten Pisten

255 Kinder mussten in der Wintersaison 2006/2007 nach Wintersportunfällen an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie behandelt werden. „Obwohl wir wegen der schlechten Schneesituationen einen Rückgang bei den typischen Winterunfällen festgestellt haben, hat die Anzahl der schweren Unfälle – meist durch Stürze auf harten Pisten – zugenommen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Günther Schimpl, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. 70 Prozent aller Wintersportunfälle bei Kindern passieren beim Schifahren oder Snowboarden. 19 Prozent beim Eislaufen bzw. beim Eishockey und elf Prozent beim Rodeln oder Langlaufen. „Jährlich verletzen sich etwa 12.000 bis 16.000 Kinder auf Österreichs Schipisten. Jedes fünfte verletzte Kind muss länger als sechs Wochen medizinisch betreut werden“, sagt Schimpl. Selbst tödliche Unfälle sind zu beklagen.

Schnelle Abfahrten und Sprünge als Gefahrenpotential für über-Zehnjährige

Der Mediziner sieht die größte Gefahr bei Kindern im unterschätzen von Geschwindigkeit und im Überschätzen des eigenen Könnens. „Die häufigste Unfallursache ist mit 90 Prozent der Einzelsturz“, so Schimpl. Kinder ab vier Jahren sind verstärkt ins Unfallgeschehen involviert. Bei den Snowboardunfällen führen die Zwölf- bis 14-Jährigen. Sie stellen auch im Alpinschibereich die größte Risikogruppe. „Während sich die kleinen Kinder bei den einfachen Grundübungen verletzen, verunglücken die über-Zehnjährigen beim schnellen Abfahren und bei Sprüngen. Wie bei den meisten Unfällen, sind auch im Schisport zu zwei Drittel Burschen in die Unfälle involviert“, liest der Mediziner aus der Statistik. Arm- und Beinbrüche sind die häufigsten Unfallfolgen. Technische Verbesserungen der Ausrüstung hätten die Anzahl der Verletzungen reduziert. Dafür: Carvingschier ermöglichen den Kindern weit höhere Geschwindigkeiten und steigern damit das Risiko von Stürzen. „Verbesserungen der Sicherheitsbindungen sind für die allgemein rückläufige Tendenz der Verletzungen des Unterschenkels verantwortlich“, ist Schimpl überzeugt. „Das verzögerte Auslösen der Sicherheitsbindung kann jedoch die Bandverletzung des Kniegelenkes nicht vollständig verhindern.“ Immer wieder lassen sich Ermüdung und fehlende Kondition als Auslöser für einen Pistenunfall feststellen. Der Mediziner rät daher: Bereiten Sie sich und ihre Kinder körperlich auf die Skisaison vor, lassen Sie Ski und Bindung jährlich überprüfen, alle Schifahrer und Snowboarder – egal ob alt oder jung – sollten einen Helm tragen und überfordern Sie ihre Kinder nicht.
Bei den 87 behandelten Kindern, die sich beim Snowboarden verletzt haben, dominierten Prellungen, Zerrungen sowie Muskel- und Bänderrisse. „Knie-, Hand- und Schultergelenk sind von den Prellungen, Zerrungen und Bänderrissen am häufigsten betroffen“, sagt Schimpl. Knochenbrüche betreffen Unterschenkel mit Sprunggelenk sowie Ober- und Unterarm. Anfänger verletzen sich vorwiegend an den oberen Extremitäten, Fortgeschrittene an den unteren.

Hohe Geschwindigkeit, wenig steuerbar:Kinder verlieren Kontrolle über Rodel

18 Prozent aller Wintersportunfälle bei Kindern entfällt auf Rodeln. Ein beliebter, jedoch sehr riskanter Sport. 46 Kinder wurden in der vergangenen Wintersaison nach Rodelunfällen in die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie eingeliefert. Meist verlieren die Kinder durch Unsteuerbarkeit und hohe Geschwindigkeit die Kontrolle über Rodel, Rutschteller oder Plastikbob. „Wenn Kinder beim Rodeln mit festen Hindernissen und Autos kollidieren treten sehr schwere Kopf- und Brustverletzungen auf“, resümiert Schimpl. Er rät, auch hier einen Helm zu tragen.
Noch höher als beim Rodeln ist der Anteil der Kopfverletzungen beim Eislaufen. 28 Prozent aller Kopfverletzungen, die sich Kinder bei Wintersportunfällen zuziehen, passieren beim Eislaufen.
Je besser Kinder und Erwachsene ausgerüstet und für den Wintersport vorbereitet sind, desto geringer ist das Verletzungs- und Unfallrisiko und desto seltener endet ein schöner Wintersporttag in der Klinik.  

Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Resch 
Vorstand Universitätsklinik f. Unfallchirurgie und Sporttraumatologie

Prim. Univ.-Prof. Dr. Günther Schimpl
Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie

Prim. Univ.-Prof. DDr. Mag. Anton Wicker
Vorstand der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation

Dr. Clemens Hübner  
Oberarzt, Universitätsklinik f. Unfallchirurgie und Sporttraumatologie

 

Fragen an:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin PR und Kommunikationsmanagement
Pressesprecherin
Gemeinnützige Salzburger
Landesklinik Betriebsgesellschaft mbH
Tel: +43 (0) 662 4482-1007
m.weinberger@salk.at; presse@salk.at

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