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Patientensicherheit ist Chefsache
Patientensicherheit ist Chefsache

Patientensicherheit ist Chefsache

Der Sturz - ein oft unterschätztes Risiko mit erheblichen Folgen

Patientensicherheit ist Chefsache

Die Wichtigkeit der Patientensicherheit spiegelt sich im Bundesgesetz zur Qualität von Gesundheitsleistungen wider. Dieses besagt, dass „…die Qualität bei der Erbringung von Gesundheitsleistungen unter Berücksichtigung
der Patientinnen- und Patientensicherheit nachhaltig zu fördern und zu gewährleisten [ist].“
Die zunehmende Bedeutung dieses Themas unterstreicht auch der Internationale Tag der Patientensicherheit der am 17. September stattfinden wird.


SALK Geschäftsführer Doz. Dr. Paul Sungler betont: „Die Sicherheit unserer PatientInnen hier am Uniklinikum Salzburg mit den Landeskliniken St. Veit, Tamsweg und in Kürze auch Hallein, hat oberste Priorität. Sei es in Bezug auf die Hygiene, auf die Sicherheit im Operationssaal, bei der Eingabe der Medikamente oder  wenn es darum geht,  bei schwachen oder älteren PatientInnen Stürze zu vermeiden. Wir setzen laufend Maßnahmen, um die Patientensicherheit weiter zu optimieren. Regelmäßig werden an unseren Klinken sogenannte Risk-Audits durchgeführt. Dabei prüfen unabhängige Unternehmen, wo im Klinikalltag noch Optimierungen – zum Beispiel im Tagesablauf oder bei Operationen – durchgeführt werden können.  Wir orientieren uns hier an internationalen Standards – so handeln wir vor, während und nach einer Operation entsprechend den Richtlinien der WHO-OP-Checkliste, wo in mehreren Schritten die Identität des Patienten, das Operationsgebiet bis hin zur Vollständigkeit aller Tupfer und Instrumente am Ende der Operation überprüft wird.“

Zu diesem Thema haben wir einen Infofilm "Patientensicherheit am Uniklinikum Salzburg" auf unserem Youtube Kanal bereit gestellt https://www.youtube.com/watch?v=NcWCGeDAWCo. Sie können ihn aber auch auf unserer Mediathek auf der http://www.salk.at/13625.html Webseite ansehen 1)

Risk- und Qualitätsmanagement kontrolliert und verbessert
Alle Maßnahmen werden ständig vom Risk- und Qualitätsmanagement kontrolliert und verbessert. Die Leiterin des Risk- und Qualitätsmanagements in der SALK, Univ.-Doz. Dr. Doris Conci betont: „Zu uns kommen auch die Meldungen unseres Beinahe-Fehler-Meldesystems (CIRS). Dies ist ein wichtiges unverzichtbares Instrument, um Fehler zu vermeiden. Gemeldet werden, wie der Name schon sagt, Fehler, die beinahe passiert wären. Das können  z.B. auch „Beinahe – Verwechslungen“ auf Grund ähnlicher Verpackungen bei Medikamenten sein. So können Wiederholungen von Fehler nachhaltig verhindert werden. Vor der Entlassung erhalten unsere PatientInnen aber auch einen Patientenfragebogen, in dem wir abfragen, in welchen Bereichen noch Bedarf besteht, um eine noch bessere Versorgung und Betreuung anbieten zu können.“

Schwerpunkt 2016: Der Sturz – ein oft unterschätztes Risiko mit erheblichen Folgen 
Zum Internationale Tag der Patientensicherheit am 17. September hat das  Uniklinikum Salzburg das Thema „Sturz- betrachtet aus allen Blickwinkeln“ als Schwerpunkt gewählt. Das Risiko eines Sturzes wird vornehmlich alten Menschen zugeordnet. Oft wird jedoch übersehen, dass auch neu verordnete Medikamente, andere Lebensumstände oder plötzlich auftretende schwere Krankheiten das Sturzrisiko erheblich erhöhen können. Der Onkologe Univ.-Prof. Dr. Richard Greil erklärt dazu: „Bei Krebspatienten können die spezifische krankheitsbedingte Symptomatik gemeinsam mit dekompensierten Begleiterkrankungen, neu notwendige Schmerzmedikamente, akut notwendige Behandlung von Schlafstörungen und Panikattacken,  sowie  der Entzug der gewohnten Umgebung Sturzneigung, hirnorganische Psychosyndrome mit Desorientiertheit und Verwirrung, neurologische Ausfallssymptomatik mit akuter Bettlägrigkeit ungerechtfertigten therapeutischen Nihilismus auslösen. Aus Vorurteilen gegenüber Krebserkrankungen und Diskriminierung des Alters sowie fehlendem Wissen, wird daher in vielen Fällen jungen Alten (65 bis 75 Jahre, alten Alten (75 bis 85a) und ältesten Alten (>85a) eine chirurgische, medikamentöse oder strahlentherapeutische Behandlung vorenthalten, wiewohl diese die Patienten heilen und/oder viele zusätzliche Lebensjahre mit sich bringen können, vorausgesetzt, dass die oben erwähnten Probleme unter Kontrolle gebracht werden können. Früherfassung krebsspezifischer Symptome schon im niedergelassenen Bereich, Zuweisung gerade älterer und komorbider Patienten an onkologische Zentren, Erfassung des Sturzrisikos und der motorischen Koordinationsfähigkeit bei der Aufnahme, Frührehabilitation  mit Wiederherstellung adäquater Organfunktionen und Kompensation von neurologischer Funktion, Muskel- und Koordinations- sowie Stoffwechselfunktion schon während der Tumorabklärung können scheinbar hinfällige Patienten in einem Zeitraum von 4-6 Wochen in einen Zustand versetzen , der die Wahrnehmung onkologischer Therapieverfahren nicht nur erlaubt, sondern sinnvoll macht. Vorausschauendes Denken, Wissen, Interdisziplinarität und Interprofessionalität sind dafür wichtige Voraussetzungen.
Umgekehrt stellt die permanente und nicht korrigierbare neuromuskuläre Defizienz, der Marasmus mit ausgeprägtem Muskel- und Gewichtsverlust und assoziierter Sturzneigung auch den Übergang zu rein palliativen Maßnahmen dar und erfordert eine rechtzeitige integrative Koordination der intra- und extramuralen Betreuungsmodalitäten. Dabei stellt die nicht korrigierbare Sturzneigung von Krebspatienten eine enorme und manchmal nicht bewältigbare medizinische, pflegerische, soziale und auch rechtliche Herausforderung an die Betreuung zu Hause dar. Die Früherfassung auch dieses Zustandsbilds ist daher durch zunächst enge intramurale Monitorisierung nötig. Sie muss zudem in eine sehr frühe und hoch professionelle Form des Entlassungsmanagements münden um die Würde der Patienten zu erhalten.“

Gerade bei älteren Menschen, aber auch schwer kranken Patienten kann ein Sturz zu schweren gesundheitlichen Langzeitfolgen führen – im Extremfall sogar zum Tod. Dafür müssen nicht nur das medizinische Personal, sondern auch die Patienten selbst und vor allem deren Angehörige sensibilisiert werden. Neben dem Leid, das entsteht kommt es auch zu verlängerten Spitalsaufenthalten, eine Rehabilitation kann notwendig sein und manchmal kommt es leider auch zu dauerhaften Schäden.

Während junge Menschen aufgrund der Körperkonstruktion gegen Stürze gewappnet sind, zählen ältere Menschen zur besonders vulnerablen Gruppe. Stürze kommen jedoch selten aus heiterem Himmel, sie kündigen sich im Vorfeld oft an. Anhand von Risikofaktoren lässt sich das individuelle Sturzrisiko eines Patienten grob einschätzen. Die Risikofaktoren können direkt beim Patienten liegen (z.B. Gleichgewichtsstörungen, verändertes Gangbild, Blutdruckschwankungen…) oder von der Umgebung ausgehen (z.B. schlechte Beleuchtung, fehlende/instabile Haltemöglichkeiten…) erklärt die zertifizierte klinische Risikomanagerin Christina Werkgarner-Steiner. Zertifizierte RisikomanagerInnen sind MitarbeiterInnen, die eine spezielle Ausbildung zum Thema klinisches Risikomanagement absolviert haben. In der Ausbildung wird ein besonderer Fokus auf die Erhaltung und Steigerung der Patientensicherheit gelegt. Des Weiteren führt Werkgarner-Steiner an, dass das Pflegepersonal bei der Aufnahme eines Patienten das individuelle Sturzrisiko erhebt und daraus mögliche vorbeugende Maßnahmen ableitet. Diese werden stetig durch Informationen verbessert, die man einerseits aus der Auswertung erfolgter Sturzereignisse andererseits aus pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen gewinnt. Lässt sich ein Sturz nicht vermeiden, treten neben den körperlichen Auswirkungen auch psychische Reaktionen wie Angst auf. Diese Sturzangst führt häufig dazu, dass sich Patienten weniger bewegen und dadurch der ungünstige Kreislauf eines Muskelabbaus mit einer weiteren Erhöhung des Sturzrisikos in Gang gesetzt wird

Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SALK für dieses Thema zu sensibilisieren wurde anlässlich des internationalen Patientensicherheitstages ein Symposium zum Thema „Das Risiko Sturz – Perspektiven auf Alter, Medikation und Multimorbidität“ organisiert. Thematisiert werden zu den o.g. Themen auch das Sturzrisiko der geriatrischen PatientInnen, die Beeinflussung von Medikamente auf das Sturzrisiko, das rechtzeitige Erkennen von Sturzfolgen und die Folgen von Stürzen im Krankenhaus. Diskutiert wird auch darüber, wie durch Pflegeforschung das Sturzrisiko reduziert werden kann.


Maßnahmen am Uniklinikum Salzburg im Überblick

CIRS (Critical Incident Reporting System) ist ein Meldesystem, in dem MitarbeiterInnen anonym Ereignisse melden können, bei denen fast ein Fehler passiert wäre. Diese Meldungen werden von ExpertInnen analysiert und entsprechende Maßnahmen mit dem Ziel, solche Ereignisse in Zukunft zu verhindern, erarbeitet.

Risikoaudits sind Begehungen durch externe ExpertInnen, die sich jeweils eine gesamte Klinik genau anschauen, um mögliche Risiken aufzudecken. Die kontrollierte Klinik erhält dann einen Ergebnisbericht, der eventuelle Schwachstellen aufzeigt und Verbesserungsvorschläge empfiehlt. Es bleibt jedoch nicht bei einer einmaligen externen Auditierung. Die einzelnen Kliniken müssen nach 1-2 Jahren zeigen, wie sie den primär aufgezeigten Risiken begegnen und diese vermindern. Die geschieht im Rahmen einer neuerlichen externen Auditierung und letztlich durch ein nochmaliges, diesmal unangekündigtes Riskaudit, welches die nachhaltige Implementierung von risikominimierenden Maßnahmen überprüft.

Checklisten werden erstellt, um den MitarbeiterInnen eine Unterstützung bei ihrer Arbeit zu bieten. Dabei können die MitarbeiterInnen, ähnlich wie Piloten im Flugzeug die Checkliste Punkt für Punkt durchgehen. Ein Beispiel dafür ist die OP-Checkliste, in der unter anderem kontrolliert werden muss ob die Seitenmarkierung der zu operierenden Seite vorhanden ist.

Das Sicherheitsblatt ist ein zentrales Dokument, welches sowohl in Papier als auch elektronisch zur Verfügung steht und wesentliche Inhalte zur Patientensicherheit beinhaltet. Als zentrale Information werden hier die Allergien des Patienten abgebildet, die insbesondere  für die Medikamentensicherheit von Bedeutung sind. Es sind aber auch Informationen wie z. B. vorhandene Implantate (Herzschrittmacher,
Prothese oder mögliche Risiken wie „Sturzgefahr“ …) vermerkt.

Analysen unerwarteter Ereignisse oder Personenschadensfälle dienen dazu, nicht optimal verlaufene Behandlungsprozesse retrospektiv aufzuarbeiten und dabei fehlerbehaftete Schritte zu erkennen und Verbesserungspotential abzuleiten. Dies kann im Rahmen von Mortalitäts- und Morbiditätskonferenzen oder durch die Erstellung von Londonprotokollen mit strukturierter Fehlerfaktorenanalyse geschehen.

Patientenbeschwerden können von PatientInnen direkt an das Qualitäts- und Riskmanagement gerichtet werden. Dabei können PatientInnen, die mit einer ambulanten Behandlung oder dem stationären Aufenthalt nicht zufrieden waren, ihre Beschwerde schildern und Verbesserungsvorschläge vorbringen.

Patientenbefragungen werden durchgeführt, um die Zufriedenheit von vielen PatientInnen zu erfassen und damit ein generelleres Stimmungsbild zu erhalten und Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen.

Zertifizierte RisikomanagerInnen sind MitarbeiterInnen, die eine spezielle Ausbildung zum Thema klinisches Risikomanagement absolviert haben. In der Ausbildung wird ein besonderer Fokus auf die Erhaltung und Steigerung der Patientensicherheit gelegt.

Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle
Ein eigener Bereich der Geschäftsführung - die „Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle“  kontrolliert die Hygienemaßnahme, die richtige Anwendung von Antibiotika, vermindert dadurch die Hospitalkeime und reagiert sensibel und schnell auf gehäufte Infektionen.


im Bild v.l.n.r.:
Priv.-Doz. Dr. Paul Sungler, SALK Geschäftsführer; Univ.Doz.  Dr. Doris Conci, MSc; Leiterin QM und Riskmanagment; Christine Werkgarner-Steiner, LLM.oec.; QM und Riskmanagement; Univ.Prof.  Dr. Richard Greil, UK f. Innere Medizin III/Onkologie
(Bildrechte SALK/Wild&Team, Abdruck honorarfrei)


Rückfragen an:

Mag. Mick Weinberger
Leiterin SALK Unternehmenskommunikation & Marketing

ACHTUNG NEUE Mobil NUMMER: +43 (0)676 8997 20012
Tel.: +43 (0)5 7255-20012
Fax: +43 (0)5 7255-20195

mailto: m.weinberger@salk.at
www.salk.at

Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken Betriebsges.m.b.H.
Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
Firmenbuchgericht: Landesgericht Salzburg | Firmenbuchnummer: 240832s    
UID: ATU57476234 | DVR-Nummer: 0512915 |

1) Hinweis: Dr. Patrick Stalzer ist nun der Leiter der Krankenhaushygiene. Das Video wurde 2015 gedreht, damals hatte noch Priv.-Doz. Dr. Markus Hell die Leitung der Krankenhaushygiene.

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