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30% der Bevölkerung leiden an Erkrankungen des Gehirns
30% der Bevölkerung leiden an Erkrankungen des Gehirns

30% der Bevölkerung leiden an Erkrankungen des Gehirns

Uniklinikum Salzburg – Christian-Doppler-Klinik ist Kompetenzzentrum für Erkrankungen des Gehirns

Weil unsere Bevölkerung immer älter wird und sich unsere Gesellschaft grundlegend ändert, werden viele Gehirnerkrankungen wie zum Beispiel Schlaganfall, Depressionen, Demenzen, Angsterkrankungen, Hirntumore und Epilepsien in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen und unser Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen stellen. Das Gehirn ist für alles was wir tun verantwortlich. Es ist die Basis unserer Persönlichkeit, Gedanken, Gefühle und Eigenschaften, aber auch der Ursprung vieler schwerer chronischer Krankheiten. Den aktuellen Daten des European Brain Council (EBC) zufolge leiden in Europa 220,7 Millionen Menschen an einer Erkrankung des Gehirns. Kopfschmerzen (152,8 Millionen Betroffene) führen die Liste der häufigsten neurologischen Erkrankungen an, gefolgt von Schlafstörungen und -erkrankungen (44,9 Millionen), Schlaganfall (8,2 Millionen) und Demenzerkrankungen (6,3 Millionen). Erkrankungen des Gehirns haben enorme belastende Auswirkungen auf die davon betroffenen Patientinnen und Patienten, auf deren soziales Umfeld, die Gesellschaft und die Gesundheitssysteme. Die Gesamtkosten der Gehirnerkrankungen in Europa  betrugen im Jahr 2010 rund 798 Milliarden Euro. Die durchschnittlichen pro Kopf Kosten betrugen 5.550 Euro, was etwa der  Summe aus Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und allen Krebserkrankungen zusammen entspricht. Die hohen Gesamtkosten gehen nur zu 37 Prozent auf direkte Gesundheitskosten zurück, der Rest sind direkte nicht medizinische Kosten (23 Prozent) und indirekte Kosten (40 Prozent), die beispielsweise aufgrund von Produktivitätsausfällen durch Krankenstände und Frühpensionierungen entstehen. Für Österreich geht die europäische Experten/-innen-Gruppe von einer volkswirtschaftlichen Belastung durch neuropsychiatrische Erkrankungen von rund 16 Milliarden Euro pro Jahr aus, das ist eine Pro-Kopf-Last von 1.910 Euro. Bei den Pro-Kopf-Kosten liegt Österreich dieser Erhebung zufolge an vierter Stelle nach Luxemburg, Großbritannien und Norwegen.

Die ökonomischen Kosten von Gehirnerkrankungen sind daher bestimmend für unser Gesundheitssystem uns unsere Volkswirtschaft. Nicht umsonst hat daher das European Brain Council den Slogan geprägt: „Es gibt keine Volksgesundheit ohne Gehirngesundheit“. Die Gehirngesundheit ist die Grundlage einer ökonomisch erfolgreichen Gesellschaft.

Number of diagnoses- Austria
Total cost per disorder  
Die Weltgesundheitsorganisation WHO verwendet als ein Maß der Gesamtbelastung durch eine Erkrankung DALYs (Disability Adjusted Life Years: Zahl der verlorenen Lebensjahre durch vorzeitigen Tod kombiniert mit dem „Verlust“ an Lebensjahren durch Behinderung, dabei werden Jahre multipliziert mit einem bestimmten Faktor je nach Höhe der Behinderung). Sie hat errechnet, dass die DALYs aufgrund von neurologischen Erkrankungen von prognostizierten 95 Millionen (2015) bis zum Jahr 2030 um mehr als 9 Prozent auf 103 Millionen ansteigen werden.  In besonderem Maß sind dafür Alzheimer und andere demenzielle Erkrankungen (plus 37 Prozent von 2015 auf 2030) oder zerebrovaskuläre Erkrankungen (plus 13 Prozent) verantwortlich.

Der Krankheitsprävention kommt dabei eine bedeutende Rolle zu, die gerade bei zerebrovaskulären Erkrankungen mit dem Forschungsprojekt Paracelsus 10.000 an der CDK neue Erkenntnisse zum Gesundheitszustand der Salzburger Bevölkerung liefert.

Aber auch die Früherkennung von Krankheitssymptomen ist gerade hier enorm wichtig, um rasch zu einer kompetenten Diagnose zu kommen. Es geht bei Akutfällen wie dem Schlaganfall darum, die Symptome richtig zu deuten und schnell die Rettung zu rufen. Menschen mit akuten neurologischen Krankheiten müssen ehestmöglich an das diagnostisch-therapeutische System heranzuführen, und das setzt Wissen und Bewusstsein voraus.

Mehr als 1200 SchlaganfallpatientInnen werden jährlich in der Stroke-Unit der Salzburger Universitätsklinik für Neurologie behandelt
Schlaganfälle stehen in der Todesursachenstatistik im deutschsprachigen Raum nach der koronaren Herzkrankheit und dem Herzinfarkt an zweiter Stelle und gehören zu den häufigsten Ursachen für Invalidität im höheren Lebensalter.

In den vergangenen 5 Jahren hat sich die Versorgungsstruktur zur Behandlung des akuten Schlaganfalles grundlegend geändert. Jährlich werden in der Notfallambulanz der Universitätsklinik für Neurologie an der Christian Doppler Klinik mehr als 1500 Patientinnen und Patienten mit Schlaganfällen aufgenommen, dabei steht seit 2014 ein eigener fachspezifischer Dienst zu Verfügung um als „case manager“ die neuen komplexen Behandlungen in der  akuten Schlaganfalltherapie dem Patienten und den Patientinnen zukommen zu lassen. Ziel ist es die Blutversorgung des Gehirns möglichst rasch wiederherzustellen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die sehr hohe Lyserate von rund 25 Prozent, wobei dies nur in den ersten 3 bis 4 einhalb Stunden mit einer raschen intravenösen Behandlung möglich ist. Bei den schwersten Formen des Schlaganfalles bei denen ein großes Gefäß durch ein Gerinnsel verstopft wurde besteht die Möglichkeit dies in einer speziellen endovaskulären Technik – also aus dem Gefäßinneren – das Gerinnsel zu entfernen. Diese sogenannte neurointerventionelle mechanische Thrombektomie ist die effizienteste Schalganfallbehandlungen, die es zur Zeit gibt.

Interdisziplinäre neurointerventionelle Behandlung von Schlaganfällen 24 Stunden 7 Tage pro Woche, 365 Tage pro Jahr an der CDK
Durch diese akut durchgeführten interventionellen Verfahren (minimal invasiv) werden zerebrale Gefäßverschlüsse „rund um die Uhr“ behandelt. Diese neuro-interventionellen Eingriffe werden an der CDK interdisziplinär von den Universitätskliniken für Neurologie, Neurochirurgie, sowie dem Institut für Neuroradiologie auf höchstem Niveau durchgeführt. Die Einführung dieser neuen Techniken zur mechanischen Entfernung der Blutgerinnsel - der Thrombektomie, gibt dem Team der neurointerventionell tätigen Ärztinnen und Ärzten an der CDK die Möglichkeit, den Schlaganfall-Patienten besser zu versorgen und schwere Spätschaden so gut wie möglich zu vermeiden. Diese Interdisziplinäre Zusammenarbeit hilft den SchlaganfallpatientInnen!

„Die Erfolgsrate der Thrombektomie liegt auch bei längeren Gerinnseln mittlerweile bei mehr als 90 Prozent. Vor diesem Hintergrund kann die akute Schlaganfallversorgung in Österreich deutlich verbessert agieren“ so erläutert Priv.- Doz. Dr. Mark R. Mc Coy der Experte für Neuroradiologie und unterstreicht dabei die Wichtigkeit des Zeitfaktors in der Behandlung, denn „wenn mehr als sechs Stunden nach Eintreten der Schlaganfallsymptome vergehen, ist das Hirngewebe zumeist dauerhaft geschädigt“.

In der Christian Doppler Klinik sind unterschiedlichen Fachabteilungen in einem „Neurozentrums“ räumlich gebündelt und ermöglichen, so eine enge und rasche Zusammenarbeit aller „Neurofächer“!

Erkrankungen des Gehirns werden oft nicht sofort erkannt
Univ.-Prof. Dr. Eugen Trinka betont: „Das Bundesland Salzburg hat eine gute Versorgungssituation, wie das Beispiel Demenz zeigt: Rund 20 Prozent der Demenz-patienten haben eine andere Erkrankung als Alzheimer, z.B. Schilddrüsenfunktions-störungen oder „stumme“ Schlaganfälle ohne erkennbare Symptome. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht hier spezifische Behandlung und in vielen Fällen sogar Prävention. Aber auch Schwindel, Vergesslichkeit, Gang- oder Sprachstörungen, Muskel- und Nervenschmerzen etc. haben sind neurologische Leitsymptome. Weil diese Beschwerden in der Bevölkerung nur zum Teil mit dem Fach Neurologie in Zusammenhang gebracht werden, wenden sich viele Betroffene nicht oder zu spät an einen Neurologen oder eine Neurologin: das bedeutet verspätete Diagnose und Therapie und häufig eine schlechtere Prognose.“

Bei einer Reihe neurologischer Krankheiten haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren aufgrund intensiver Forschungsarbeit deutlich verbessert, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, Schlaganfall oder Parkinson. Dass sich die Neurologie damit von einem früher eher diagnostisch orientierten zum therapeutischen Fach entwickelt hat, bringt einen wachsenden Bedarf an Neurologinnen und Neurologen mit sich. Dies den Stakeholdern unseres Gesundheitssystems bewusst zu machen, ist eines der Ziele des Internationalen Tag des Gehirns.

Die Epilepsien – eine gesundheitspolitische und neurowissenschaftliche Herausforderung:
Der internationale Epilepsie Experte Univ.-Prof. Dr. Eugen Trinka erklärt: „Epilepsien sind, was viel zu wenig bekannt ist, die häufigsten schweren neurologischen Krankheiten. Die globale Krankheitslast durch Epilepsien, gemessen durch die sogenannten DALYs stieg zwischen 1990 und 2010 um 30 Prozent an. 2010 war die Krankheitslast durch Epilepsien höher als jene durch die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz, MS und Parkinson-Krankheit gemeinsam.“ Mit der Zunahme des Anteiles älterer Menschen in unserer Bevölkerung steigt auch die Anzahl der neuerkrankten EpilepsiepatientInnen im Alter steil an. In der WHO-Region Europa sind rund 6 Millionen Menschen an einer Epilepsie-Form erkrankt, in Österreich sind es rund 80.000. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu überschießenden Entladungen von Nervenzellen im Gehirn, vergleichbar einem Gewitter im Kopf. Das führt zu einer kurzen Funktionsstörung der betroffenen Nervenzellverbände.

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Disability Adjusted Life Years: die Zahl der verlorenen Lebensjahre durch vorzeitigen Tod kombiniert mit dem Verlust an Lebenszeit durch Behinderung

Eine aktuelle Studie (Schmidt, Schachter; BMJ, 2013) zeigt, dass die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Epilepsien wesentlich höher ist als bisher vermutet. Die oft ernsten Komorbiditäten einschließlich Verletzungen, Ertrinken, Depression und Angst assoziiert mit einer hohen Suizidrate, tragen zu einer dreimal so hohen Sterblichkeitsrate bei Menschen mit Epilepsien als in der Gesamtbevölkerung bei. Eine aktuelle österreichische Untersuchung (Trinka et al, Epilepsia 2012, Granbichler J Neurol 2015), die 3.334 Patienten mit diagnostizierter Epilepsie bis zu 30 Jahre lang beobachtete, führt zu alarmierenden Einsichten:

  • Patienten mit diagnostizierter Epilepsie haben während ihres ganzen Lebens ein höheres Sterberisiko, speziell aber in den ersten zwei Jahren nach der Diagnose;
  • Die Zahl der Todesfälle im Vergleich zur Standardpopulation ist besonders hoch bei jüngeren Patienten und bei Patienten mit Anfällen („symptomatische Epilepsie“);
  • Anfalls-freie Patienten haben das niedrigste Risiko eines vorzeitigen Todes in jeder Altersstufe, was die Bedeutung einer wirksamen Anfalls-Prophylaxe betont.

Das Ziel einer Epilepsie-Behandlung ist die Anfallsfreiheit. Etwa 70 Prozent der Patienten könnten diese erreichen, wenn bei ihnen die richtige Diagnostik und die richtige Therapie eingesetzt werden. Allerdings erhalten viele noch immer nicht die notwendige kompetente medizinische Betreuung, die sie benötigen. Obwohl die Lage in Österreich deutlich besser ist als im Durchschnitt Europas, besteht auch hierzulande eine Mangel an niedergelassenen Neurologen und Epilepsiespezialisten in ländlichen Gebieten und Gebirgsregionen. 
 
Die Elemente einer erfolgreichen Epilepsie-Therapie: Nach der Diagnose müssen Neurologin oder Neurologe das richtige Antiepileptikum für ein konkretes Epilepsiesyndrom auswählen. Die Auswahl des individuell richtigen Medikaments ist oft schwierig, weil Antiepileptika sich nicht grundsätzlich in ihrer Wirksamkeit, aber stark in ihrer Verträglichkeit unterscheiden. 30 bis 40 Prozent der Patienten benötigen ein weiteres Medikament, weil sie mit einem Antiepileptikum alleine keine Anfallsfreiheit erreichen. Versagt diese medikamentöse Therapie, sollten Patienten an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen werden und die Möglichkeit eines epilepsiechirurgischen Eingriffs geprüft werden.

Dazu steht in der Universitätsklinik für Neurologie eine der modernsten Epilepsiemonitoringeinheiten in Europa zu verfügung. Das Epilepsiezentrum Salzburg ist eine der 26 Zentren in Europa, die das Europäische Pilot Referenz Netzwerk (E-pilepsy) bilden um neue Standards in der präoperativen Epilepsiediagnostik und operativen Epilepsietherape zu setzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei bestimmten Epilepsieformen die Erfolgsaussichten nach Epilepsiechirurgie bei 80 bis 90 Prozent liegen. Wesentliche Fortschritte wurden dabei durch die technische Entwicklung im Bereich der neurologischen Bildgebung, wie Magnetresonanztomographie (MRT), oder Magnetencephalographie (MEG) erzielt. Im Zentrum für kognitive Neurowissenschaften Salzburg wird gemeinsam mit der Paris Lodron Universität ein vom Bund gefördertes interdisziplinäres Magnetencephalographie Labor gemeinsam mit der Christian Doppler Klinik und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität aufgebaut.  Damit wird nicht nur eine bessere Lokalisation des epileptogenen Areals erzielt, sondern auch wesentliche Fortschritte in der Erforschung kognitiver Prozesse.  Auch nach dem Einsatz epilepsiechirurgischer Verfahren und bei ungenügender Anfallskontrolle gibt es weitere innovative Therapiemethoden wie z. B. Neurostimulationsverfahren oder Stammzellbasierte Therapien.

Gerade im Bereich der präoperativen Epilepsiediagnostik kommt der Neuroradiologie eine enorme Bedeutung zu. Die Neuroradiologie hat in der Christian-Doppler-Klinik (früher Landesnervenklinik Salzburg) eine sehr lange Tradition. Als eines der Ersten auf Neuroerkrankungen spezialisierten Röntgeninstitute in Österreich wurde dieses 1969 von Prim. Dr. Mösl gegründet und 1971 sogar vom Österreichischen Bundespräsidenten Dr. F. Jonas eröffnet. Mittlerweile ist die Neuroradiologie an der Christian-Doppler-Klinik auf internationalem Niveau und bietet Kernspintomographische Untersuchungen für Akutfälle auch im Nacht -, Wochenend- und Feiertagsdienst. Neuroradiologische Untersuchungstechniken wie die Kernspintomographie (oder auch MRI genannt) erlauben heute nicht nur den Blick auf die Anatomie und hochauflösende Darstellung des Nervensystems und krankhafter morphologischer Veränderungen, sondern auch nichtinvasiv die Darstellung der Nervenfunktionen und funktioneller Stoffwechselvorgänge so Priv.- Doz. Dr. Mark R. Mc Coy. An der CDK ist im Interdisziplinären Forschungsverbund mit der Naturwissenschaftlichen Fakultät und dem Fachbereich Psychologie ein eigenes Forschungs-MRI seit 2010 in Betrieb aus dem zahlreiche beachtliche Forschungsergebnisse gewonnen wurden.

Epilepsiechirurgie am Neurozentrum der Christian-Doppler Klinik - einem Europäischen Pilot Referenzzentrum
Epilepsiechirurgische Operationen werden seit 2012 am Epilepsiezentrum Salzburg erfolgreich durchgeführt. Univ. Prof. Dr. Peter A. Winkler, der Vorstand der Universitätsklinik für Neurochirurgie betont, dass der Erfolg von Operationen am Gehirn hängt im Wesentlichen von exzellenten Kenntnissen der funktionellen Neuroanatomie der Hirn- und Gefäßstrukturen des epileptischen Herdes und umgebenden Regionen abhängt. Er hat deshalb ein Forschungslabor für Mikrochirurgische Neuroanatomie etabliert, in welchem neben didaktischen Aktivitäten für eine internationale Teilnehmerschaft auch mikroneuroanatomische Grundlagen erforscht und diese nach dem Prinzip der unmittelbaren translationalen Forschung in die Operationssäle und somit auf die Arbeit am Patienten übertragen werden.

Psychische Erkrankungen sind Gehirnerkrankungen – Depression: Jeder kann betroffen sein
Depressive Erkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit. Bei einer 12-Monats Prävalenz von 7-8% (Wittchen 2011) bedeutet dies, dass ca. 40.000 Salzburger jedes Jahr von einer depressiven Störung betroffen sind. Die Folgen sind neben dem persönlichen Leid, lange Krankenstände, Arbeitsplatzverlust und hohe gesundheitsökonomische Kosten, die unter anderem auch durch verspätete Diagnose und Behandlung entstehen. Auch viele andere Gehirnerkrankungen wie Schlaganfall, Epilepsien oder aber auch Herzinfarkte und Diabetes sind mit Depressionen verbunden und verschlechtern deren Prognose erheblich.

Einer der Schwerpunkte der Univ. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie liegt in der Diagnostik und Behandlung von therapieresistenten depressiven Störungen. Im Rahmen eines multimodalen therapeutischen Angebots kommen biologische, psychotherapeutische und psychosoziale Methoden gleichermaßen zum Einsatz und werden von einem multiprofessionellen Team den individuellen Bedürfnissen unserer PatientInnen angepasst.

Neurogeriatrie: Prognose 2030: 2,6 Mio. über 65-Jährige in Österreich
Die medizinische und soziale Versorgung alter Menschen ist eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Betrachtet man die demografische Entwicklung, wird klar, dass Erkrankungen des höheren Alters von zunehmender Bedeutung sind: Lebten 1900 in Österreich ca. 500.000 über 65-Jährige (9 % der Gesamtbevölkerung), so stieg die Zahl 1990 auf 1,6 Mio. (20,3 % der Gesamtbevölkerung), in nächster Zukunft wird die 30% Marke überschritten. Hochrechnungen beschreiben, dass der Anteil der über 80-Jährigen bis zum Jahr 2050 auf 11,3% steigen soll. In direktem Zusammenhang mit dem demographischen Wandel steht die Zunahme von chronischen, häufig neurologischen  Erkrankungen. Als Beispiel sei die Inzidenz von Schlaganfällen angeführt, die sich zwischen 70. und 85. Lebensjahr verdreifacht. Auch die Zahl neurokognitiver Störungen (Demenzerkrankungen) nimmt mit dem Alter zu, so sind mit 80 Jahren etwa 10% betroffen, mit 90 steigt der Anteil auf 30%. Als Folge wird die Pflegebedürftigkeit bis zum Jahr 2040 nach aktuellen Schätzungen um 40% zunehmen.

Die zunehmende Bedeutung des Gehirns für alterstypische Phänomene wie Sarkopenie (Muskelabbau) und Frailty (Gebrechlichkeitssyndrom) wird zunehmend evident und auch bei Stürzen, die eine wesentliche Gesundheitsproblematik alter Menschen darstellen, spielt die Funktion des zentralen Nervensystems eine wesentliche Rolle. Diese Erkenntnisse ermöglichen neue Ansätze präventiver Strategien.

Die zunehmende Vulnerabilität des alternden Gehirns trägt auch zum erhöhten Risiko für akute Verwirrtheitszustände (Delirien) bei, die  eine Vielzahl somatischer Erkrankungen komplizieren und deren Behandlung und Prävention neben neurogeriatrischer Expertise auch besondere Kenntnisse in der Pharmakotherapie erfordern.

Die spezifischen Probleme in der Versorgung alter Menschen sind nur in einem eng vernetzten, interdisziplinär orientierten Interventions- und Versorgungssystem lösbar. „Ziel ist es, die komplexen Probleme multimorbider alter Menschen frühzeitig zu erkennen, um durch eine rasche und adäquate Intervention bleibende Pflegebedürftigkeit zu vermindern.“ so Univ.-Prof. Dr. Bernhard Iglseder, seit 2006 Leiter der Universitätsklinik für Geriatrie.

Enorme wirtschaftliche Belastung der Gesundheits- und Sozialsysteme
Aufgrund der enormen Krankheitslast von Gehirnerkrankungen sind die Gesundheitssysteme in Europa und so auch im Bundesland Salzburg extrem gefordert. Aufgrund der deutlichen Zunahme der Lebenserwartung ist in den nächsten Jahren mit einer massiven Zunahme von Gehirnerkrankungen zu rechnen, die eine koordinierte Gesundheitsversorgung aller Gehirnerkrankungen notwendig macht. Sinnvoll kann dies nur durch Bündelung von Ressourcen in den Bereichen Krankenversorgung, Forschung, Ausbildung in Zentren („one stop shop“) geschehen: 
Die Christian-Doppler Klinik ist in diesem Sinn hervorragend aufgestellt und weist alle Qualifikationen für ein modernes „Neurozentrum“ auf in dem alle Fachabteilungen zur Behandlung von Gehirnerkrankungen auf einem Standort zusammengefasst sind (Best point of Care): Psychiatrie, Neurologie, Neurochirurgie, Neuroradiologie und Neuro-Geriatrie arbeiten hier eng zusammen. Die Bewältigung der Herausforderungen, die Gehirnerkrankungen an uns stellen kann in Zukunft nur durch eine erfolgreiche Kombination aus hochwertiger Krankenversorgung und Spitzenforschung im Verbund anderer Europäischer und internationaler Netzwerke erfolgen. An der Christian Doppler Klinik werden zur Zeit zwei von der EU und drei vom Österreichischen Wissenschaftsförderungsfond FWF geförderte Projekte, sowie zahlreiche internationale Netzwerkprojekte durchgeführt.

Die Ausbildung in den Neurofächern muss verbessert werden: In den medizinischen Universitäten nehmen die „Gehirnfächer“ (Neurologie und Psychiatrie) nur etwa 8% des gesamten Lehrstoffes ein die Häufigkeit von Gehirnerkrankungen liegt aber bei ca. 30% und die Kosten für das Gesundheitssystem bei 33%! Eine Anpassung der Lehrcurricula an den Universitäten ist hier dringend notwendig.

Die Kranheitsprävention hat gerade bei den Gehirnerkrankungen eine zentrale Rolle und muss weiter gefördert werden. Vorbeugende Maßnahmen liegen aber auch auch in der Verantwortung jedes einzelnen Menschen!

Im Rahmen des Welttag des Gehirns sollen möglichst viele Menschen darüber informiert werden, welche Rolle sie bei der Vorbeugung von Gehirnerkrankungen spielen können. 

  • Ein Beispiel ist die Schlaganfallvorbeugung. Die Öffentlichkeit muss konsequent davon überzeugt werden, dass Blutdruck, Übergewicht; Blutfette kontrolliert und ggf. mittels Lebensstiländerung und Medikamenten beeinflusst werden sollten, dass Rauchen erheblich zum Schlaganfallrisiko beiträgt, ebenso Vorhofflimmern, eine häufige, altersassoziierte Herzrhythmusstörung, die abgeklärt und meist mittels Blutverdünnung behandelt werden muss. Und dass sie bei Verdacht auf einen Schlaganfall rasch reagieren und unbedingt die Rettung rufen sollen. Mit dem Schlaganfallzentrum an der CDK und dem neu eingeführen interdisziplinären Neurointerventionsteam, das 24 Stunden zu Verfügung steht ist in der Stadt Salzburg die optimale Versorgung gesichert Dennoch besteht auch auf diesem Gebiet Ausbaubedarf um eine bessere Vernetzung insbesondere mit den Spitälern in den Gebirgsregionen zu erzielen.
  • Dieselben Risikofaktoren wie bei den Zerebrovaskulären Erkrankungen spielen auch bei der Entwicklung von Demenzerkrankungen und Epilepsien eine Rolle. Zusätzlich wissen wir, dass ein körperlich, geistig und sozial aktiver Lebensstil helfen kann, das Risiko von Demenzen zu senken.
  • Ein seit Jahren, von Doz. Fartacek ins Leben gerufenes Vorzeigeprojekt ist die Suizidprävention. Dadurch gelang es direkten Einfluss auf den Rückgang der Suizidraten im Bundesland Salzburg zu nehmen. Bemerkenswert sind auch einige der auch international viel beachteten Forschungsprojekte wie z.B. „Bergwandern als Suizidprävention“ die vom Team der Suizidprävention (lt. OÄ Dr. Larissa Hauer) in Kooperation unter anderem mit dem Institut der Sportmedizin durchgeführt werden.

Bildrechte: SALK/Wild&Team
Abdruck honorarfrei

Bild 1:
von l.n.r.: Priv.-Doz. Dr. Mark Mc Coy, Leiter Division für Neuroradiologie;  Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter A. Winkler, Vorstand Universitätsklinik für Neurochirurgie; Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Eugen Trinka, FRCP, Ärztlicher Direktor Christian-Doppler-Klinik und Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie; Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Aichhorn, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie; Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Iglseder, Vorstand der Universitätsklinik für Geriatrie;

Kontakt:
Mag. Mick Weinberger
Leiterin Unternehmenskommunikation & Marketing

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