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Therapien für Kinder- und Jugendliche
Therapien für Kinder- und Jugendliche

Therapien für Kinder- und Jugendliche: Was wirklich hilft !

Das Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie ist in Österreich noch sehr jung, im Ausland jedoch seit langer Zeit etabliert und respektiert. Hierzulande ist seine fachliche und vor allem volkswirtschaftliche Bedeutung noch nicht überall bekannt. Zwischen 19. und 21. 2. 2015 findet in Salzburg der 32.Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie statt. Der diesjährige Kongress der Fachgesellschaft widmet sich der Therapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Welche Therapieformen kommen zum Einsatz, wer führt diese durch, sind diese Therapien wirksam, effektiv und effizient? Es geht um die Frage der Multiprofessionalität und Interdisziplinarität und die damit verbundene Kooperation. Was beinhaltet kinder– und jugendpsychiatrische Therapie eigentlich? Ist es medizinische Psychotherapie, Psychoedukation, Pharmakotherapie? Ist es eine eigenständige Therapieform oder von allem ein bisschen? Im Hinblick auf die Versorgungsdiskussion erscheinen diese Fragen höchst aktuell.

Teilnehmer:

  • Prim. Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg;
  • Prim. Univ.-Prof. Dr. Eugen Trinka, Vertreter der Paracelsus Medizinische Universität
  • Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Geretsegger, Interimistischer Leiter der UK für Psychiatrie und Psychotherapie, CDK
  • Thema Forensik: 1.OÄ PD Dr. Belinda Plattner, UK für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg;
  • Thema Evaluationsstudie: Mag. Corinna Fritz, UK für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg;Thema Epidemiologiestudie: Dr. Julia Philipp, UK für Kinder und Jugendpsychiatrie MUW-AKH Wien;

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Unterschiedliche Möglichkeiten der Thearpien

Das therapeutische Handeln ist ein Teil verschiedener Tätigkeiten des Kinder- und Jugendpsychiaters, aber wohl der für die Patientin am Wichtigste. Therapie kann in verschiedener Form vermittelt werden, Einzeltherapie, Familientherapie, Gruppentherapie. Es gibt medikamentöse Therapien, funktionelle Therapien, verschiedenste Formen von Psychotherapie. Allen gemeinsam ist das Bemühen dem Kind und/oder Jugendlichen Hilfestellungen zu vermitteln, die diesem ermöglichen sein Leben selbstständig und selbstwirksam zu leben. Wie Professor DDDr. Clemens Sedmak in seinem Vortrag ausführen wird, geht es um „Gesundheit, gutes Leben, Sinnhaftigkeit für den Behandelnden“.

32. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Prim. Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, der Vorstand der Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg erklärt: „Der Kongress stellt die Therapie an sich und die verschiedensten therapeutischen Angebote in den Mittelpunkt der Diskussion. Es werden neuartige Therapieformen, wie die mentalisierungsbasierte Therapie (MBD) vorgestellt, es wird auf neueste Aspekte  krankheitsspezifischer Behandlungsformen, wie Behandlung von Essstörungen oder frühkindlichem Autismus eingegangen. Es werden aber auch grundsätzliche Konzepte therapeutischen Handelns, wie systemische Konzepte oder die tiefenpsychologisch orientierte operationalisierte Psychodiagnostik des Kindes- und Jugendalters vorgestellt und diskutiert.“

All diesen Bemühungen ist gemeinsam in einer Beziehung zu einem Menschen mit einer psychischen Erkrankung eine Veränderung des Verhaltens, Denkens und Fühlens herbeizuführen. Dies muss einerseits an das Individuum und sein Umfeld angepasst sein und andererseits den wissenschaftlichen Kriterien und Bedingungen medizinischen Handelns entsprechen. Insbesondere die Qualitätssicherung von therapeutischen Maßnahmen ist eine zentrale Forderung, da damit einerseits die Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit therapeutischer Maßnahmen nachgewiesen werden kann und andererseits auch mit Hilfe des nachgewiesenen Erfolges dieser Therapieformen auch das ökonomische Sparpotential erfolgreicher Therapien dargestellt werden kann.

Evaluation der Salzburger UK für Kinder und Jugendpsychiatrie

In den letzten Jahren wurde die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie durch das Ludwig-Boltzmann Institut for Health-Technology Assessment evaluiert. Es wurden alle stationären und tagesklinischen PatientInnen bei Aufnahme, bei Entlassung und 6 Wochen nach der Entlassung hinsichtlich ihrer Symptome, Beschwerden, sowie ihre Zufriedenheit mit der Behandlung befragt. Die ersten Ergebnisse werden auf dieser Tagung vorgestellt. Mag. Corinna Fritz, von der Uniklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie Salzburg zeigt sich erfreut über die guten Ergebnisse der Evaluation: „Die Ergebnisse zeigen, dass erstens das therapeutische Konzept der UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie bei über 90% der Patienten eine Besserung der Ausgangslage zufolge hat, bei 64% deutliche oder völlige Besserung. Eine Verschlechterung durch die Therapie ist nur ganz extrem selten (bei 1%) und die Wiederaufnahmerate ist mit 9% extrem niedrig. Die größten Effekte zeigen sich naturgemäß zwischen Aufnahme und Entlassung, aber auch noch weitere positive Effekte zwischen der Entlassung und 6 Wochen nach Entlassung. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass die Lebensqualität von Aufnahme bis zur Entlassung und darüber hinaus signifikant steigt und 66% der Patienten durchschnittlich oder überdurchschnittlich zufrieden mit der Behandlung sind.“

Früh behandeln schützt

Eine andere Studie, die von der UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie Innsbruck vorgestellt wird, kann nachweisen, dass lediglich 25% der kinderpsychiatrischen PatientInnen in der Erwachsenenpsychiatrie wieder aufgenommen werden. Diese Qualitätsüberprüfung der Arbeit einerseits und der Nachweis, dass dies zu einer verringerten Aufnahmewahr-scheinlichkeit im Erwachsenenalter führt, weist auf die generelle Bedeutung dieses Fachgebietes und seines therapeutischen Handelns hin.

Zusammenarbeit von Justiz und forensischer Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Tagung beschäftigt sich auch mit einem anderen aktuellen Thema mit der Behandlung von delinquenten Kindern und Jugendlichen. Hier kommt die Arbeitsgruppe aus Zürich und stellt ein Modell einer zukunftsweisenden Zusammenarbeit von Justiz und forensischer Kinder- und Jugendpsychiatrie vor, sowie Konzepte der forensischen Therapie bei jugendlichen Straftätern.

Studie bestätigt: Bis zu 20% der Kinder und Jugendlichen sind psychisch krank

Wie auf allen Kongressen gibt es auch im Rahmen dieses Kongresses Themen, die rund um das zentrale Thema angesiedelt sind. Eines davon ist die Häufigkeit psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Österreich. Da es dazu keine nationalen Daten gibt, hat die UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien nun ein nationales Projekt gestartet und wird die ersten Ergebnisse dieser epidemiologischen Studie vorstellen in einer anderen repräsentativen Stichprobe (mehr als 3600 ProbandInnnen, 55% Mädchen). Diese Studie bestätigt im Großen die internationalen Daten, dass bis zu 20% der Kinder und Jugendlichen psychisch krank sind, Kinder körperlicher oder psychischer erkrankter Elternteile ein 2,4 bis 4,4-fach erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen haben. Weitere Faktoren waren das Fehlen erwachsener Bezugspersonen oder Kinder alleinerziehender Eltern, die ebenfalls eine deutliche Erhöhung für psychische Auffälligkeiten nach sich ziehen.

Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein erklärt: „Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass zahlreiche Spezialisten und Ordinarii aus Wien, Innsbruck, Heidelberg, Hamburg, Zürich zu Gast sind, um über die neuesten Entwicklungen im Fachbereich Kinder- und Jugendpsychiatrie zu berichten. Ich freue mich sehr, dass die Fachgesellschaft der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie die Verantwortung für die Ausrichtung dieses Kongresses übertragen hat.“

Dennoch: In Österreich gibt es Defizite in der Versorgung

Politisch ist das junge Fach noch nicht bei einer dem Status Österreichs entsprechenden Versorgung angekommen: Defizite der stationären Versorgung, der ambulanten Versorgung wie auch der niedergelassenen Ärztinnen (z.B. im Bundesland Salzburg gibt es bisher keinen niedergelassenen Kassenarzt für Kinderpsychiatrie).
Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein betont abschließend: „Wir fordern auch die Umsetzung des Rehaplanes für Kinder und Jugendliche! Abschließend möchten wir festhalten, dass das Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie dringend an internationale Versorgungsstandards angeglichen werden muss – die Notwendigkeit ist mehrfach auf Sachebene und auch politisch nachgewiesen worden.“

 


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Mag. Mick Weinberger
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