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20 Jahre Kinderschutzgruppe im Uniklinkum Salzburg:30% der Mädchen und 40% der Buben geben an subjektive Gewalterfahrung zu haben
20 Jahre Kinderschutzgruppe im Uniklinkum Salzburg:30% der Mädchen und 40% der Buben geben an subjektive Gewalterfahrung zu haben

20 Jahre Kinderschutzgruppe im Uniklinkum Salzburg:30% der Mädchen und 40% der Buben geben an subjektive Gewalterfahrung zu haben

Die Aufdeckung von Gewalt an Kindern und die Einleitung von adäquaten Schutzmaßnahmen sind komplexe Aufgaben von Kinderschutzgruppen in Krankenanstalten.

Dozent Dr. Paul Sungler, Geschäftsführer im Uniklinikum Salzburg betont: „Kinder, die Gewalt erfahren haben, zu schützen und weiterer Gewalt vorzubeugen, ist eine sehr komplexe Aufgabe, mit der Ärztinnen und Ärzte, wie andere in Gesundheitsberufe tätige Menschen immer wieder konfrontiert sind. Weil die Arbeit nicht mit der Behandlung der Verletzungen getan ist, sondern von der genauen Analyse der Ursachen der Verletzung bis zum Schutz des Opfers reicht, ist interdisziplinäre Zusammenarbeit und koordiniertes Vorgehen wichtig.“ Univ.-Prof. Dr. Roman Metzger, Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie ergänzt: „Gesundheitsberufen leisten in der Kinderschutzarbeit einen wichtigen Beitrag. Ein multiprofessioneller Zugang erleichtert es, physische, psychische und sexuelle Gewalt an Kindern frühzeitig zu erkennen. Durch die erfahrenen Experten der Kinderschutzgruppe haben wir ein Team im Haus, dass den MitarbeiterInnen hilft, bei Verdachtsfällen richtig zu agieren.“

Jährlich werden im Schnitt alle 10 Tage Kinder an die Kinderschutzgruppe im Uniklinikum Salzburg zugewiesen. Die wesentliche Aufgabe der Kinderschutzgruppe ist ein standardisiertes Vorgehen bei Verdachtsfällen. Dr. Christian Heil ist Leiter der Kinderschutzgruppe und Kinder- und Jugendchirurg und betont: „Es ist erschreckend, wie häufig sich ein Verdacht dann bestätigt. Wichtig ist in dieser Situation, trotz hoher emotionaler Beteiligung im Umgang mit den Opfern von Gewalt, sachlich zu bleiben. Nur so können wir den Opfern helfen.“  Ziel des strukturierten Eingreifens der Kinderschutzgruppe ist im Wesentlichen der Schutz und Erhaltung des Kindeswohls. Dr. Heil ergänzt: „Wichtige Ziele der Kinderschutzgruppe sind aber auch die Entlastung der stationsführenden Ärztinnen und Ärzte durch Abbau von Unsicherheit und Ängsten bei einem Verdacht auszusprechen und abzuklären. Durch standardisiertes Vorgehen ist auch die Dokumentation der Fälle besser, was wiederrum zur verbesserten Prozesstauglichkeit der Daten führt.“

Der Kinder- und Jugendpsychiater Univ.-Prof. Dr. Thun-Hohenstein, Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie war vor 20 Jahren Gründer der Kinderschutzgruppe (KSG) in den Salzburger Landeskliniken und erklärt: „Die Einrichtung von Kinderschutzgruppen ist in einer Grundsatzbestimmung im Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz und in den entsprechenden Ausführungsgesetzen der Länder geregelt. Die KSG hält regelmäßige Sitzungen ab und bearbeitet, erörtert und schließt alle an sie gemeldeten Verdachtsfälle ab. In Krisensituationen sollte das Team, oder zumindest Teile davon, akut einberufen werden können. Kann zu einem Verdachtsfall innerhalb der Kinderschutzgruppe keine einstimmige Empfehlung abgegeben werden, entscheidet die Leitung der Kinderschutzgruppe bzw. deren Vertretung.“

Die leitende Diplomsozialarbeiterin des Kinderzentrums DSA Ulrike Zeiler, die bereits seit mehr als einem Jahrzehnt fixer Bestandteil der Kinderschutzgruppe ist, erläutert: „Neben den stationären Patienten, bei denen der Verdacht auf jegliche Form von Gewalt aufkommt, gibt es auch häufig akute Abklärungen. Oftmals werden wir Sozialarbeiterinnen von den jeweiligen Stellen vorab informiert, um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren und das Kind vor möglichen Retraumatisierungen zu schützen. Zudem sind wir jene essentielle Drehscheibe, die die notwendigen Schritte zwischen allen beteiligten Personen und Institutionen koordiniert.“

aus "Gewalt gegen Kinder und Jugendliche", BM für Gesundheit Familie und Jugend. In kinderspezifischen Einrichtungen (Kinderspitäler, Kinderchirurgie, Kinderpsychiatrie) variieren die Angaben zwischen 0,5 - 1,4 %.

Der Kinderschutzgruppe haben insbesondere folgende Vertreter anzugehören:

  • Vertreter des ärztlichen Dienstes, jedenfalls eine Fachärztin/ein Facharzt für Pädiatrie und/oder Kinder u. Jugendchirurgie.
  • Eine Fachärztinnen/ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
  • Jedenfalls ein Vertreter des Pflegedienstes.
  • Jedenfalls eine Person, die zur psychologischen Betreuung oder psychotherapeutischen Versorgung in der Krankenanstalt tätig ist.
  • Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.
  • Bei Bedarf eine Fachärztin/ein Facharzt für Gynäkologie.
  • Vertreter der Jugendwohlfahrt können nach Rücksprache mit dem/der Leiterin der Kinderschutzgruppe im Einzelfall teilnehmen.

Kinder- und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr werden an den Salzburger Universitätsklinken im interdisziplinären Kinderzentrum (Landeskrankenhaus) behandelt. Säulen dieses Kinderzentrums bilden die UK für Kinder- und Jugendheilkunde sowie die UK für Kinder- und Jugendchirurgie. Im gemeinsamen Ambulanzbereich (mit Kindernotfallambulanz) wird im Verdachtsfall großes Augenmerk auf die vielfältigen Arten der Misshandlungen gelegt. Eng angeschlossen im Kinderzentrum ist die Kinderradiologie der UK für Radiologie. Die kinder- und jugendpsychiatrische Expertise wird von der UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie (Christian-Doppler-Klinik) erbracht.

Die wesentlichen Aufgaben der Kinderschutzgruppe
Die KSG steht unter fachärztlicher Leitung, die auch die Letztverantwortung inne hat. Ansonsten ist sie nicht hierarchisch strukturiert, sodass alle Mitglieder gleichwertig gehört werden und mitbestimmen. Die Kinderschutzgruppe dokumentiert im KIS ORBIS, wobei die Daten nur von den Mitgliedern der Kinderschutzgruppe eingesehen werden können. Die wesentlichen Aufgaben der Kinderschutzgruppe sind standardisierte Vorgehen bei Verdachtsfällen:

  • Rasche Entscheidung bezüglich Meldung an den Jugendwohlfahrtsträger, Gefährdung von Geschwistern, Beantragung eines Ausfolgeverbotes (prinzipiell Jugendwohlfahrt oder Journaldienst der Bezirkshauptmannschaft zuständig; wenn nicht erreichbar, dann auf Basis § 22 Sicherheitspolizeigesetz über die Polizei), polizeiliche Anzeige wenn nötig (Aufschub möglich)
  • Erstellung individueller Abklärungspläne
  • Standardisierte Spurensicherung bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch
  • Standardisiertes Vorgehen bei Konfrontationsgesprächen mit Eltern
  • Ausreichende Dokumentation (aktuell im KIS ORBIS)
  • Diskussion und Reflexion der Fälle in regelmäßigen Sitzungen
  • Einholen von Rückmeldungen von diversen Institutionen
  • Einbeziehung angrenzender Fachgebiete
  • Aus- und Fortbildung aller Berufsgruppen im eigenen Wirkbereich
  • Kontakt mit Jugendwohlfahrtsträgern; Kinderschutzzentren, Kinder- und Jugendanwaltschaft; Kinderpsychiatrie, Gerichtsmedizin, andere KSG; Polizei und Gerichten


Bildrechte SALK/Wild&Team
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Teilnehmer:
Dozent Dr. Paul Sungler, Geschäftsführer im Uniklinikum Salzburg, SALK;
Univ.-Prof. Dr. Roman Metzger, Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie;
Univ.-Prof. Dr. Thun-Hohenstein, Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie;
Dr. Christian Heil, Oberarzt und Leiter der Kinderschutzgruppe, UK Kinder- und Jugendchirurgie;
Dr. Susanne Ribeiro, Oberärztin und Leiterin Department für Psychosomatik an der UK f. Kinder und Jugendheilkunde;
DSA Ulrike Zeiler, Diplom Sozialarbeiterin und Leiterin der Sozialarbeit in der Kinderschutzgruppe

Rückfragen an:
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Mag. Mick Weinberger
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