Jungfraujoch 2015

Remote Preconditioning zeigt keinen positiven Effekt auf die Akute Bergkrankheit und das Ausmaß der höheninduzierten pulmonalen Hypertonie auf 3450 m Höhe


In den vergangenen Jahrzehnten zeigten zahlreiche Studien positive Effekte eines Remote Preconditionings (RPC), das heißt einer kurzzeitigen passageren Unterbindung der Durchblutung der Extremitäten. Dies soll  vor einer nachfolgenden länger anhaltenden Durchblutungsstörung und Sauerstoffmangelversorgung eines Organs schützen. Protektive Effekte konnten unter anderem für Herz, Gehirn und Lunge gezeigt werden. Die Akute Bergkrankheit (ABK) gehört ebenso wie das Höhenlungenödem (vermehrt Wasser in der Lunge) zum Formenkreis der Höhenkrankheiten. Typische Symptome der ABK sind Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Als Ursache der ABK wird ein Sauerstoffmangel des Gehirns angesehen. Zentraler Faktor in der Enstehung des Höhenlungenödems ist eine Erhöhung des Drucks in der Lunge, wenn weniger Sauerstoff in der Umgebung vorliegt, wie das in größeren Höhen der Fall ist.  Die Hypothese der vorliegenden Studie war, dass RPC vor den Auswirkungen einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns und der Lunge schützt und den Schweregrad der ABK in 3450 m Höhe reduziert.
Nach Zustimmung der örtlichen Ethikkommission wurden 40 freiwillige, gesunde, nicht höhenakklimatisierte Probanden in 2 Gruppen eingeteilt. Im Flachland (Lauterbrunnen, 750 m, Schweiz) erfolgte in der RPC-Gruppe (n=20) eine Präkonditionierung durch Aufpumpen zweier Blutdruckmanschetten an beiden Oberschenkeln auf 200 mmHg für 5 Min. und anschließender 5 minütiger Pause. Dieser Zyklus wurde 4 mal durchgeführt. In der Kontroll-Gruppe (n=20) erfolgte nach gleichem Protokoll eine Plazebo-Konditionierung. Hier wurde die Manschette nur auf 20 mmHg aufgepumpt. Anschließend erfolgte ein passiver Aufstieg mit der Bahn (2 h Fahrt) auf 3450 m (Jungfraujoch, Schweiz). Nach 5 h, 10 h, 24 h, 29 h, 34 h und 48 h wurde der Schweregrad der ABK anhand wissenschaftlich etablierter Fragebögen (Lake Louise Score, AMS-C Score) erhoben und der Lungendruck mittels Herzultraschall bestimmt.
Die Studie zeigt, dass RPC unmittelbar vor einem passiven Aufstieg auf 3450 m Höhe weder die ABK noch das Ausmaß der pulmonalen Hypertonie positiv beeinflusst. Damit scheint RPC die Höhentoleranz nicht zu verbessern und stellt somit keine Prophylaxe gegen die Höhenkrankheit dar.

 

Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsgesellschaft mbH | Müllner Hauptstraße 48 | A-5020 Salzburg
Telefon: +43 (0)5 7255-0 | Fax: +43 (0)5 7255-20199 | © 2013-2017
Letzte Änderung: 07.07.2017 Impressum Datenschutz AGB
x schließen