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Jugendkriminalität: Strafvollzug alleine kann keine Lösung sein - Zukunftsorientierte Ansätze
Jugendkriminalität: Strafvollzug alleine kann keine Lösung sein - Zukunftsorientierte Ansätze

Jugendkriminalität: Strafvollzug alleine kann keine Lösung sein - Zukunftsorientierte Ansätze

Jugendbanden oder einzelne Jugendliche, die durch kriminelles Verhalten wie Vandalismus, Gewalt, Einbruch und Diebstahl auffallen, rücken zunehmend in den Fokus medialer und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Jugendkriminalität zusehends als gesellschaftspolitisches Problem verstanden.

Jugendkriminalität zusehends als gesellschaftspolitisches Problem verstanden. Die „Qualität“ des österreichischen Jugendstrafvollzugs wurde aus aktuellem Anlass kürzlich intensiv medial diskutiert. Jugendkriminalität ist ein komplexes und gesellschaftsbewegendes Thema. Einerseits muss den Opfern von Straftaten Rechnung getragen werden, andererseits handelt es sich bei den Tätern um Kinder- und Jugendliche, die in unserer Gesellschaft als schutzbedürftig gelten. Die Mitarbeiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Christian-Doppler-Klinik haben unter der Leitung von Primar Univ.-Prof. Dr. Thun-Hohenstein ein Pilotprojekt gestartet, einzelnen Jugendlichen, bei welchen im Rahmen ihrer kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung an der Klinik deliktisches Verhalten offenkundig wurde, eine deliktorientierte Therapie nach Schweizer Vorbild anzubieten.

Im Rahmen der anberaumten Pressekonferenz werden Möglichkeiten geboten, sich zu dem Thema Kriminalität und psychische Störung zu informieren. Ferner werden Modelle präsentiert, nach neuesten wissenschaftlichen Stand mit straffällig gewordenen Jugendlichen therapeutisch zu arbeiten.

Als Experten standen Ihnen zur Verfügung:

  • Jugendkriminalität zusehends als gesellschaftspolitisches Problem verstanden. Die „Qualität“ des österreichischen Jugendstrafvollzugs wurde aus aktuellem Anlass kürzlich intensiv medial diskutiert. Jugendkriminalität ist ein komplexes und gesellschaftsbewegen
  • Prim. Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie
  • Oberärztin Dr. Belinda Plattner, Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie

*) Quelle: http://strafvollzug.justiz.gv.at/

Justizanstalten : In Österreich gibt es 27 Justizanstalten; 7  Strafvollzugsanstalten für Männer: Stein, Graz-Karlau, Garsten, Suben, Sonnberg, Hirtenberg, Wien-Simmering; 1 Strafvollzugsanstalt für Jugendliche: Gerasdorf; 1  Strafvollzugsanstalt für Frauen: Schwarzau; 3  Anstalten für den Maßnahmenvollzug: Göllersdorf, Wien-Mittersteig, Wien-Favoriten; 15   gerichtliche Gefangenenhäuser: Eisenstadt, Wien-Josefstadt, Wr. Neustadt, St. Pölten, Krems, Korneuburg, Graz-Jakomini, Leoben, Klagenfurt, Linz, Wels, Ried, Salzburg, Innsbruck, Feldkirch.  In Österreich gibt es derzeit rund 9.000 Häftlinge – rund 3% sind jugendliche Straftäter (14. – 18. Lebensjahr). Zirka 8% "junge Erwachsene" (18. – 21. Lebensjahr).

Jugendkriminalität: Strafvollzug alleine kann keine Lösung sein – Zukunftsorientierte Ansätze

Jugendkriminalität ist ein komplexes und gesellschaftsbewegendes Thema. Einerseits muss den Opfern von Straftaten Rechnung getragen werden, andererseits handelt es sich bei den Tätern um Kinder- und Jugendliche, die in unserer Gesellschaft als schutzbedürftig gelten. Insbesondere kriminelle Jugendliche entstammen gehäuft psychosozial schwerst belasteten Familien und wurden in ihrer Entwicklung häufig selber Opfer von Gewalt und Missbrauch. Internationale und nationale Studien zeigen ferner, dass jugendliche Straftäter extrem gehäuft von psychischer Störung (v.a Störungen des Sozialverhaltens, Suchterkrankungen und Traumafolgestörungen) betroffen sind und dass diese Störungsbilder eine direkte Auswirkung auf das Deliktverhalten, interpersonelle Aggression, Rückfall und auch suizidales Verhalten haben.

Die bisherige Lebenserfahrung und die Störungen der betroffenen Jugendstraftäter sind eng mit ihren aktuellen und späteren Taten verwoben. Bei vielen Jugendlichen sind die Persönlichkeitsentwicklung, das Schuldempfinden, die Impulskontrolle und die Empathie für  andere zutiefst gestört. Ein bloßes „Wegsperren“  wie es in einer Untersuchungshaft der Fall ist führt zu keiner Veränderung, da derart empfindlich in ihrer Entwicklung gestörte Kinder nicht in der Lage sind, selber – im Rahmen einer Sanktion wie der Haft - die notwendigen Nachreifungsprozesse einzuleiten. Dem anfänglichen Schock der Erstinhaftierung folgt eine Sozialisation im dissozialen Milieu der Mitinsassen, wo defizitäre Strukturen weiter gelebt und vertieft werden. Machtkämpfe, Unterdrückung, Folter und Demütigung in der Gruppe sind hier keine Seltenheit.

Spielt man diesen Gedanken weiter, ist es verständlich, dass die Haft wenig bis gar keine resozialisierenden Aspekte hat. Viele Jugendliche werden direkt aus der Untersuchungshaft entlassen ohne die im Jugendstrafvollzug bestehenden Therapie und Ausbildungsmöglichkeiten genutzt zu haben. Dem Anspruch dem Opfer Rechnung zu tragen und zukünftige Kriminalität zu verhindern wurde nicht genüge geleistet.

Univ.-Prof. Dr. Thun-Hohenstein erklärt: „Wir können daraus schließen, dass das Möglichkeiten des Täters, sich selber zu verändern direkt verbunden ist mit der Prävention von zukünftigen Straftaten und somit dem Schutz zukünftiger potentieller Opfer. Somit ist es, um das Opfer zu schützen, unumgänglich mit den Täter zu arbeiten. Was anfänglich ein ethischer Widerspruch erscheinen mag, entpuppt sich als logische Konsequenz.“

Moderne Gesellschaften, wie zum Beispiel die Schweiz, Niederlande als auch Deutschland, haben dies erkannt und sehen den Opferschutz in erster Linie dadurch gewährleistet, dass mit dem Täter rückfallpräventiv gearbeitet wird.

Hier steht im Vordergrund zu verstehen, welchen Weg der Täter bisher nahm und was zu dem Delikt geführt hat. Gemeinsam mit dem jugendlichen Straftäter kann dann daran gearbeitet werden Mechanismen, die zum Tatverhalten geführt haben zu durchbrechen. Demnach besteht deliktorientierte Therapie in einem Verstehen des Tatablaufs, der Entwicklung und Persönlichkeit des Täters, dessen Störungsbilder und einer sich daraus ergebenden Erarbeitung eines Modells mit Risikosituationen umzugehen und so einen Rückfall zu verhindern. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um eine „Bagatellisierung“ des vom Opfer erlittenen Leides, oder eine Zuwendung hin zum Täter handelt, sondern um einen wissenschaftlich fundierten Ansatz erlernte Problemverhaltensmuster zu bearbeiten. Die Therapien finden standardisiert und strukturiert statt, das Ziel muss stets Rückfallprävention bleiben. Der Rahmen für eine deliktorientierte Therapie wird nach der Schwere des Delikts, der Persönlichkeitsreife und auch den sozialen Rahmenbedingungen des Jugendlichen gewählt. Hier kommen geschlossene Rahmen, wie Haft (jedoch unter humanen Bedingungen), aber auch oft eine Unterbringung in Einrichtungen der Jugendwohlfahrt oder auch eine ambulante Therapie bei zu Hause lebenden Jugendlichen in Frage.

Die Mitarbeiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Christian-Doppler-Klinik haben unter der Leitung von Primar Univ.-Prof. Dr. Thun Hohenstein ein Pilotprojekt gestartet, Jugendlichen, bei welchen im Rahmen ihrer kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung an der Klinik deliktisches Verhalten offenkundig wurde, eine deliktorientierte Therapie nach Schweizer Vorbild anzubieten.

Um diese wissenschaftlich fundierte und erfolgversprechende Methode möglichst vielen betroffenen Jugendlichen zukommen zu lassen, müssten standortbezogen Ressourcen für den Ausbau dieses Angebotes – stationär wie ambulant - geschaffen werden. Bundesweit wäre es interessant gemeinsam mit der Justiz, der Polizei und der Jugendwohlfahrt und der Kinder- und Jugendpsychiatrie Prozesse zu starten, die einen Einbezug der oben angeführten Therapie- und Arbeitswege in bereits bestehende Systeme ermöglichen. Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Salzburg würde mit ihrer Expertise in diesem Bereich solche Prozesse gerne beheimaten oder begleiten.


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